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Eintracht Frankfurt Skibbe gibt Caio noch zwei Jahre

01.09.2009 ·  Nach der schwachen Partie gegen Dortmund stellt der Trainer der Frankfurter Eintracht viel Geduld mit dem Brasilianer Caio in Aussicht. Es werde noch lange dauern, bis dieser stabil gut spiele.

Von Uwe Marx
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Der Chef verspricht Geduld. „Wir dürfen nicht vergessen, dass er ein Perspektivspieler ist“, sagt Michael Skibbe, der Trainer von Eintracht Frankfurt, und er klingt dabei sehr sanft. Es geht um Caio, Brasilianer, potentieller Spielmacher, ein unfreiwilliges Symbol für die Offensiv- und Risikobereitschaft der Eintracht. Und am Samstag im Spiel gegen Borussia Dortmund eine große Enttäuschung. Es drängten sich schon wieder jene Fragen auf, die schon unter Skibbes Vorgänger Friedhelm Funkel kontrovers diskutiert wurden. Hat Caio tatsächlich die Qualität, um die Eintracht entscheidend voranzubringen? Ist er die etwa vier Millionen Euro wert, die er Anfang des vergangenen Jahres gekostet hat? Und vor allem: Hat er genug dafür getan, um sich bei der Eintracht zu integrieren und in eine körperliche Verfassung zu bringen, die in der Bundesliga Grundvoraussetzung für den Erfolg ist?

In all diesen Punkten steht Skibbe auf Caios Seite. Das schließt Sanktionen natürlich nicht aus. Beim 1:1 gegen den BVB wurde Caio nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt, so schwach spielte er an diesem Tag. Er hatte zu wenig zu bieten – keine Tempowechsel, keine Dynamik, keine Torgefahr. Und noch nicht einmal Einfallsreichtum bei ruhenden Bällen, Ecken oder Freistößen. Er spielte einen Pass auf Ioannis Amanatidis, den dieser zu einem Tor nutzte, das wegen Abseits nicht gegeben wurde. Mehr passierte nicht.

Ziel: Das Beste aus Caio herausholen

Skibbe hat Caio seit seinem ersten Tag in Frankfurt geschützt und versprochen, das Beste aus ihm herauszuholen. Das war, ohne dass es einer so genannt hätte, der Anti-Funkel-Kurs. Er lässt sich inzwischen in Zahlen belegen. In den vier Spielen dieser Bundesligasaison stand Caio jeweils in der Startformation. Gegen Nürnberg erzielte er sogar ein Tor, seitdem aber wurde er zweimal vor Spielende vom Platz genommen. „Er hatte einen schlechten Tag“, sagte Skibbe am Montag knapp. Das komme vor, ändere aber nichts an seiner Wertschätzung. „Er ist ein guter Spieler, und er wird auch weiterhin spielen.“

Was er dann sagte, klang so, als hätte er über einen Jugendspieler gesprochen. „Man muss sein Alter berücksichtigen. Er ist ein großes, ein hoffnungsvolles Talent, aber bei weitem noch kein gestandener Spieler.“ Die Rede ist von einem Profi, der 23 Jahre alt und demnächst seit zwei Jahren in Frankfurt ist. Kontinuierlich gute Leistungen erwartet Skibbe von Caio jedenfalls noch nicht. Diese seien erst in etwa zwei Jahren realistisch. Von Routiniers wie Oka Nikolov, Ioannis Amanatidis oder Kapitän Christoph Spycher erwarte er natürlich an jedem Spieltag, „dass sie annähernd ihr Niveau erreichen“. Bei Caio nicht, da müsse man noch ein wenig warten. Skibbe war noch fern von Frankfurt, als Friedhelm Funkel immer und immer wieder erklären musste, warum Caio denn bei ihm keine Chance habe.

Caio polarisiert mehr als andere Spieler

Viele machten ihre Kritik am damaligen Trainer an dessen Einschätzung von Caio fest. Am Ende war es eine quälende Lagerdebatte, hier die Verehrer, da die Zweifler. Auch Skibbe findet, dass Caio mehr polarisiert als andere Spieler. Und zwar auch auf dem anderen Ende der Skala. Nach dem Sieg im DFB-Pokal bei Kickers Offenbach und dem Erfolg zum Bundesligaauftakt in Bremen wurde der Kreativspieler seiner Einschätzung nach „über Gebühr gelobt“. Nun gehe es eben in die andere Richtung.

Caios Chancen auf einen Stammplatz bleiben auch deshalb gut, weil andere zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Markus Steinhöfer zum Beispiel. Der Mittelfeldspieler gehörte in der vergangenen Saison mit 32 Einsätzen, drei Toren und zehn Torvorbereitungen zu den Stützen im System Funkel. Derzeit spielt er überhaupt keine Rolle mehr. Gegen Dortmund stand er noch nicht einmal im achtzehn Mann starken Kader – anders als die Kollegen Sebastian Jung, Benjamin Köhler, Marcel Heller oder Ümit Korkmaz etwa. „Er ist einige Plätze entfernt von der Startelf“, sagte Skibbe und sprach von einer „Nummer Neunzehn“.

„Die Tür ist nach innen und außen offen“

Die Gründe dafür nennt er nicht. Er will Steinhöfer nicht öffentlich diskreditieren und behält für sich, was er dem Spieler in zwei längeren Gesprächen über seine Entscheidung und seine Erwartungen gesagt hat. Der Eintracht-Trainer wiederholt ganz allgemein – aber eben auch anwendbar auf diesen Einzelfall –, wie wichtig die Trainingsleistungen seien. Und dass für jeden seiner Spieler gilt: „Die Tür ist nach innen und außen offen.“ Rein oder raus in die Startelf, dieser Richtungswechsel soll also jederzeit möglich sein. Entsprechende Trainingsleistungen vorausgesetzt. Genau an diesem Punkt scheint Steinhöfer derzeit Schwächen zu haben. Aber das war bei Caio auch oft der Fall.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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