Es hätte für Ümit Korkmaz gute Gründe gegeben, rasch im Mannschaftsbus Unterschlupf zu suchen: Ein Gewitter hatte mit einem Schlag die Hitze des Nachmittags vertrieben, und er stand geduscht mit kurzer Hose und Badelatschen auf dem unwirtlichen Parkplatz vor dem Sportheim im Klagenfurter Stadtteil Welzenegg. Doch den Fans, die bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit ausgeharrt hatten, machte der Regen nichts aus. Und Korkmaz schon gar nicht. Der Nationalspieler Österreichs wusste, als er die Kabine verließ und die Sprechchöre mit seinem Namen hörte, dass viele Zuschauer in Klagenfurt nur seinetwegen zum Vorbereitungsspiel der Eintracht gegen US Palermo (2:1) gekommen waren – und was nun zu tun war: Der 24-Jährige dankte seinen Landsleuten für seinen freundlichen Empfang mit Autogrammen, ging in die Knie, wenn ein Vater seinen Sohn und den Fußballprofi gemeinsam aufs Bild bekommen wollte, und stand so lange zum Smalltalk bereit, bis der Busfahrer hupend die Abfahrt anmahnte.
Für Korkmaz trägt die Reise mit der Eintracht in seine alte Heimat bei allen Strapazen zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Er befindet sich in seiner persönlichen Wellness-Oase. „Es ist immer schön, hier zu sein und zu merken, dass sich die Menschen über einen freuen“, sagte er am Freitag, als wieder die Sonne über Hermagor in Kärnten strahlte und er lächelnd anfügte: „Ich fühle mich richtig gut.“ Was zuletzt in Frankfurt eher die Ausnahme war, weil er nach zwei Fußbrüchen in zwei Jahren in seiner Entwicklung spürbar stagnierte, während viele Mitstreiter unter Trainer Michael Skibbe einen Schritt nach vorne machten. Vom Status einer Stammkraft im Mittelfeld konnte keine Rede sein, und auch drei Tore in 35 Ligaspielen waren nicht das, was sich der österreichische Emporkömmling der Europameisterschaft 2008 durch seinen Wechsel von Rapid Wien an den Main versprochen hatte. Die Besucher der Partie gegen den Europa-League-Teilnehmer staunten daher nicht schlecht, wie Korkmaz nach anfänglichen Abstimmungsproblemen mit den Hintermännern Georgios Tzavellas und Pirmin Schwegler auf der linken Seite aufdrehte. Direkt vor den Augen Skibbes überzeugte er durch Einsatzfreude, Dribblings, gefährliche Vorstöße in den Strafraum. Und wenn ihm Mitte der ersten Halbzeit frei vor dem Tor nicht das Herz in die Hose gerutscht wäre, hätte er auch mit einem Treffer seinen Beitrag zum Erfolg leisten können. Abermals „gelungen“, fand Skibbe insgesamt die Vorstellung gegen einen namhaften Gegner, ohne den Erkenntnisgewinn überbewerten zu wollen. „Was die nächste Saison bringt, lässt sich daraus nicht ableiten.“
„Schön wär’s, wenn es dann so weiterlaufen würde“
Was ihn jedoch zuversichtlich stimmte, ist die Tatsache, dass seine Elf durch die Neuzugänge Tzavellas und Theofanis Gekas, die Genesung von Ioannis Amanatidis und Martin Fenin sowie den Verbleib von Halil Altintop im Vergleich zum Vorjahr ein höheres Qualitätsniveau erreicht hat. Auch Auswahlmöglichkeiten besitzt er nun zuhauf. Skibbe drückte es so aus: „Fußballerisch macht unsere Entwicklung weiter Fortschritte, wir können sogar auf Leistungsträger verzichten und trotzdem überzeugen.“ Namentlich lobte er Caio und auch Korkmaz über den grünen Klee. „Das hat mir richtig gut gefallen, was sie gezeigt haben, sie haben sich heute empfohlen.“ Der Eintracht drohte nur zu Beginn, als es Tzavellas an der taktischen Disziplin vermissen ließ und ohne Absicherung nach vorne stürmte, eine Lehrstunde. Doch nachdem die Italiener mehrere Warnschüsse auf Keeper Ralf Fährmann abgegeben und beste Chancen vergeben hatten, suchte das komplette Frankfurter Team sein Heil eben nicht mehr ausschließlich in der Offensive, sondern behielt auch die eigene Gefahrenzone im Blick. Skibbe sagte, die erfreulichen Resultate der vergangenen Tage dürften auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, „dass uns noch viel Arbeit bevorsteht“. Aber selbst eine Niederlage im abschließenden Test an diesem Samstag gegen Udinese Calcio (17.30 Uhr) würde ihm „gar nichts ausmachen“, wenn dadurch alle erkennen würden, „dass uns bis zum Pokalspiel in Wilhelmshaven noch viel Arbeit bevorsteht“.
Was besonders für Korkmaz gilt, der zwischendurch ja noch eine Zusatzschicht zu absolvieren hat. Mit der österreichischen Nationalmannschaft, die sich an diesem Sonntag in Wien trifft, kehrt er am Mittwoch zum Länderspiel gegen die Schweiz nach Klagenfurt zurück. „Schön wär’s, wenn es dann so weiterlaufen würde“, sagte Korkmaz, dessen anfangs kaum zu zügelndes Selbstbewusstsein durch die Verletzungen und sein langes Mitläuferdasein gelitten hat. Wo er wirklich steht bei der Eintracht, weiß er zu Beginn seiner dritten Saison noch nicht, räumte er ein, „doch irgendwie geht es ganz gut voran“. Diesen Eindruck hört man im Zusammenhang mit den Frankfurtern momentan vermehrt.

