Zum Wochenanfang blieb nur kurz Zeit zum Durchschnaufen. Michael Skibbe hatte seinen Spielern zwar eine Trainingspause gestattet, allzu viel Freiraum zum Müßiggang an diesem stickig-heißen Sommermontag blieb den Profis der Eintracht aber nicht. Sie mussten schließlich schon wieder Koffer packen: An diesem Dienstag startet der Frankfurter Fußballtross um kurz vor sieben Uhr vom Flughafen Hahn aus nach Klagenfurt in Kärnten, wo er im Ferienort Tröpolach in den kommenden sieben Tagen sein zweites Trainingslager absolviert. Vor der Abreise schauten mehrere Spieler noch bei der medizinischen Abteilung von Mannschaftsarzt Matthias Feld vorbei, um kleine Blessuren und Wehwehchen, die sie aus dem sonntäglichen Privatspiel gegen Chelsea davongetragen hatten, behandeln zu lassen.
So wie Abwehrspieler Maik Franz, der sich bei einem Zweikampf mit Florent Malouda einen Pferdekuss am Oberschenkel zugezogen hatte. Sein Zutun zum nicht sonderlich bedeutsamen, aber immerhin prestigeträchtigen 2:1 gegen den englischen Spitzenklub beschränkte sich auf die erste Halbzeit. Die Reise nach Österreich wird der Verteidiger aber zusammen mit zwei Dutzend Kollegen, darunter auch der an der Leiste operierte Kapitän Chris, antreten. Lediglich die Jungprofis Cenk Tosun und Marcos Alvarez werden in der Heimat bleiben und individuell ihre Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison vorantreiben, die für die Eintracht am Samstag, dem 21. August, bei Hannover 96 beginnt.
Eindeutig zweideutige Aussagen
Den Erfolg über den FC Chelsea, immerhin der sechste im sechsten Testspiel seit Trainingsauftakt vor einem Monat, wollte keiner der Beteiligten im Nachhinein überbewerten. „Das Ergebnis ist völlig unwichtig“, befand Alexander Meier – und so oder so ähnlich beschrieben alle Mann die Partie, von der sich 45 000 Besucher ordentlich unterhalten fühlten. Mit besonders freundlichem Applaus bedachte das Publikum beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung und nach seiner Auswechslung in der 60. Minute Ioannis Amanatidis. Für den Griechen war es wieder einmal ein Comeback vor eigenem Publikum. Der Achtundzwanzigjährige absolvierte gegen Chelsea einen persönlichen Härtetest nach seiner zweiten Operation am knorpelgeschädigten Meniskus. Zuletzt war er in der Frankfurter WM-Arena am 17. Oktober des Vorjahres am Ball, beim 2:1 am 9. Spieltag gegen Hannover. Mit seiner Leistung vom Wochenende war Amanatidis durchaus zufrieden: „Ich bin glücklich“, lautete seine Kernaussage. Das Knie bereite ihm keine Probleme, „es zwickt mal hier und da, aber im Großen und Ganzen fühle ich mich sehr gut“.
Den Führungstreffer von Patrick Ochs (25. Minute) legte er auf, kurz vor dem Seitenwechsel verpasste er mit einem Drehschuss nur knapp das Ziel (44.). Auch Skibbe war mit dieser Vorstellung einverstanden, nachdem er vor dem Wochenende noch geäußert hatte, Amanatidis müsse gegen Chelsea „zeigen, ob es gegen einen guten Gegner für ganz hohe Ansprüche reicht“. Deutlicher hätte er die bis dahin ansprechenden Trainingseindrücke des Angreifers nicht relativieren können – was bei dem Nationalspieler für Unverständnis sorgte. Dass das Verhältnis der beiden von Beginn an getrübt ist, nachdem der Coach dem Spieler die Kapitänsbinde entzogen hatte, erklärt einige der eindeutig zweideutigen Aussagen, mit denen die beiden Eintracht-Protagonisten seitdem über einander sprechen. Um nun neue Unruhe schon im Keim zu ersticken, wählte Skibbe in seiner Spielanalyse harmonische Worte: „Ich bin mit dem Leistungsstand von Ioannis zufrieden. Was er eine Stunde lang gezeigt hat, war absolut okay.“
„Es ist schön, dass wir dieses Jahr so ausgeglichen besetzt sind“
Nach der Darbietung vom Sonntag dürfte Amanatidis vorerst im teaminternen Wettstreit um den zweiten Sturmplatz im 4-4-2-System neben Theofanis Gekas die Nase vorn haben – Konkurrent Hamit Altintop trat nur einmal positiv in Erscheinung. Dann jedoch mit Nachdruck: Er verwandelte den Strafstoß zum 2:1 (83. Minute) souverän, vertändelte davor und danach aber sämtliche Bälle.
Zu künftigen personell-taktischen Variationsmöglichkeiten äußerte sich Skibbe zurückhaltend: „Es ist schön, dass wir dieses Jahr so ausgeglichen besetzt sind“, sagte er lediglich, Verletzungen und Sperren ließen sich dadurch „im Lauf der Runde besser ausgleichen“. Dass die Eintracht zuletzt konditionell einen ordentlichen Eindruck hinterließ, taugt als Indiz, dass die läuferische Grundlagenarbeit der vergangenen Wochen Früchte trägt. In Kärnten, kündigte Skibbe an, komme es darauf an, spielerisch zu reifen. „Wir müssen noch viel üben und testen, damit wir da hinkommen, wo wir hin wollen.“ Gelegenheiten zum Feinschliff bieten sich gegen namhafte Gegner schon bald: An diesem Donnerstag kommt es in Klagenfurt zum Kräftemessen mit US Palermo, am Samstag geht es in der italienischen Kleinstadt Tolmezzo gegen Udinese Calcio – jeweils Vereine aus der ersten italienischen Liga.

