23.11.2009 · Während Coach Skibbe von einer positiven Ausgangslage spricht, sehen andere die Eintracht nach dem 1:2 gegen Gladbach auf Abwärtskurs.
Von Marc Heinrich, FrankfurtAlle Jahre wieder: Die Eintracht sehnt die Winterpause herbei. In der vagen Hoffnung, dass danach vieles besser wird. Immer dann, wenn es anfängt, draußen ungemütlich zu werden, und die Temperaturen zu sinken beginnen, geht es auch mit der Frankfurter Mannschaft in der Tabelle abwärts. An diesem schon traditionell anmutenden Bundesliga-Naturgesetz hat sich auch durch die Amtsübernahme von Michael Skibbe nichts geändert.
Die Zeit der Zuversicht auf glanzvollere Tage und der Aufbruchstimmung rund um das von ihm betreute Team hat sich spätestens durch das 1:2 gegen Mönchengladbach verflüchtigt: Die herbstliche Gegenwart nach dreizehn Spieltagen sieht so tristgrau aus wie beinahe immer in der jüngeren Vergangenheit. Nach dem dritten Tiefschlag in den zurückliegenden vier Pflichtspielen ist endgültig Ernüchterung eingekehrt. „Wir haben den Blick nach unten, und die Tendenz geht eindeutig nach unten. Das war eine ganz bittere Niederlage, die uns schwer trifft“, bestätigte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Ohne Zweifel kam dieser Misserfolg vor 50.000 Besuchern in der WM-Arena zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: In einer Woche steht beim Gastspiel in Berlin das Wiedersehen mit dem früheren Coach Friedhelm Funkel an. Eine brisante Partie. Und auch die anschließenden Prüfungen bis zu den (kurzen) Weihnachtsferien haben es in sich; die Gegner bis zum Hinrundenschluss heißen Mainz, Hoffenheim und Wolfsburg. „Es ist schon richtig“, sagte Pirmin Schwegler, „leichter wird unsere Situation nicht.“
Die Eintracht hatte ihre Chancen
Dem Schweizer war in der 86. Minute mit einem verwandelten Handelfmeter noch der Anschlusstreffer gelungen. Zuvor waren personelle Engpässe der Eintracht gegen kämpferisch überzeugende Gladbacher unübersehbar. Deutlich wurde, dass es dem Kader trotz seiner Größe an Qualität mangelt und notgedrungen ein weiterer Angreifer sowie ein technisch begabter Mittelfeldmann benötigt werden. Wenn auch nicht um jeden Preis, wie Bruchhagen abermals festhielt. „Es kommt nur ein Spieler in Frage, der besser als unsere Leute und zudem noch erschwinglich ist.“ Dieses Anforderungsprofil ist schwer erfüllbar. Nach dem Ausfall von Ioannis Amanatidis (Knieoperation) und Martin Fenin (Leistenoperation) stand mit Nikos Liberopoulos gegen die Borussia vom Niederrhein auch der dritte Angreifer wegen des Todes seines Vaters nicht zur Verfügung.
Chancen hatte die Eintracht an diesen Nachmittag dennoch, vor allem rund um den Pausenpfiff. Caio, Ümit Korkmaz und Markus Steinhöfer ließen sie ungenutzt verstreichen. „Das hätte eigentlich für einen guten Ausgang reichen müssen“, urteilte Bruchhagen später. Doch der Elf fehlte ein Vollstrecker, der diese Möglichkeiten kaltschnäuzig verwertete: „Amanatidis oder Liberopoulos hätten wohl den einen oder anderen reingeschossen“, sagte Skibbe. Nicht nur im Angriff agierten die Frankfurter zwei Wochen nach der Blamage in Leverkusen fehlerhaft. Auch die Abwehr erwies sich wieder einmal als anfällig und produzierte ein weiteres kurioses Eigentor. Verteidiger Marco Russ schoss nach einer Hereingabe des Gladbachers Tobias Levels seinen eigenen Torwart Oka Nikolov an, von dessen Kopf der Ball zum 0:1 ins Netz prallte (54. Minute). „Ich wollte nach außen klären. Oka läuft mir direkt in den Schuss, und ich treffe ihn im Gesicht. Das hat bestimmt bescheuert ausgesehen“, sagte Russ. Beim 2:0 durch einen Kopfball von Roel Brouwers (66.) und dessen Vorbereitung sah die komplette Verteidigergarde um Maik Franz, Chris und abermals Russ gleichermaßen schlecht aus. „Es ist heute einfach alles dumm gelaufen“, sagte Russ geknickt. Bislang war es der Eintracht gelungen, die Duelle gegen direkte Konkurrenten um einen Platz im Mittelfeld zu gewinnen – oder zumindest nicht zu verlieren.
Duell mit dem Vorgänger
Siege in Freiburg sowie gegen Hannover und Bochum, ein Remis gegen den 1. FC Nürnberg – gegen die sogenannten Teams auf Augenhöhe lag die Mannschaft im Soll und verhinderte damit ein Abrutschen in die gefährdeten Regionen. Nun beträgt der Sicherheitsabstand nur noch fünf Zähler. Sorgen macht sich Skibbe, sagte er, deswegen aber keine. Auffallend auch, dass der Coach die aktuelle Ausgangslage wesentlich positiver bewertete als Manager und Vorstandschef Bruchhagen und er vom drohenden Kampf um den Klassenverbleib nichts wissen wollte. „Auf diesem Spiel können wir aufbauen. Dank unserer kämpferischen Leistung hätten wir einen Punkt verdient gehabt“, urteilte Skibbe. „Wir befinden uns nicht am Rand der Abstiegszone.“
Dass aber das Duell mit seinem Vorgänger Funkel, von dem sich Skibbe seit Saisonbeginn in allen nur möglichen Bereichen abzugrenzen versucht, für ihn eine besondere Angelegenheit wird, wusste er selbst. „Richtungsweisend“ nannte er die Begegnung am kommenden Samstag. Und auch wenn die Ergebnisse dazu keinen offenkundigen Anlass geben, hat der Trainer seine grundsätzlich optimistische Sicht der Dinge beibehalten: „Wir fahren nach Berlin, um unser Polster an Punkten auszubauen, dann werden wir gegen Mainz nachlegen.“ Woraus sich dieses Vertrauen speist, lässt sich auf Anhieb nicht erklären.