26.08.2009 · Keine übergroßen Chance auf sein Debüt unter Skibbe darf sich der ins Hintertreffen geratene Markus Steinhöfer ausrechnen. Und Gesprächsbedarf meldete Trainer Skibbe am Dienstagvormittag noch einmal bei Rot-Sünder Ochs an.
Von Marc HeinrichDie Partien tragen noch immer eine treuherzige Bezeichnung, die nach guter alter Fußballzeit klingt: Freundschaftsspiele! Es gibt wohl kaum eine Bundesligamannschaft, bei der die Begegnung mit unterklassigen Amateuren auf einem Dorfsportplatz in der Beliebtheitsskala weit oben steht. Denn gesellig und kameradschaftlich geht es oft nur am Rand des Rasens zu, am Bierpilz oder dem Würstchengrill.
Während die Profis vor allem darauf bedacht sind, sich beim Kurzgastspiel in der Provinz bloß keine Verletzung zuzuziehen, damit die Berücksichtigung fürs nächste Pflichtspiel nicht gefährdet wird, gehen die Außenseiter stets hochmotiviert zur Sache. Unterklassigen Teams fehlt es vielleicht an Technik und taktischer Finesse, aber laufen, zumindest eine Halbzeit lang, können auch die Hobbygegner in aller Regel – und welcher Leistungssportler will sich schon vor den Augen seines Trainers die Blöße geben, von einem Feierabend-Kicker abgehängt zu werden.
Nahtstelle zwischen Abwehr und Angriff
Auch die Frankfurter Eintracht stieg am Dienstag mal wieder in den Bus, um sich am Abend in Mittelhessen den Fans von ihrer volkstümlichen Seite zu präsentieren. Auf Wunsch eines Sponsors trat Michael Skibbe mit seinen Leuten im Gießener Waldstadion gegen eine Bezirksauswahl des TSV Großen-Linden an – „in aller Freundschaft“, wie es in der Ankündigung so schön hieß. Weitere Landpartien auf Wunsch von Geldgebern, die man allesamt in diesen finanziell schweren Zeiten gut behandeln möchte, werden bis Mitte September in ganz Hessen regelmäßig folgen, kündigte Skibbe an. Er schätzt an den Auftritten fernab der modernen Arenen, dass einige Leute aus der zweiten Garde dabei die Chance bekommen, mit einer couragierten Leistung unter simulierten Wettkampfbedingungen auf sich aufmerksam zu machen.
Die Partie in Gießen, die 13:1 ausging, hatte vor allem für Maik Franz und Sebastian Jung einen etwas höheren Stellenwert als für den Rest der Elf. Beide spielten jeweils 45 Minuten als rechter Verteidiger. Diese Position ist nach der Vier-Spiele-Sperre von Patrick Ochs bis auf weiteres vakant – und der Neuzugang aus Karlsruhe sowie der Teenager aus Königstein gelten als erste Ersatzkandidaten. Nicht in Frage kommt dagegen Pirmin Schwegler. Der nach seiner Innenbanddehnung im Knie genesene Schweizer Neu-Nationalspieler sei „fußballerisch zu bedeutend für uns“, so dass er in der Nahtstelle zwischen Abwehr und Angriff benötigt werde.
Strafzahlungen in die Mannschaftskasse
Keine übergroßen Chance auf sein Debüt unter Skibbe darf sich auch der ins Hintertreffen geratene Markus Steinhöfer ausrechnen. Als „defensiv nicht robust genug“ betrachtet der Trainer den unter Vorgänger Friedhelm Funkel in der vergangenen Saison in unterschiedlichsten Rollen zu 32 Einsätzen gekommenen Franken. Ganz gleich, wer sich am Samstag an der Außenstelle der Viererkette den Dortmunder Vorstößen entgegenstellen wird, die erwarteten Gegenspieler, vermutlich Nuri Sahin oder Dede, verlangen ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit. „Denn beide sind richtig gut drauf“, urteilte Skibbe. Als Franz in der Schlussphase in Köln eingewechselt wurde, erfüllte er auf Anhieb seine defensiven Pflichten mit Bravour, nutzte zudem noch überraschende Freiräume zu Kontern und raubte seinen Widersachern durch harte (aber faire) Gegenwehr den Nerv. Im teaminternen Ausscheidungswettbewerb mit Nobody Jung hat er nicht zuletzt deswegen bei Skibbe „einen kleinen Bonus“.
Gesprächsbedarf meldete der Trainer am Dienstagvormittag noch einmal bei Rot-Sünder Ochs an. Im Vieraugengespräch will er dem Wiederholungstäter alsbald klarmachen, dass er Foulspiele wie jenes gegen Fabrice Ehret nicht duldet. Ochs und darüber hinaus auch die bislang mit Gelb bedachten Kollegen – Selim Teber, Marco Russ, Chris, Ioannis Amanatidis und Nikos Liberopoulos – dürfen sich auf Strafzahlungen in die Mannschaftskasse einstellen. So sei es vor Saisonstart festgelegt worden. Die Höhe der Buße wird Skibbe individuell festlegen. Fest steht auch schon, was mit dem auf diese Art und Weise bis zum Ende der Hinrunde eingesammelten Geld passiert: In der Weihnachtszeit soll eine caritative Einrichtung damit beschenkt werden. So macht man sich auf jeden Fall Freunde.