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Eintracht Frankfurt Nett, aber nicht gut genug

29.07.2010 ·  Unter Michael Skibbe ist Habib Bellaid bei Eintracht Frankfurt nur dritte Wahl. Ein Jahr war der Franzose ausgeliehen und steht nun endgültig vor dem Abgang.

Von Josef Schmitt, Frankfurt
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Sechzehn Minuten durfte Habib Bellaid am Dienstag spielen, als die Frankfurter Eintracht in Göttingen gegen Racing Santander 2:1 gewann. Das war ein weiteres Indiz dafür, welchen Stellenwert der 24 Jahre alte Franzose bei Michael Skibbe genießt. Keinen hohen, so viel steht fest. Der Frankfurter Trainer hat Bellaid schon wieder nahe gelegt, sich doch bis zum Saisonstart einen anderen Verein zu suchen. „Es ist doch besser für ihn, wenn er woanders spielt, als bei uns auf der Bank oder der Tribüne zu sitzen“, sagt er. Einen Platz in der Mannschaft hat Skibbe für den ehemaligen französischen U-21-Nationalspieler nicht vorgesehen. Ganz so wie vor einem Jahr. Auch da wurde Bellaid noch während der Vorbereitung aussortiert.

Die Konkurrenz in der Innenverteidigung sei zu groß für den Franzosen mit algerischen Wurzeln, lautete damals die Begründung. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Chris, Maik Franz, Marco Russ und Aleksandar Vasoski stehen in der internen Rangliste der Innenverteidiger vor Bellaid. Und auch eine Versetzung auf die linke Verteidigerposition sieht Skibbe nicht wirklich als eine Lösung. So deprimierend die Situation für den Spieler ist, so teuer kommt sie den Verein zu stehen. Für die stattliche Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro hatte die Eintracht den in Deutschland weitgehend unbekannten damals 22-Jährigen im Sommer 2008 von Racing Straßburg geholt. Chefscout Bernd Hölzenbein hatte den Franzosen, ausgebildet in der legendären Talentschmiede des französischen Verbandes in Clairefontaine, in den höchsten Tönen gelobt. Vor allem in der „Spieleröffnung“ habe er große Qualitäten.

Dramatischer Abstieg

Bei der Eintracht hat Bellaid sie nur selten gezeigt. Viel öfter sind ihm dagegen auf Leichtsinn zurückzuführende Abspielfehler unterlaufen. Das Talent hat ihm nie jemand abgesprochen, aber zu einer konstanten Leistung fand er im Trikot der Eintracht nie. Dennoch bestritt der Abwehrspieler unter Trainer Friedhelm Funkel 22 Bundesligaspiele. Er war also durchaus ein Profi, der zum Stamm des Teams gerechnet werden konnte. Unter Skibbe hat er diesen Status vor einem Jahr schnell verloren.

Mit der Rückkehr zu seinem ehemaligen Klub Racing Straßburg begann dann ein geradezu dramatischer Abstieg des Spielers – und dies im Sinne des Wortes. Beim französischen Zweitligaklub in Straßburg spielte Bellaid bis zum Ende der Vorrunde der vergangenen Saison, dann wechselte er innerhalb Frankreichs zu US Boulogne in die erste Liga. Beide Vereine stiegen am Ende der Saison ab, Straßburg in die dritte Liga, Boulogne in die zweite. Ein doppelter Abstieg also für Bellaid. Und berücksichtigt man seine persönliche Situation sogar ein dreifacher Abstieg. Auch die überraschende Nominierung für das Weltmeisterschafts-Aufgebot von Algerien, für dessen Nationalmannschaft er wegen einer doppelten Staatsbürgerschaft spielberechtigt ist, hat ihn nicht entscheidend nach vorne gebracht. Bei den drei WM-Spielen seiner Mannschaft in Südafrika saß er jeweils 90 Minuten lang auf der Bank.

Keine sportliche Perspektive in Frankfurt

Bei der Eintracht steht der Vielkritisierte noch bis zum Jahr 2012 unter Vertrag. Zumindest das finanzielle Auskommen ist also gesichert. Sportlich aber gibt es keine Perspektive in Frankfurt, auch wenn Trainer Skibbe eine neue Chance nicht vollständig ausschließt. Er bezeichnet Bellaid als netten Typen, „der bei uns gerne gesehen ist“. Das hört man gern, aber sportlich klingt das wenig verheißungsvoll. Wie Aleksandar Vasoski vor einem Jahr habe auch Bellaid zwar eine kleine Chance, „wie Phönix aus der Asche“ aufzusteigen, sagt Skibbe. Aber wirklich zu rechnen sei damit nicht, „weil wir vier andere gute Innenverteidiger haben“. Gut bedeutet in diesem Fall: bessere Innenverteidiger als Bellaid.

Der Spieler selbst geht mit der sportlich unbefriedigenden Situation professionell um. Im Training wie im Spiel zeigt er viel Ehrgeiz und Einsatz. „Ich fühle mich gut“, sagt Bellaid, „und ich bin ganz gut in Form.“ Über seine sportliche Zukunft allerdings spricht er nicht. „Darüber will ich nicht reden“, lautet seine Antwort auf die Frage, wie es denn künftig mit ihm weitergehe. Als Indiz für die kurzfristige Zukunftsplanung könnte Bellaids fahrbarer Untersatz dienen. Noch immer fährt er einen Mini mit französischem Kennzeichen. Vieles deutet darauf hin, dass ihn der Weg bald wieder zurück in die Heimat führen wird.

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