15.01.2009 · Sportlich präsentiert sich die Eintracht in den ersten Wochen des Jahres in ordentlicher Verfassung. Doch das Gezerre um Trainer Funkel trübt die Bilanz: Beobachtungen, Begebenheiten und Betrachtungen aus Portugal.
Von Ralf Weitbrecht, Vale do LoboGanz zum Schluss haben sie das Trassierband entfernt. Als sich Rainer Lorch auf den Weg macht, als Einzelkämpfer mit dem Materialwagen die 2760 Kilometer zurück nach Frankfurt in 32 Stunden zu bewältigen, herrschen wieder geordnete Verhältnisse auf dem Trainingsplatz an der Algarve. Friedhelm Funkel hat es am Freitag anbringen lassen, um vor ungebetenen Gästen abgeschirmt zu sein.
Der am Abend zuvor in Gelsenkirchen perfekt gemachte Transfer des Torwarttalents Ralf Fährmann hatte Begehrlichkeiten geweckt und zu Gesprächen am Rande des Übungsareals geführt, was dem Trainer der Frankfurter Eintracht gar nicht gefiel. „Das Training ist noch nicht beendet“, sagte er. Die Eintracht zum fünften und voraussichtlich letzten Mal in Vale do Lobo – Beobachtungen, Begebenheiten und Betrachtungen aus Portugal.
Ausbaufähig: Leonard Kweuke
Erst am Pool ist das Training zu Ende. Mehrmals während des einwöchigen Aufenthalts schickt Funkel seine Spieler ins kalte Wasser. „Das dient der Regeneration“, weiß der offiziell von Vorstandschef Heribert Bruchhagen zum „Führungsspieler“ ernannte Patrick Ochs. „Man fühlt sich frischer.“
Für Frische und Belebung sorgt auch der Neuzugang. Leonard Kweuke, mit voreiligem Lob aus der Slowakei zur Eintracht gekommen und gleich mit einem für ihn unbekannten Trainingslager konfrontiert, ist eine der Entdeckungen im Winterquartier. Verbesserungsfähig bei technischen und koordinativen Übungen, empfiehlt sich der 21 Jahre alte Kameruner neben den von Funkel gesetzten Sturmkräften Martin Fenin und Nikos Liberopoulos als Alternative. Im Test gegen Oberhausen erzielt Kweuke zwei Treffer, gegen Augsburg ist er einmal erfolgreich. Der „Elefant“, wie er von den Kollegen genannt wird, hat einen Schuss wie ein Strich. Allerdings oft mit einer inakzeptablen Streuung. Funkel ist trotzdem froh, den Afrikaner in seinen Reihen zu haben. „Es ist schwer, gegen ihn zu spielen. Mit seinem Körper wird er so manchem Gegenspieler Probleme bereiten. Aber er muss geschmeidiger werden.“
Wer Bruchhagen zuhört, kann den Eindruck gewinnen, dass die Auflösung in der schwebenden Trainerfrage nur eine Formsache ist. Allerdings: Funkel, von dem sein Chef überzeugt ist, „dass er das hier bei uns fortführen will“, hat seinen Verbleib in Frankfurt mit Forderungen verknüpft. „Wenn alles passt und wir einen Konsens erzielen, könnte ich mir vorstellen zu bleiben“, sagt der 55 Jahre alte Aufbauhelfer zur Halbzeit seiner fünften Saison. Das Gezerre um Funkel, die mitunter kritischen Töne von den Räten aus der Heimat: Es ist das Thema, das die Tage in Vale do Lobo beherrscht.
Rückschlag: Zlatan Bajramovic
Nicht nur Busfahrer Lorch ist Einzelkämpfer. Auch Torwart Oka Nikolov springt, faustet und hechtet eine Zeitlang fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dann meldet er sich zurück. Am vorletzten Tag ist er im gemeinsamen Training dabei, wechselt sich mit Markus Pröll und Jan Zimmermann zwischen den Pfosten ab.
Die wenigen Zaungäste auf dem Trainingsplatz sehen einen lange Zeit an der Fußsohle verletzten Torwartroutinier in beachtlicher Verfassung. Ob es am starken Willen des dienstältesten Eintracht-Profis liegt? Oder vielleicht doch an der anerkannt guten Arbeit von Spezialtrainer Andreas Menger?
Die Eintracht zu Beginn des Fußballjahres 2009 präsentiert sich in Portugal in einer ordentlichen Verfassung. Über das 2:3 gegen den FC Augsburg schaut Funkel lässig hinweg. Ihm ist wichtiger, „dass ich mit dem Trainingslager zufrieden bin“. Der Eintracht-Coach wird dabei in seiner erwarteten Einschätzung zum Wiederholungstäter. „Es war sehr gut – wie immer. Konditionell sind wir weiter nach vorne gekommen.“ Menschlich hat es an der Algarve vor allem einen zurückgeworfen: Zlatan Bajramovic. Abermals auftretende Schmerzen am operierten Zeh haben den 29 Jahre alten Bosnier zur Aufgabe gezwungen. Am Montag schon ist er zurück nach Deutschland zum Arzt seines Vertrauens geflogen. Mit im Gepäck: jede Menge Frust und Verbitterung, die möglicherweise zu einem frühzeitigen Ende seiner Karriere führen könnten.
Zum Ausklang am Mittwoch spielen sie Fußballtennis. Eine spaßbetonte Einheit, in der Ochs und Fenin Pluspunkte sammeln und Kweuke unterstreicht, dass der Ball nicht immer sein Freund ist. Der Afrikaner will lieber Tore schießen. Vielleicht schon wieder an diesem Samstag (14 Uhr) im vorletzten Testspiel vor dem Rückrundenstart bei der TuS Koblenz. Busfahrer Lorch wird dann auch wieder dabei sein.