03.09.2011 · Die beiden stürmischen Neuverpflichtungen der Eintracht strotzen vor Selbstbewusstsein: „Mit Mo Idrissou und mir haben die anderen Mannschaften keine Chance“, kündigt Rob Friend an.
Von Marc HeinrichEs waren aufregende Tage für Rob Friend. „Richtig verrückt, aber auch sehr schön“, wie der 30 Jahre alte Profi, der künftig für die Eintracht stürmt, schilderte. Am Montag ist der Kanadier zum zweiten Mal Vater geworden. Tochter Leyla kam in einem Berliner Krankenhaus zur Welt, gesund und munter. Keine 48 Stunden später holte der stolze Vater seine Ehefrau Mari und das Neugeborene schon zu sich und dem zwei Jahre alten Sohn Lucas nach Hause, ehe er am Mittwochnachmittag trotz des Trubels ganz nebenbei seinen Wechsel nach Frankfurt perfekt machte. Erst um 17.59 Uhr, und damit sechzig Sekunden vor der offiziellen Schließung der Spielerbörse, erschien sein Name auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga. Kurz darauf unterschrieb er einen Dreijahresvertrag bei den Hessen.
„So ist Fußball“, sagte Friend bei seiner Präsentation durch die Eintracht am Freitag, „ohne Überraschungen wäre das Leben doch langweilig.“ Dem kanadischen Nationalspieler, der zuvor in der Bundesliga bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach die ganz großen Erwartungen nicht erfüllen konnte, hatte der Stress Spuren ins müde Gesicht gezeichnet. Bis der Rest seiner Familie den Umzug nach Frankfurt zu planen beginnt, wohnt er in einem Hotel im Stadtwald. Weite Wege zu seinem Arbeitsplatz hat er zunächst also nicht zu bewältigen, und so bleibt ihm neben den Übungseinheiten durchaus Zeit, „um erst mal auszuschlafen“, wie er in passablem Deutsch erzählte.
„Mit Mo und mir haben die anderen Mannschaften keine Chance“
Neben Friend saß in diesem Moment Mohamadou Idrissou, ebenfalls auf den letzten Drücker aus Mönchengladbach engagierter Neuzugang, der den Hessen in den verbleibenden 28 Ligaspielen dieser Runde zu einer neuen Durchschlagskraft in der Offensive verhelfen soll. Dem Kameruner eilt der Ruf eines Legionärs voraus, dank zehn Vereinen in zehn Jahren. In Frankfurt möchte er nun sesshaft werden. Sein Ziel: „Natürlich aufsteigen!“ Friend und Idrissou, die sich bei der Vorstellung immer wieder die Bälle zuwarfen, ließen keinen Zweifel daran, dass mit ihnen nun auf einen Schlag alles viel besser wird bei der Eintracht. „Mit Mo und mir haben die anderen Mannschaften keine Chance“, behauptete Friend im Brustton der Überzeugung; und Idrissou, der sich selbst einmal als Mann mit Champions-League-Aussichten bezeichnet hatte, meinte: „Zwei Stürmer mit dieser Qualität hat es in der zweiten Liga so noch nicht gegeben.“
Mal sehen, wie die Verteidiger der Konkurrenz auf diese Kampfansage reagieren werden; gleich die kommende Auswärtspartie bei Energie Cottbus, das sich passenderweise gerade die Dienste des bei der Eintracht nicht zum Zug gekommenen Martin Fenin gesichert hat, wird am Samstag, 10. September, Aufschluss geben, ob großen Worten auch entsprechende Taten folgen.
Trainer Armin Veh kam nach der ersten Ballstunde, bei der sich seine beiden Zugänge mit den Gegebenheiten an der WM-Arena vertraut machten, jedenfalls zu dem Schluss: „Ich möchte gerne selbstbewusste Spieler und habe offenbar auch zwei bekommen.“ Der Coach nannte die Entwicklungen seit dem vergangenen Wochenende „einmalig“. Zunächst habe es so ausgesehen, als würde sein Wunsch nach Verstärkungen gänzlich unerhört bleiben, dann folgte der große Sparappell von Finanzvorstand Thomas Pröckl – und kurz darauf hielten Friend (Rückennummer 29) und Idrissou (18) zwei rot-schwarze Eintracht-Trikots in den Händen.
Veh: „Ihre Klasse steht für mich außer Frage“
Wie das alles zusammenpasst? Veh sprach davon, dass Manager Bruno Hübner und Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende, „gut verhandelt hätten“. Dem Duo sei es gelungen, mit den Erlösen aus den Abgängen von Fenin und Nikola Petkovic (zu Roter Stern Belgrad) gleich zwei erstligaerfahrene und auf Anhieb taugliche Angreifer zu finanzieren. Die Kalkulation aus gespartem Gehalt und geringer Ablöse habe so Deals möglich gemacht, die die klamme Eintracht keinen Euro zusätzlich gekostet haben soll. „Das ist eine Leistung des Managements“, hob Veh hervor, „ob es natürlich wirklich ein gutes Tauschgeschäft war, muss sich noch herausstellen. Doch er fügte sogleich an: „Ich bin aber sicher, dass wir bald zu diesem Urteil kommen.“
Auf jeden Fall erhöht sich der interne Konkurrenzdruck auf Theofanis Gekas und Erwin Hoffer spürbar. Er verfüge nun, so Veh unmissverständlich, über deutlich mehr Variationsmöglichkeiten, „wir sind variabler, wenn der Gegner tief steht, und können jetzt auch durch Standards Spiele entscheiden, wenn es mal nicht so gut läuft“. Dass beide Zugänge zuletzt in ihren alten Teams schlechte Karten besaßen und über den Reservistenstatus nicht hinauskamen, schreckte Veh nicht. „Ihre Klasse steht für mich außer Frage.“ Eine erste Kostprobe ihres Könnens sollen die Neulinge an diesem Samstag abgeben: Durch ihr Mitwirken hat das Testspiel beim KSV Baunatal, dem Tabellendritten der Hessenliga, aus Frankfurter Sicht plötzlich einen neuen Reiz erhalten.