Es war nur eine Episode am Rande und doch ein deutlicher Fingerzeig: Beim 3:0 im Privatspiel der Frankfurter Eintracht in Marburg wechselte Trainer Michael Skibbe zur zweiten Halbzeit Marcos Alvarez ein. Der 19 Jahre alte Angreifer erzielte bald darauf das 1:0, wurde aber in der 69. Minute wieder ausgewechselt. Für Alvarez kam der ebenfalls 19 Jahre alte Cenk Tosun ins Spiel.
Mit schlechten Leistungen hatten die verkürzten Einsätze für die beiden deutschen Nationalspieler der U 19 nichts zu tun – sondern mit ihren Positionen. Alvarez und Tosun sind Stürmer, und an Stürmern besteht bei der Eintracht ein Überangebot. Mit Theofanis Gekas, Ioannis Amanatidis, Halil Altintop und Martin Fenin hat Skibbe lauter Nationalspieler zur Auswahl. Die Folge: Was gut für die Eintracht ist, wird zum Problem für den Nachwuchs.
Spielpraxis über Ausleihgeschäfte?
In Marburg musste sich kein Eintracht-Profi mit weniger Spielminuten begnügen als Tosun und Alvarez. Nach einer Partie, in der einige Defensivspieler den Frankfurter fehlten, und in der Skibbe einige Notlösungen ausprobieren musste, sagte der Eintracht-Trainer: „Alvarez und Tosun wollte ich als Stürmer nicht zumuten in der Abwehr zu spielen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass sich am Status der bis 2012 unter Vertrag stehenden Nachwuchsstürmer bis zum Saisonstart etwas ändern wird, ist gering. Und so gibt es auf beiden Seiten Überlegungen, über Ausleihgeschäfte für Spielpraxis zu sorgen.
Für Tosun hatte es vor einigen Wochen bereits ein Angebot gegeben. Der türkische Erstligaverein Gaziantepspor wollte ihn für ein Jahr ausleihen. Heribert Bruchhagen hatte dies abgelehnt. Inzwischen sieht der Vorstandschef der Eintracht die Situation differenzierter. Auch er wäre nun bereit, beide Spieler an andere Klubs auszuleihen. „Voraussetzung wäre, dass sie dort tatsächlich die Chance auf regelmäßige Einsätze haben“, sagt er. „Es kommen nur Vereine in Frage, zu deren Trainer ich großes Vertrauen hätte.“ Finanzielle Aspekte würden dabei keine Rolle spielen, sagt Bruchhagen, „ausschließlich sportliche“.
So gibt es ein Modell, einen Spieler für eine Ablösesumme von zum Beispiel 30 000 Euro auszuleihen und als Anreiz für den neuen Klub, den Spieler auch einzusetzen, die Summe pro Einsatz um 1000 Euro zu verringern. Bei dreißig Spielen in der Saison wären die Spieler also ablösefrei. Für Alvarez und Tosun hätte ein vorübergehender Vereinswechsel den Vorteil, dass sie Spielpraxis sammeln könnten. Klappt dies nicht, bleibt nur die Hoffnung auf Verletzungen bei der etablierten Konkurrenz oder Einsätze in der U-23-Mannschaft der Eintracht in der Regionalliga. Viel ist das nicht.

