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Eintracht Frankfurt „Wucht, Dynamik, Aggressivität“

11.12.2006 ·  Eine Gelbe Karte verhindert, daß Benjamin Huggel überhaupt mitfliegt. Der Schweizer Nationalspieler, gesperrt für das letzte Gruppenspiel, wird am Fernseher verfolgen, wie sich die Frankfurter Eintracht bei Fenerbahce Istanbul schlägt.

Von Ralf Weitbrecht
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Eine Gelbe Karte verhindert, daß Benjamin Huggel überhaupt mitfliegt. Der Schweizer Nationalspieler, gesperrt für das letzte Gruppenspiel, wird am Fernseher verfolgen, wie sich die Frankfurter Eintracht bei Fenerbahce Istanbul schlägt. Zu frisch sind noch immer die Erinnerungen an jenes Skandalspiel vom 16. November 2005, als es im Istanbuler Sükrü-Saracoglu-Stadion zu unglaublichen Ausschreitungen kam. Jagdszenen von vorher ungekannten Ausmaßen als Folge des Ausscheidens der Türkei, die trotz des 4:2-Heimsieges gegen die Schweiz die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Deutschland verpaßte.

Eine schwarze Stunde in der Fußballgeschichte, rigoros bestraft vom internationalen Verband. Eintracht-Profi Huggel, damals direkt beteiligt, mag aus verständlichen Gründen nicht mehr darüber reden, und auch sein Landsmann Christoph Spycher bittet um Verständnis. „Sorry, aber ich sage nichts zu Istanbul. Ich habe das für mich so entschieden. Ich will nicht so im Mittelpunkt stehen. Ich habe zuviel erlebt.“ Schlägereien, Tritte - Dinge, die in einem Fußballstadion nichts zu suchen haben, aber an jenem 16. November vor gut einem Jahr passiert sind. Im Stadion von Fenerbahce, dem letzten Uefa-Pokal-Gruppengegner der Eintracht.

Mit den Gedanken schon am Bosporus

Angepfiffen wird die über Wohl und Wehe der weiteren Frankfurter Europapokalträume entscheidenden Partie zwar erst am Mittwoch um 20.45 Uhr. Doch schon jetzt ist Friedhelm Funkel mit seinen Gedanken am Bosporus. „Fenerbahce wird von der ersten Sekunde an brutal in die Zweikämpfe gehen. Es wird eine sehr hitzige, aggressive Atmosphäre im Stadion herrschen.“ Ein Fußballspiel als Nervenprobe.

Was wirklich passiert, wenn Fenerbahce und die Eintracht um den Einzug in die K.o.-Runde kämpfen, weiß niemand. Doch daß in dem Sükrü-Saracoglu-Stadion Ausnahmezustand herrschen dürfte,gilt als ausgemacht. „Das hat bisher noch keiner meiner Spieler in seinem Leben erlebt“, so Funkel. „Außer Spycher.“ Auch sein Assistent Armin Reutershahn hat bei der Beobachtung des 3:0-Sieges von Fenerbahce gegen US Palermo zu spüren bekommen, mit welchem Fanatismus im asiatischen Teil Istanbuls Fußball gelebt wird. „Es ist einfach nur unglaublich.“

Die Ausgangslage für die brisante Aufgabe am Bosporus ist so einfach wie kompliziert. Die Eintracht muß gewinnen. Nur ein Sieg verlängert die europäische Abenteuerreise, die einst am 14. September mit dem 4:0 gegen Bröndby IF ihren Anfang genommen hatte. Funkel weiß, daß Fenerbahce, der FC Bayern der Türkei, in der dortigen erstklassigen Süper Lig das Maß aller Dinge ist. Mit sieben Punkten Vorsprung vor dem Stadtrivalen Galatasaray führen die Männer jenseits des Bosporus das Tabellenklassement an; von siebzehn Punktspielen haben sie erst zwei verloren. „Natürlich wird Fenerbahce von Beginn an Druck machen und versuchen, ein Tor zu schießen. Wir wollen dagegen halten. Zuversicht ist immer da. Seit es den Fußball gibt, gibt es auch Überraschungen.“

„Fenerbahce zu Hause stärker als Werder bei uns“

Funkel hofft, „daß sich meine Spieler vom Publikum nicht einschüchtern lassen. Wir müssen aufpassen, denn Fenerbahce geht sofort ungestüm drauf. Für die Türken geht es um die nationale Ehre.“ Und als seien die Eintracht-Profis noch nicht genug gewarnt, schiebt Funkel nach: „Wucht, Dynamik, Aggressivität - all das wird auf uns zukommen.“

Die Frage lautet demnach: Wie will die Eintracht am Bosporus bestehen? Zumal Funkel der Ansicht ist, „daß Fenerbahce zu Hause einen Tick stärker ist als Werder Bremen bei uns in Frankfurt.“ Nein, für den 53 Jahre alten weitgereisten Fußballtrainer gibt es für das Spiel der Spiele nur eine Losung: „Meine Jungs sollen rausgehen und einfach Kerle sein.“

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