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Eintracht Frankfurt Spekulationsobjekt Eintracht

 ·  Ein Verein zwischen Kandidatenlisten und Anforderungsprofilen: Der Absteiger spürt bei der Suche nach Trainer und Manager einen massiven Wertverlust.

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Die Eintracht übt sich in Stillschweigen. Auch das ist ungewöhnlich für den Klub, der gerade zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte in die Zweite Fußball-Bundesliga abgestiegen ist und dringend neues Personal braucht. Wobei immerhin das Casting der Kandidaten für den Managerposten abgeschlossen sein soll. Heribert Bruchhagen, der diese Aufgabe bislang parallel zu seinen Verpflichtungen als Vorstandsvorsitzender seit seinem Dienstantritt am 1. Dezember 2003 erfüllte, äußerte sich zu Wochenbeginn eindeutig. Die Gespräche mit potentiellen Nachfolgern, so der Zweiundsechzigjährige, seien abgeschlossen, noch gebe es aber in der Sportdirektorsuche nichts Spruchreifes zu verkünden. Zunächst müsse der Hauptausschuss des Aufsichtsrates, der vom Vorsitzenden Wilhelm Bender und dem Vereinspräsidenten Peter Fischer gebildet wird, seine Zustimmung zu einem der Aspiranten geben. Dieses Prozedere ist in Frankfurt seit Jahren üblich – auch weil es Bruchhagen stets darauf ankam, die Zahl der Mitwisser in dem aktuell neun Personen umfassenden Kontrollgremium klein zu halten, um Indiskretionen zu verhindern, die einen Deal in letzter Minute gefährden könnten.

Erwartet wird, dass spätestens nach dem Abschluss der Relegationsspiele zwischen dem Bundesligasechzehnten Borussia Mönchengladbach und dem Zweitligadritten VfL Bochum ein Ergebnis präsentiert wird. Die dringlichste Aufgabe des neuen Managers wird sein, einen Trainer zu finden, der die längst noch nicht in allen Details feststehende Mannschaft auf den sofortigen Wiederaufstieg vorbereiten soll. Selbst Friedhelm Funkel, der sich mit Bochum Chancen ausrechnet, in die erste Liga zurückzukehren, wurde am Rande des Pokalendspiels selbst von Mitgliedern der Eintracht-Delegation als neuer Coach gehandelt. Was eine der größtmöglichen Überraschungen wäre. Funkel und die Eintracht gingen im Mai 2009 nach fünf fruchtbaren und bewegten Jahren auch deshalb auseinander, weil große Teile der Fans den knorrigen Routinier nicht mehr mochten. Seine Rückkehr als zukunftsfähige Lösung zu verkaufen, dürfte sich schwierig gestalten. Wobei die bisherige Kommunikationspolitik der Eintracht Spielraum für Interpretationen ließ. Es ist ohnehin die Zeit der Spekulationen – ein üblicher Schwebezustand im Profifußball. Und ein spannender, gebildet aus Einstellungsvoraussetzungen, Vereinspolitik und Kandidatenlisten.

Mögliche externe Aspiranten wie Dietmar Beiersdorfer und Jan Schindelmeiser spielen dem Vernehmen nach keine Rolle

Zum Anforderungsprofil der kommenden leitenden Angestellten der Eintracht Frankfurt Fußball AG wurde kaum etwas bekannt. Bruchhagen sagte nur, dass „Manager und Trainer Menschen meines Vertrauens“ sein werden. In den Medien seien schon „421 Namen herumgegeistert, am Ende werden 420 enttäuscht sein“. Auch die Zusammenarbeit mit dem künftigen Manager kommentierte der Ostwestfale doppeldeutig. Zum einen sagte er: „Er wird das erste Vorschlagsrecht bei der Trainersuche haben.“ Um nur einen Atemzug später anzufügen: „Die letzte Entscheidung trifft immer der Vorstand.“ Nach Informationen des „Kicker“ musste Bruchhagen erkennen, dass die Attraktivität eines Arbeitsplatzes bei der Eintracht durch den Abstieg spürbar gelitten hat. Nach Angaben des Sportmagazins soll er sich bei den kontaktierten Dirk Dufner ( SC Freiburg) und Andreas Rettig (FC Augsburg) Absagen geholt haben. „Ich bleibe in Freiburg“, wurde der 43 Jahre alte Dufner zitiert. „Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu diesen Themen“, hieß es derweil vom fünf Jahre älteren Rettig – während Martin Bader, der Manager des 1. FC Nürnberg, die Spekulationen, er könne von der kommenden Saison an bei der Eintracht wirken, als falsch bezeichnete. „Da ist nichts dran.“ Der Trend ist eindeutig: Wer sollte zur Eintracht in die zweite Liga gehen, wenn er in der ersten arbeiten kann. Vereine wie Freiburg, Nürnberg, Augsburg sind enteilt, unerreichbar, attraktiver – noch vor kurzem kaum vorstellbar.

Wer also wird nun Manager und arbeitet zukünftig vertrauensvoll mit Vorstandschef Bruchhagen zusammen? Bei den meisten erst- und zweitklassigen Vereinen ist es seit vielen Jahren Brauch, ehemalige Spieler mit Managementaufgaben zu betrauen. So vertrauen beispielsweise Dortmund (Michael Zorc), Bayern München (Christian Nerlinger), Kaiserslautern (Stefan Kuntz), Stuttgart (Fredi Bobic), Bremen (Klaus Allofs), Schalke (Horst Heldt), Wolfsburg (Felix Magath), Mönchengladbach (Max Eberl) und Bundesliga-Rückkehrer Hertha BSC Berlin (Michael Preetz) auf die Dienste alter Kameraden. Ein Modell auch für die Eintracht? Rückblickend durften sich im vergangenen Vierteljahrhundert unter anderen Wolfgang Kraus, Jürgen Friedrich, Bernd Hölzenbein, Gernot Rohr, Rolf Dohmen und Tony Woodcock um Managementaufgaben kümmern. Und zukünftig vielleicht Stefan Studer, zwischen 1988 und 1993 in 130 Bundesligaspielen für die Eintracht am Ball – oder doch der Norweger Jan Aage Fjörtoft?

Mögliche externe Aspiranten wie Dietmar Beiersdorfer und Jan Schindelmeiser spielen dem Vernehmen nach keine Rolle. Schindelmeiser, zuletzt bei 1899 Hoffenheim tätig, sagte am Montag: „Es gibt weder offizielle Kontakte, noch kommt die Aufgabe für mich in dieser Konstellation infrage.“ Und Armin Veh? Ist vorstellbar, dass sich dieser Trainer-Manager-Typus, der schon deutscher Meister war, Bruchhagen unterordnet? Oder ist denkbar, wie in Hamburger Medien berichtet wird, dass Helmut Schulte seinen Schreibtisch beim Mitabsteiger FC St. Pauli räumt, um in Frankfurt als Manager zu arbeiten? Der Vorstandschef wird das Geheimnis in den kommenden Tagen zu lüften wissen – und danach den Platz in der ersten Eintracht-Reihe räumen müssen.

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