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Eintracht Frankfurt Ohne Köpfchen

29.08.2011 ·  Die Eintracht kommt gegen Paderborn nicht über ein ernüchterndes 0:0 hinaus. Kapitän Schwegler ist wieder verletzt, Trainer Veh wünscht sich die Verpflichtung eines groß gewachsenen Stürmers.

Von Ralf Weitbrecht
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Als Ausrede wollte Armin Veh es nicht verstanden wissen. „Aber dieser Kreisklassenplatz ist eine Katastrophe, eine Zumutung. Wenn ich in die Bundesliga will, muss ich es schaffen, der Heimmannschaft einen ordentlichen Platz zur Verfügung zu stellen.“ Es war nicht das erste Mal, dass sich der Fußballtrainer der Frankfurter Eintracht eindeutig positionierte und dringend gebotene Verbesserungen anmahnte. „Alle erwarten doch von uns, dass wir unsere Gegner ausspielen.“ Doch in Frankfurt, auf der ramponierten Spielwiese der 188 Millionen Euro teuren Arena, sei dies nicht möglich. Auch nicht gegen den SC Paderborn.

Paderborn? Der Name des Mittelklasseklubs kann als Synonym für das stehen, was die zu Hause weiterhin sieglose Eintracht auch zukünftig gegen derartige Widersacher erwarten dürfte: erbitterte Gegenwehr. „Paderborn, das ist zweite Liga“, bestätigte Bruno Hübner. Auch der Frankfurter Sportdirektor war nach dem 0:0 gegen ebenjenen SC Paderborn „schon sehr enttäuscht. Wir haben einfach zu wenig geleistet und zu viele Bälle im Aufbau verloren“, bemängelte er. Dabei sah es am Sonntag vor 34 200 Zuschauern zumindest in der ersten Halbzeit ordentlich aus, was die Eintracht ihrem erwartungsvollen Publikum anzubieten hatte. Doch trotz guter Gelegenheiten durch Theofanis Gekas (12. Minute), Sebastian Rode (15.) und dem wieder spielberechtigten Alexander Meier (16., 26.) glückte den überlegenen Hessen kein Treffer.

„Das hat nichts mit der Leistung unserer Spieler zu tun“

Auch nicht in der zweiten Hälfte, in der der Grieche Gekas so etwas wie ein Déjà-vu erlebte. Wie schon in der vergangenen Saison beim 1:1 am 23. April gegen den FC Bayern München brachte die Frankfurter Sturmspitze den Ball aus kürzester Distanz nicht im Paderborner Tor unter. Es war die 79. Minute in der Partie gegen den Sportclub, in der sich Rode und Sebastian Jung auf rechts durchsetzten, den Blick für den freistehenden Sturmführer hatten - aber nicht jubeln konnten. Als Gekas drei Minuten später gegen Caio ausgetauscht wurde, gab es laute Pfiffe von den Rängen. Auch Benjamin Köhler wurde gehörig ausgepfiffen, als er ging (86.). „Das ist Ausdruck der Enttäuschung“, versuchte Heribert Bruchhagen zu erklären. „Das hat nichts mit der Leistung unserer Spieler zu tun“, so der Vorstandschef.

Vielleicht aber doch? Köhler, in der Vorwoche beim souveränen 4:0 gegen Stadtrivale FSV der prägende Mann des Spiels, vermochte gegen die zähen Paderborner nicht wie sonst sein Potential abzurufen. Beistand bekam er ebenso wie Gekas später von Pirmin Schwegler. Der Kapitän fand, „dass Pfiffe von außen keiner Mannschaft weiterhelfen“. Im Gegenteil: „Es zieht einen richtig runter. Aber ich will da jetzt kein großes Thema draus machen.“ Der Schweizer war mehr mit sich beschäftigt, denn er konnte nicht von Anfang bis Ende mithelfen, den organisierten und glänzend verteidigenden Gegner zu knacken. Eine gute Stunde hielt Schwegler durch, dann musste er passen. Wieder machte sich sein schon in den Vorwochen angeschlagener Rücken bemerkbar. „Es sind muskuläre Probleme“, erklärte er. „Der ganze Rücken hat zugemacht. Es ging komplett gar nichts mehr. So konnte ich der Mannschaft nicht helfen“, sagte Schwegler. „Dabei können wir jede Hilfe gebrauchen.“

Der sommerliche Schlussverkauf

Ohne konkret werden und sich in Belange der Vereinsführung einmischen zu wollen, spielte der Kapitän auf den kommenden Mittwoch an. Am 31. August endet der sommerliche Schlussverkauf, der es abgebenden und suchenden Vereinen ermöglicht, alte Spieler zu verabschieden und neue zu begrüßen. In Frankfurt, so der seit Wochen kommunizierte Wunsch, soll es ein langer Angreifer sein, der noch Unterschlupf bei den zweitklassigen Hessen findet. Während Schwegler hin- und hergerissen scheint, „ob wir für die letzten zehn Minuten einen großen Spieler brauchen“ und nicht weiß, „ob das Sinn macht“, hat der für die sportlichen Belange zuständige Trainer nach der Nullnummer gegen Paderborn seinen Appell erneuert: „Aus meiner Sicht ist es notwendig, noch einen kopfballstarken Stürmer zu holen“, sagte Veh.

Bei diesem torlosen Remis gab es nur wenige Szenen, in denen die Eintracht gefährlich mit Köpfchen vor dem Paderborner Tor auftauchte - es waren nur zwei. Bei der ersten Aktion traf der aufgerückte Innenverteidiger Bamba Anderson die Kugel nicht richtig (89.), bei der zweiten des eingewechselten Karim Matmour zeigte SC-Schlussmann Lukas Kruse die beste Parade der gesamten Partie (90.). Als kurz danach Schluss war und die Zuschauer abermals lautstark ihren Unmut bekundeten, kritisierte anschließend Vorstandschef Bruchhagen, „dass man sich auch mal im Eins-gegen-eins durchsetzen muss“. Siege gegen Mannschaften wie Paderborn seien letztlich auch eine „Frage der letzten Vehemenz“.

Am fleißigen Meier, der einen vielversprechenden Heber leichtfertig vergab (26.), lag es dabei nicht, dass die Eintracht seit dem 19. März weiter auf einen Sieg vor heimischer Kulisse wartet. In der Vorwoche hatte Veh zwar nach dem Triumph gegen den FSV von einem „Heimsieg“ gesprochen. Formal aber ist er es nicht gewesen. Um der andauernden Misere beizukommen, griff die Eintracht gegen Paderborn sogar in die Trickkiste. Zeugwart Franco Lionti händigte den Spielern die weißen Auswärtstrikots aus. Es half aber nichts. Nächster Versuch, die Pfiffe im Zaum zu halten: Freitag, 16. September. Dann kommt Hansa Rostock.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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