Heribert Bruchhagen sieht Parallelen zu Stefan Kuntz. „Der ist aus dem Mannschaftsbus gestiegen und hat sich einen dreifachen Bänderriss zugezogen“, erinnert sich der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht an das einstige Missgeschick des ehemaligen Kaiserslauterer Fußballprofis. Nicht minder kurios ist der aktuelle Fall Markus Pröll.
Es geschah am helllichten Tag. Pröll, nahezu beschäftigungslos beim 20:0 der Eintracht im Privatspiel beim SV 09 Hofheim, gab nach dem Abpfiff im Sportpark Heide ein paar Autogramme. „Und weil es plötzlich zu regnen begann“, wie Trainer Michael Skibbe tags darauf sagte, beschleunigte der Tormann der Eintracht das Tempo, rannte in Richtung Kabine – und kollidierte mit einem Mädchen. Pröll stürzte, fiel auf die rechte Schulter und zog sich eine Sprengung des Schultereckgelenks zu. Nach eingehenden Untersuchungen und Konsultationen mit Eintracht-Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger wurde der am vergangenen Freitag 30 Jahre alt gewordene Pröll an den Heidelberger Professor Peter Habermeyer verwiesen.
Langjährige Krankenakte
An diesem Donnerstag soll die Schultereckgelenksprengung in der Atos-Klinik operativ behoben werden. Bis zur Winterpause wird Pröll fehlen. Für Trainer Skibbe, der ohnehin schon mit verletzten Torhütern in seinem Kader zu tun hat, ist dieses neue Kapitel in der langjährigen Krankenakte Prölls „auch für Markus ein herber Rückschlag, das ist eine richtig schwere Verletzung“. Prölls Rolle als Stellvertreter von Stammkraft Oka Nikolov wird vorerst Andreas Rössel übernehmen. Der 21 Jahre alte Torhüter, im Sommer vom TSV München 1860 nach Frankfurt gewechselt, um vorrangig für die U-23-Mannschaft in der Regionalliga zu spielen, darf nun die Lücke füllen, die sich nach Prölls Karambolage aufgetan hat. Sich nach einem weiteren Torwart umzuschauen, kommt für Manager Bruchhagen nicht in Frage. „An eine Verpflichtung eines weiteren Torhüters ist nicht gedacht“, sagte er am Mittwoch, als er überraschenderweise und entgegen sonstigen Gepflogenheiten gemeinsam mit Vorstandsberater Bernd Hölzenbein zehn Minuten lang die Übungseinheit der Profis verfolgte.
Irgendwie ist es eine Crux mit den Torleuten der Eintracht. Fast schon wie ein Fluch. Vier stehen im Lizenzspielerkader unter Vertrag, drei sind aktuell verletzt. Neben dem Fall Pröll gibt es den Dauerpatienten Jan Zimmermann. Der 24 Jahre alte Schlussmann leidet seit Monaten unter den Folgen einer Schambeinentzündung und ist bemüht, in der Rehabilitation Anschluss zu halten. „Lauftraining macht er auch“, weiß Trainer Skibbe zu berichten. Zwei, drei spezielle Einheiten, „um wieder ein richtiges Gefühl zu bekommen“, wünscht sich dagegen Ralf Fährmann. Zu Saisonbeginn von Schalke 04 zur Eintracht gestoßen, kann der 1,96 Meter lange Schlussmann wegen eines Bruchs des fünften Mittelhandknochens seiner Arbeit nicht nachgehen.
Eine schier endlose Geschichte
„Wenn er ein Feldspieler wäre“, sagte Skibbe am Mittwoch, „würden wir ihm jetzt die Manschette abmachen und ins Spiel schicken. Aber bei einem Torhüter geht das nicht.“ Im Fall Fährmann ist weiter Geduld gefragt. Sechs Wochen trägt der 20 Jahre alte Profi schon den schützenden Panzer. Zwei weitere, so die jüngsten Erkenntnisse, sollen es noch werden. Nach dem kommenden Bundesliga-Auswärtsspiel der Eintracht am 12. September in Freiburg wird Fährmann im Mannschaftstraining zurückerwartet. „Und dann wird es noch ein, zwei Wochen dauern, bis er wieder im Tor stehen kann“, sagt Skibbe.
Dass ein Newcomer wie Rössel im Fall der Fälle seinen Mann auch in der Bundesliga steht, hält Skibbe für selbstverständlich. „Er hat in München eine gute Ausbildung genossen, und er hat bei uns gezeigt, dass er ein guter Torwart ist.“ Am kommenden Dienstag, im Privatspiel der Eintracht bei der SG Bruchköbel (Anpfiff 18.30 Uhr), soll Rössel neunzig Minuten lang im Tor stehen. Stammkraft Nikolov wird an diesem Freitag im Testspiel bei der SKV Mörfelden (18.30 Uhr) zum Einsatz kommen. Für beide gilt: Hoffentlich passiert ihnen nichts. Skibbe sagte: „Es wäre mir sehr recht, wenn sich nicht auch noch Oka verletzen würde.“ Die Eintracht und ihre verletzten Torhüter – irgendwie nimmt diese Geschichte kein Ende.

