27.08.2007 · Die Zeit der Selbstzweifel bei Benjamin Köhler ist vorbei. Der Stürmer der Eintracht spielte sich gegen Rostock abermals nachhaltig in den Vordergrund. Mit den Kollegen will er die etablierten Kräfte in der Bundesliga weiter ärgern. Von Marc Heinrich.
Von Marc HeinrichFalsche Bescheidenheit ist nicht (mehr) die Sache des Benjamin Köhler. Angesprochen auf die für viele der 44.000 Besucher durchaus überraschende Nominierung von Beginn an, antwortete der Angreifer nach dem 1:0-Sieg gegen Hansa Rostock kurz und knackig: „Ich bin davon ausgegangen, dass ich spiele.“ Punkt, Ende der Diskussion.
Die Zeit der Selbstzweifel, mit denen sich der Linksaußen nach seinem Wechsel 2004 von der Essener Hafenstraße und immer wiederkehrenden Phasen der Nichtberücksichtigung durch Trainer Friedhelm Funkel bei der Eintracht herumplagte, scheinen der Vergangenheit anzugehören.
Werbung in eigener Sache
Ganze vier Tore bei 56 Erstligaauftritten stehen seitdem für den gebürtigen Berliner zu Buche. Keine berauschende Quote. Doch in den ersten drei Partien der neuen Bundesliga-Runde bekam der nur 1,72 Meter große Mann mit der auffällig gegelten Igel-Frisur jedes Mal seine Chance. Gegen die Hertha und in Bielefeld zunächst als Einwechselspieler, der dem Angriff frischen Elan verlieh. Und gegen den harmlosen Aufsteiger von der Ostsee, der am Sonntagabend nur in wenigen ausgesuchten Momenten ein ebenbürtiger Gegner war, nutzte der 27 Jahre alte Köhler sie (Siehe auch: Eintracht: „Kurz“ und „Lang“ erfreuen Funkel).
Während der neunzig Minuten in der heißen WM-Arena betrieb er als Flügelflitzer, der diesmal als Vorarbeiter von Christoph Spycher auch die Defensivpflichten nicht vernachlässigte, nachhaltig Werbung in eigener Sache. Das entscheidende Tor durch Alexander Meier (3.) bereitete er mit einem Geistesblitz und durchdachtem Zuspiel vor. Neben der robust verrichteten Abfangtätigkeit im Mittelfeld deutete er mehrmals an, dass er sein Team auch spielerisch nach vorne bringen kann. Köhler ist aufgrund seiner soliden Grundtechnik in der Lage, das Vorwärtsstreben mit klugen Pässen einzuleiten.
Plötzlich Bayern-Verfolger
„Er ist ein intelligenter Spieler“, urteilte Funkel, „er kann ein Match lesen, hat eine gute Antizipation und ist ballsicher.“ Eine persönliche Krönung seiner Leistung blieb Köhler in der 23. und 52. Minute versagt: Zunächst knallte sein Schuss vom Pfosten dem bereits geschlagenen Hansa-Torwart Stefan Wächter wieder in die Arme, beim zweiten Anlauf fehlten ebenfalls nur Zentimeter. „Ich bin gelernter Stürmer, da will man natürlich treffen“, sagte Köhler hinterher, der Ärger hielt sich aber in Grenzen, „die Mannschaft steht trotzdem gut da, das ist die Hauptsache.“
Größere Anflüge von Freude und Zufriedenheit waren auch bei ihm nach dem zweiten Heimsieg und dem besten Eintracht-Saisonstart seit acht Jahren nicht zu erkennen. In der Spielzeit 1999/2000 stand der Klub mit sieben Zählern ebenfalls punktgleich auf Platz zwei – dass die Frankfurter nun neben Bielefeld und Bochum zum erster Verfolger der Münchner Rekordmeister aufgestiegen sind, „ist klasse, aber keine Garantie, dass wir auch die kommenden schweren Spiele gewinnen“ (Siehe auch: Bundesliga: Ergebnisse und Tabelle). An diesem Samstag führt die Reise nach Bremen, danach bekommt man es mit dem HSV zu tun. Der kleine Köhler hofft, den Stammplatz an der linken Seite von Meier und hinter Kapitän Ioannis Amanatidis in beiden Partien verteidigen zu dürfen.
Einer seiner größten innerbetrieblichen Konkurrenten, Christoph Preuß, ist jedenfalls bis auf weiteres mit einem „Hexenschuss“ außer Gefecht gesetzt. „Es ist gut zu wissen, dass wir fehlende Spieler gleichwertig ersetzen können“, sagte dazu Funkel, der damit nach einer unter vielen Verletzungen leidenden Vorbereitung nicht unbedingt rechnen durfte. Und die Konkurrenz tat es wohl auch nicht. „Vielleicht werden wir ja tatsächlich die Überraschungsmannschaft des Jahres“, spekulierte Köhler. Er selbst scheint bereit, seinen Anteil daran zu leisten.