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Eintracht in Köln : Wer verliert, hat schlechte Argumente

Drei Punkte in Köln? Eintracht-Trainer Niko Kovac. Bild: dpa

Frankfurts Trainer Niko Kovac macht sich keine falschen Vorstellungen: Nur wenn die Eintracht in Köln punktet, wird die Arbeit für ihn nicht noch komplizierter.

          Neunzig Minuten haben genügt, um ins Wanken zu bringen, was zuvor über zwei Monate in mühevoller Kleinarbeit errichtet wurde. Um das Selbstvertrauen in Reihen der Eintracht war es schon wesentlich besser bestellt als vor dem zweiten Spiel der ersten englischen Woche der Saison. Das 1:2 gegen Augsburg hinterließ allenthalben Spuren, und vor der Abreise zur nächsten Pflichtübung in Köln war Niko Kovac insbesondere darum bemüht, den Eindruck zu vermitteln, dass bei aller Enttäuschung alles seinen normalen, professionellen Gang der Dinge bei den Frankfurter geht.

          „Vier Punkte aus vier Spielen sind sicherlich nicht das, was wir erwartet haben“, sagte der Coach, „positive Ergebnisse sind für jeden Menschen, nicht nur im Sport, wichtig. Wir wollen beim FC etwas mitnehmen.“ Wie sehr die Eintracht mit sich und der Fußballwelt unzufrieden ist, ließ sich auch aus den Worten Bruno Hübners heraushören. Der Sportdirektor, der in den vergangenen Wochen hauptsächlich im Hintergrund agierte und das Transfergeschäft verantwortete, formulierte seinen Unmut über den jüngsten Auftritt der Spieler deutlich – und äußerte zugleich Überlegungen, die den Geschäftsbereich des Trainers tangierten.

          Das gab es in den anderthalb Jahren der Zusammenarbeit zuvor noch nie. Zum einen wagte Hübner die Prognose, dass der unlängst aus dem Kader gestrichene Stürmer Branimir Hrgota gegen Köln ins Aufgebot berufen werden wird: „Er ist ein Spieler mit Qualität, der uns helfen kann“, sagte Hübner. Kovac zeigte sich darüber am Dienstag vor der Abreise nach Köln leicht irritiert. Der Sportdirektor beanstandete zudem die taktischen Überlegungen, die Kovac gewählt hatte. „Vielleicht müssen wir zu Hause mutiger spielen. Oder wir müssen uns zurückziehen und dem Gegner das Spiel überlassen. Ein Mittelding, wie es jetzt war, ist sicher nicht die Lösung.“

          Wenn die Konkurrenz mit geballter Macht ihren Strafraum bewacht, fehlte es den Frankfurtern nicht erst gegen Augsburg an Ideen und Kreativität, ein solches Bollwerk zu durchbrechen; auch über die Flügel, mit Jetro Willems und Timothy Chandler, drangen sie zu selten vor. Trotz deutlicher Ballbesitzquoten gelang es der Eintracht gegen geschickt verteidigende Augsburger nicht, hinreichend Tormöglichkeiten zu kreieren.

          „Wir können das jetzt in Köln korrigieren, die haben viel größere Probleme als wir. Daher müssen wir die Chancen wahrnehmen und dementsprechend auftreten“, forderte der Sportdirektor. Er fügte unmissverständlich an: „Wenn du zu Hause Punkte liegen lässt, musst du gucken, dass du sie auswärts holst. Sonst bist du am Ende der Saison abgestiegen.“ Viel deutlicher lässt sich nicht auf den Punkt bringen, was von Kovac und den Seinen erwartet wird. Der Druck, der auf dem Team lastet, ist jedenfalls früh in der Runde beträchtlich.

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          Kovac ist sich des Ernsts der Lage bewusst. Er legte Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Zustandsbeschreibung Hübners nicht um einen Tadel an seiner Person gehandelt habe. Er und der Sportdirektor hätten vielmehr vor dessen Auftritt vor den Mikrofonen zusammengesessen und die Konstellation gemeinsam analysiert. „Wir hinterfragen uns ständig. Wir sind dabei nicht zu kritisch, aber auch nicht zu entspannt“, sagte Kovac. „Es sind letzten Endes meine Worte, die Bruno gewählt hat. Er hat ausgesprochen, was wir besprochen haben.“ Falsche Vorstellungen von den komplizierten Gegebenheiten, die sich bei weiteren Fehlschlägen zu einem ernsthafteren Problem auswachsen dürften, machte sich der Trainer nicht: „Wer verliert, hat keine Argumente.“ Dass die Kölner, die außer dem Erstrunden-Pokalmatch noch keine Partie gewinnen konnten und alles andere als im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, könnte, so mutmaßte Kovac, der Eintracht in die Karten spielen.

          Der FC gab am Dienstag bekannt, dass der Verein auf einen Protest gegen die 0:5-Niederlage gegen Dortmund vom Sonntag verzichtet. „Die Situation dort ist nicht rosig. Auch der Ausfall von Hector ist für sie ein Verlust“, sagte Kovac. Die Trainingsleitungen seiner Elf bestätigten ihn in dem Eindruck, dass nichts grundlegend falsch laufe: „Ich bin mit meinen Spielern sehr zufrieden“, sagte der 45-Jährige, der sich wünschte, „auch mal in Führung zu gehen und den Kölnern so schnell den Zahn zu ziehen“. Ein Blick in die Statistik verdeutlicht, wie schwer die Aufgabe werden wird. Der letzte Erfolg der Eintracht im Stadion in Müngersdorf datiert vom 7. Mai 1994. Damals schossen Weber, Gaudino und Yeboah die entscheidenden Treffer zum 3:2 der Hessen. Seitdem folgten dort 14 vergebliche Anläufe. Kovac irritiert das nicht: „Das, was war, ist vorbei“, lautete seine These. Sie wird an diesem Mittwoch von 18.30 Uhr an überprüft (Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET).

          Quelle: F.A.Z.

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