15.08.2011 · Eintracht-Trainer Veh macht sich für einen Verbleib von Gekas stark, deutet aber auch Kritik an dem eigenwilligen Griechen an. Kapitän Schwegler fehlt im Spitzenspiel gegen Düsseldorf.
Von Marc Heinrich, FrankfurtDie Ungewissheit dauert noch zweieinhalb Wochen. Bis zum 31. August bleibt den Profiklubs in Deutschland Zeit, ihre Kader zu gestalten. Dann endet die Transferperiode in diesem Sommer. Armin Veh wüsste heute schon gerne, was die nahe Zukunft für ihn und die Eintracht bringt, „aber es ist ja vieles noch immer Spekulation“. Vor allem der Stürmer Theofanis Gekas steht seit Wochen im Mittelpunkt von Mutmaßungen: Geht er oder erfüllt er seinen bis Juni 2012 datierten Vertrag in Frankfurt? Zuletzt hatte Manager Bruno Hübner mit Andeutungen sowie Gesprächen mit dem Kandidaten Aristide Bancé der Theorie Vorschub geleistet, dass es den Hessen wohl nicht ungelegen käme, wenn sie ihren Großverdiener vor Erreichen des offiziellen Vertragsendes los würden. Diesem Eindruck widersprach Veh nun vor dem Spiel an diesem Montag gegen Fortuna Düsseldorf (20.15 Uhr, live bei Sport1) mit Nachdruck: „Von mir kommt nicht, dass Gekas weg soll“, sagte der Fünfzigjährige. Zu einer Garantie, dass er bleiben wird, sah er sich allerdings nicht in der Lage.
Der Grieche hat spätestens durch seine beiden Pokaltreffer beim Sieg in Halle und seinen ansprechenden Auftritt beim 3:0 in Braunschweig nachgewiesen, dass er das nach dem Abstieg vielfach veränderte Team um eine Qualität bereichert, die in der Zweiten Fußball-Bundesliga nicht all zu oft zu finden ist. Aber, fügte Veh an, „ich bin auch nicht der, der alles entscheidet. Nur wenn ich den Job als Aufsichtsratschef, Präsident und Manager noch hätte, könnte ich mich festlegen und sagen: Gekas lassen wir nicht ziehen“. So aber würden in „diesem Geschäft“ der Berater des Profis und eben Gekas selbst ein gewichtiges Wort mitreden, „deswegen habe ich es nicht zu hundert Prozent im Griff“, sagte Veh, und daher vermeide er am liebsten jede Äußerungen in dieser Angelegenheit.
„Ich wusste, dass er so viel laufen kann“
Grundsätzlich würde er ungeachtet des klubintern als Maßgabe formulierten Sparzwangs „lieber noch einen holen, weil wir es nötig haben“. Die Besetzung in der Offensive erscheint ihm – selbst bei einem Verbleib von Gekas – ausbaufähig. „Wir haben ja nur drei Stürmer. Oder soll ich etwa auf Marcos Alvarez bauen, der bei der Bayern-Reserve in einem halben Jahr kein Tor geschossen hat?“, fragte der Coach rhetorisch, ehe er sich selbst die Antwort gab: „Noch einen abgeben und trotzdem aufsteigen wollen, das könnte ein Problem werden.“ Dass erst am 1. September und damit nach dem sechsten Zweitligaspieltag Klarheit herrsche, welches Personal ihm für die Mission Wiederaufstieg zur Verfügung steht, ist dem frühen Saisondebüt geschuldet, den Veh als „völligen Blödsinn“ bezeichnete.
Von Gekas erwarte er gegen die bislang ungeschlagenen Rheinländer, dass er an seine ungewöhnlich rührige Vorstellung beim Erfolg in Braunschweig anknüpfe. „Ich wusste, dass er so viel laufen kann“, sagte der Trainer, „denn ich habe ja die Werte gesehen, die er bei den Trainingsübungen hat, bei allen Sprints ist er vorne dabei.“ Er sprach davon, dass es sich bei Gekas nicht um eine Frage des Könnens, sondern des Willens handele: „Er muss bestätigen, dass er für die Mannschaft arbeiten will. Ich habe immer gewusst, dass er das kann. Ob er es will, muss er entscheiden. Wenn er mitmacht, ist er ein wertvoller Spieler.
Ein Unentschieden wäre den Hessen diesmal in ihrem ersten richtigen Heimspiel zu wenig
Dann ist es auch egal, ob er Tore schießt.“ Pirmin Schwegler, der Kapitän, drückte es zuletzt ähnlich aus: „Wenn er (Gekas) viel gibt, kriegt er von uns viel zurück.“ Der Schweizer, üblicherweise als unverzichtbar eingestuft, wird seinen Kollegen gegen die Fortuna nicht als Anführer auf dem Feld beistehen können. Dem Vierundzwanzigjährigen machen Rückenschmerzen arg zu schaffen, einige Wirbel sind geprellt. Einen letzten Belastungstest am Sonntagabend brach er mit den Worten „es geht nicht“ ab. Veh reagierte auf die schlechte Nachricht ohne spürbare Aufregung. Anstelle der zentralen Führungskraft rutscht jetzt Karim Matmour ins Aufgebot und erhält einen Platz im Mittelfeld, während Sebastian Rode auf die Position des Sechsers vor der Abwehr rückt. „Wir haben da keine Geheimnisse“, sagte Veh, der im Tor abermals Oka Nikolov das Vertrauen schenkt. Der Routinier hat – zumindest vorerst – den internen Wettstreit um die Nummer eins gegen Zugang Thomas Kessler gewonnen. Und er ist der einzige, der beim bis dahin letzten Aufeinandertreffen der beiden Vereine schon mit von der Partie war, als die Trainer noch Dragoslav Stepanovic (Eintracht) und Aleksandar Ristic (Fortuna) hießen: Am 11. Mai 1996 begegneten sich beide noch unter erstklassigen Vorzeichen und trennten sich 2:2.
Ein Unentschieden wäre den Hessen diesmal in ihrem ersten richtigen Heimspiel zu wenig. Stattdessen sollen die Aufstiegsambitionen mit dem dritten Saisonsieg untermauert werden. Gegen die Rheinländer werden knapp 40.000 Zuschauer in der WM-Arena erwartet. Zur Premiere gegen St. Pauli hatte der Deutsche Fußball-Bund als Strafe für die Fanausschreitungen in der vergangenen Runde nur 14 000 Eintracht-Anhänger zugelassen.