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Eintracht Frankfurt Zweigleisige Planungen und Apfelkuchen

Heribert Bruchhagen sucht im Trainingslager der Eintracht die Nähe zur Mannschaft und spricht Trainer Skibbe bei der allgemeinen Krisenbewältigung sein Vertrauen aus.

© Wonge Bergmann Vergrößern Frankfurter Hindernislauf: Patrick Ochs will alles dafür tun, „dass der Knoten endlich platzt”.

Gelassenheit ist das Gebot der Stunde. Mag er innerlich angesichts der bislang verkorksten Rückrunde noch so aufgekratzt sein, anmerken ließ sich Heribert Bruchhagen seine Anspannung nicht. Am Mittwoch ist er dem Eintracht-Team ins Trainingslager in den Westerwald nachgereist. Am Nachmittag bezog der 62-Jährige sein Zimmer im Mannschaftshotel und kurz darauf schritt er im Sportdress durch die Lobby. Bruchhagen, das verdeutlichte seine Anwesenheit, sucht die Nähe zu den Frankfurter Fußballprofis, deren Tagesarbeit an der WM-Arena er sonst eher unregelmäßig verfolgt. Die Situation, soviel Einblick in sein Gefühlsleben gestattete der Manager und Vorstandschef trotz seiner demonstrativ zur Schau gestellten Zuversicht, empfindet er als „besorgniserregend“. Sechs Niederlagen in sieben Spielen, nur ein torloses Unentschieden und kein erzielter Treffer seien in negativer Hinsicht „etwas Besonderes, das habe ich in dieser Form noch nie erlebt“. Gleichwohl äußerte er sich überzeugt, „dass wir die nötigen Punkte holen“.

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Vom Aufenthalt am Wiesensee versprach sich Bruchhagen keine Wunderdinge. Rückschlüsse aus dem Treiben auf dem Rasen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Westerburg auf die Bundesliga wollte er nicht ziehen. Das spürbare Engagement des Kaders sei für ihn jedenfalls „kein verlässlicher Indikator“, dass es am Wochenende tatsächlich mit dem ersten Sieg seit der Winterpause klappt. Bruchhagen ist sich sicher: „Nur wenn sich unsere Leistungsträger formverbessert zeigen, steigen unsere Chancen tatsächlich.“ So oder so werde die Rückrunden-Tabelle für Eintracht Frankfurt aber „nicht mehr besonders charmant“ ausfallen. Zu einem geeigneten Zeitpunkt, was für ihn wohl der Augenblick der geglückten Rettung bedeutet, werde man analysieren müssen, „warum es so gekommen und was daraus abzuleiten ist“. Auf jeden Fall beschäftigt sich der Verein schon heute mit der zweiten Liga. Bis zum 15. März müssen bei der Deutschen Fußball Liga die Lizenzunterlagen eingereicht werden – und die Hessen planen wie neun Mitbewerber notgedrungen ein weiteres Mal zweigleisig. Was unter seiner Regie nichts Neues sei: „Zu diesem Zeitpunkt waren wir in den vergangenen sieben Jahren noch nie auf der sicheren Seite.“

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„In Krisenbewältigung haben wir bei der Eintracht schließlich Erfahrung“

Ein Abstieg hätte ohne Zweifel gravierende Folgen, unter anderem würden sich die Einnahmen durch Fernsehgelder drastisch reduzieren. Von den aktuell 26 Akteuren im Frankfurter Aufgebot haben 23 einen Vertrag, der auch unter zweitklassigen Vorzeichen gültig wäre. „Allerdings zu entschieden minimierten Gehältern“, wie Bruchhagen betonte. „Auch deswegen sind sie nicht glücklich mit der Lage und wollen da heraus.“ Gegen Mutmaßungen, einzelne Spieler würden sich bereits mehr mit ihrer persönlichen Zukunft beschäftigen als mit dem Wohl der Eintracht, verwahrte er sich: „Absetzbewegungen sehe ich nicht.“

Kapitän Patrick Ochs, der zum Ende der letzten Wechselfrist kurz mit dem FC Schalke flirtete und aufgrund seines 2012 auslaufenden Kontrakts bei der Konkurrenz begehrt ist, sagte in diesem Zusammenhang: „Im Moment gibt es für mich nur Eintracht.“ Er meinte, dass der Ausflug nach Wiesensee allein deshalb sein Gutes gehabt habe, „weil es die Bedeutung unterstreicht, die das Spiel gegen Kaiserslautern hat“. Ochs nannte gleichzeitig die Aussprache der Mannschaft in der vergangenen Woche ein ermunterndes Signal. Sie sei „nötig gewesen, weil wir vorher bei den Niederlagen kein Team waren, sondern drei Mann, die vorne standen oder vier Mann, die hinten geblieben sind“. Mit verhängnisvollen Folgen: „Wir sind nach Gegentoren auseinander gebrochen.“ Nach seiner Grippe, die ihn am Mitwirken gegen den VfB Stuttgart (0:2) hinderte, fühlte sich der Kapitän „noch ein bisschen schlapp“, aber stark genug, um zu helfen, „dass der Knoten endlich platzt“. Vom Trainingslager versprach sich das um ein, zwei Kilo erleichterte Eintracht-Schwergewicht ein verbessertes Gemeinschaftsgefühl, „und dass es die paar Prozent bringt, die zuletzt gefehlt haben“.

Dass der Absturz in der Tabelle am Schluss nicht im vierten Erstliga-Abstieg mündet, steht für Bruchhagen außer Zweifel. „In Krisenbewältigung haben wir bei der Eintracht schließlich Erfahrung“, sagte er, „es ist ja nicht so, dass solch ein Szenario neu für uns wäre.“ Er selbst wollte sich während des Kurzaufenthalts im Westerwald, der an diesem Donnerstagnachmittag endet, nicht aktiv ins Geschehen einmischen. „Man kann den Spielern drohen, man kann sie loben, Ansätze gibt es da jede Menge, doch das fällt bei uns in die Zuständigkeit des Trainers.“ Michael Skibbe habe von der Möglichkeit des Einzelgesprächs „sicher dosiert Gebrauch gemacht“. Er selbst stehe zu Hause ohnehin permanent im Kontakt mit allen Angestellten. „Wenn ich es für angebracht halte, lade ich sie zu einer Unterredung in mein Büro ein und bitte sie, Apfelkuchen mitzubringen.“ Auf die Frage, ob er sich schon mit Was-Wäre-Wenn-Hypothesen beschäftigt habe und ob es einen Plan B gebe für den Fall, dass die allgemein als wegweisend empfundene Partie gegen die Pfälzer schlecht ausgeht, antwortete Bruchhagen deutlich: „Dann passiert nichts.“ Womit er Skibbe das Vertrauen über das Wochenende hinaus aussprach, eher er ganz gelassen noch anfügte: „Dann müssen wir halt auf Schalke gewinnen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.03.2011, 08:46 Uhr

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