Home
http://www.faz.net/-gzo-14mcu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eintracht Frankfurt Mainz verlängert die Frankfurter Festwochen

07.12.2009 ·  Die Profis der Eintracht halten beim 2:0 gegen den Nachbarn Kurs, sie gewinnen ein Duell der großen Emotionen und haben jetzt allerbeste Chancen auf eine Art Sonderurlaub.

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Das verlängerte Weihnachtsfest rückt näher. Jetzt ist es nur noch ein Punkt, der den Fußballprofis der Frankfurter Eintracht fehlt, um bis zum 2. Januar Urlaub machen zu dürfen – was Trainer Michael Skibbe zugesagt hat, sofern zu Beginn der Winterpause mindestens 23 Punkte erreicht sind. Tabellenzehnter mit nun 22 Zählern sind sie, gefestigt und stabilisiert dank des 2:0 im emotionsgeladenen Nachbarschaftsduell gegen den auf Rang neun liegenden FSV Mainz 05. Die Richtung, die Skibbes Mannschaft zum Ende des Jahres, beginnend mit dem Auswärtserfolg vor einer Woche in Berlin, eingeschlagen hat, stimmt – und der wertvolle Abräumer Chris findet, „dass bis zum Jahresende jetzt alles möglich ist“.

Was tatsächlich bis zum Hinrundenschluss am 19. Dezember möglich ist, werden die beiden noch ausstehenden Prüfungen in Hoffenheim und gegen Wolfsburg zeigen. Die Eintracht-Spieler fühlen sich dank des Prestigeerfolges gegen den Aufsteiger aus Mainz zu neuen Taten ermutigt. „Wir wollen mehr als diesen einen Punkt“, sagte der Brasilianer Chris. Die Absicht, die dahinter steckt und im Fall des Südamerikaners eine besondere Bedeutung hat: „Ich will den längeren Urlaub haben, denn ich werde Vater. Es wird ein Junge – Enzo Maicon wird er heißen.“ Chris blickte nach dem ersten Heimsieg ohne Gegentreffer beschwingt dem Hinrundenschluss entgegen: „Vor Hoffenheim und Wolfsburg haben wir keine Angst. In der Form von Mainz können wir zu Hause jeden schlagen.“

Die Erleichterung ist auch beim Trainer spürbar

Kein Sieg ohne Maik Franz. Der vom Innen- zum rechten Verteidiger umgeschulte Abwehrmann zeigte nach dem Coup von Berlin auch gegen den Nachbarn aus Mainz seine Klasse im Torabschluss. Er brachte die Eintracht in Führung (29.), und es gibt nicht wenige, die glauben: Ohne einen polarisierenden Profi wie ihn hätte das als Derby bezeichnete Rhein-Main-Duell eine andere Wendung genommen. Franz kann den Unterschied machen. Mitspieler Pirmin Schwegler sagte nach dem Heimsieg gegen die „Nullfünfer“: „Es war ein Spiel auf Augenhöhe, und uns war klar: Wer mehr investiert, gewinnt.“ Auch der Schweizer fühlt sich nun zu weiteren Leistungssteigerungen fähig. „Ich habe mir jetzt 24 Punkte zum Ziel gesetzt, damit man weiter Geschichten schreiben kann. Wenn wir das schaffen sollten, hätten wir nach langen Jahren eine Riesenhinrunde gespielt.“

Die Erleichterung, den Rivalen vom Rhein dank der Treffer von Franz und Alexander Meier (90.) auf Distanz gehalten zu haben, war auch bei Michael Skibbe spürbar. Der Trainer der Eintracht freute sich darüber, „dass wir endlich wieder eine gute kämpferische und läuferische Leistung gezeigt haben“. Derartiges hatte sich der 44 Jahre alte Coach „schon in der Vergangenheit gegen die Bayern und Stuttgart gewünscht“. Doch auch so kann Skibbe mit der aktuellen Ausbeute seiner auf Kurs liegenden Mannschaft zufrieden sein. „Es war ein sehr emotional geprägtes Spiel.“ Mit einem wieder einmal auffälligen Franz, über den sein Trainer sagte: „Er hat oft Zweikampfkontakt und kriegt auch selbst auf die Mütze, aber er setzt sich durch. Er ist also genau das, was wir im Sport gern haben, er ist jemand, der seinen Mann steht. Und deswegen tut er Eintracht Frankfurt richtig gut.“

„Da weiß ich, da brennt nichts an“

Wenn es wirklich stimmt, dass der Mainzer Trainer Thomas Tuchel einen sogenannten „Matchplan“ für die Partie bei der Eintracht entworfen hatte, dann müssen dem jüngsten Bundesliga-Coach ein paar Dinge entgangen sein. Dass nämlich Franz und der zum Angreifer umfunktionierte Verteidigerkollege Patrick Ochs seit einer Woche höchst erfolgreich ihrer Arbeit nachgehen, scheint Tuchel nicht berücksichtigt zu haben. Wie schon beim 3:1 in Berlin konnte das Flügelzangenduo Franz/Ochs auch gegen Mainz 05 fast nach Belieben wirken. Ochs sagte nach vollbrachter Abendschicht mit einem Strahlen im Gesicht: „Die Mainzer haben gedacht, dass sie uns schlagen werden, weil sie vor uns stehen, aber Maik und ich haben es wieder ganz gut gemacht.

Er hat hinten alles abgeräumt und vorn wieder ein sensationelles Tor gemacht. Er ist wieder in den Ball reingegrätscht, bei allen vier Saisontoren ist es bei ihm so gewesen.“ Die Schlussfolgerung: „Ich bin beruhigt, dass ich Maik hinter mir habe. Da weiß ich, da brennt nichts an.“ Am kommenden Samstag, beim letzten Hinrundenauswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim in Sinsheim, wird Franz wegen der fünften Gelben Karte fehlen. „Das macht nichts“, sagte Ochs. „Dann gehe ich eben wieder rechts hinten rein, und vorn muss ein anderer Druck machen.“

Skibbe hat einige Tage Zeit, um einen Personalplan für die Partie bei der TSG zu entwerfen. Er hat dabei das Glück, dass viele gesunde Spieler wie Selim Teber, Markus Steinhöfer, Benjamin Köhler und Caio von der Bank in die Stammelf drängen. Doch keiner von ihnen hat aktuell die Qualitäten, die das neue Torjägerduo Franz/Ochs ausstrahlen. Einem wie Präsident Peter Fischer ist trotzdem nicht bange vor den letzten beiden schweren Spielen. Angesprochen auf eine Einschätzung nach dem 2:0 gegen Mainz, sagte der glücklich strahlende Vereinsführer nur zwei Worte: „Frohe Weihnachten.“ Der sportliche Weg dorthin hat seit Samstag nochmals an Kontur gewonnen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1961, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr