01.09.2010 · Die Eintracht gibt Habib Bellaid an den CS Sedan Ardennes ab. Der Wechsel des Verteidigers bringt kein Geld, entlastet aber immerhin das Personalbudget.
Von Marc Heinrich, FrankfurtEs ist der dritte Versuch, ein großes Missverständnis in beiderseitigem Einverständnis zu lösen: Habib Bellaid verlässt die Frankfurter Eintracht. Mal wieder. Zumindest bis zum 30. Juni 2011 wird der Abwehrspieler beim Verein CS Sedan Ardennes beschäftigt sein. Der Tabellenfünfte der zweiten französischen Liga hat kurz vor dem Ende der Transferperiode den algerischen Nationalverteidiger für eine Saison ausgeliehen. Als sich Heribert Bruchhagen am Dienstag auf den Weg zu Cheftrainer Michael Skibbe machte, um ihm die Kunde zu übermitteln, war er offensichtlich bester Dinge, dass dieser Wechsel kurz vor Ultimo über die Bühne ging: „Die Eintracht steht vor dem Abgrund, und alle machen Mittagspause“, feixte der Manager und Vorstandsvorsitzende, nachdem er die Geschäftsstelle im WM-Stadion verlassen hatte und in die Sonne hinausgetreten war. Skibbe und ein gutes Dutzend Spieler waren kurz zuvor von einer knapp 45-minütigen Joggingrunde zurückgekehrt – sie erfuhren die Neuigkeit beim Dehnen und Ausschwitzen. Über Details der Übereinkunft mit Bellaid und dessen neuem Team ließ Bruchhagen nichts verlauten. Nur soviel: Die mit zwei Misserfolgen in die Runde gestartete Eintracht erhält keine finanzielle Kompensation für das Geschäft, ist jedoch froh, mit dem Vierundzwanzigjährigen wenigstens einen Gehaltsempfänger aus dem Kader losgeworden zu sein, der auch jetzt mit 28 Akteuren noch groß ist. Außerdem, so viel verriet Bruchhagen dann immerhin doch, erhalte man eine Prämie, sollte CS Sedan Ardennes am Ende der Spielzeit in die erste Liga aufsteigen. Wozu Bellaid, der in 22 Bundesligaspielen nur als fußballerisches Leichtgewicht auffiel, seinen Beitrag leisten soll.
Unter Skibbe, das machten die vergangenen Monate deutlich, besaß der 1,89 Meter lange Profi keine Perspektiven mehr. Zu nachlässig verrichtete er auch in den zurückliegenden Spielen der Sommervorbereitung seine Aufgaben. Trotz seiner Größe unterliefen ihm beim Kopfballspiel Patzer, im Zweikampf bewegte er sich für die Stürmer leicht ausrechenbar, und seine Beiträge zum Angriffsspiel beschränkten sich auf unkontrollierte Befreiungsschläge. Alles in allem: Bellaid, der ein ausgesprochen freundlicher Zeitgenosse ist, konnte mit seinem Leistungsvermögen auf dem Platz nicht punkten. Bereits im vergangenen Sportjahr war der Sohn maghrebinischer Einwanderer, der in einem Vorort von Paris aufwuchs, zunächst für 13 Spiele an das französische Zweitligateam Racing Straßburg ausgeliehen worden. Auch dort war man mit seinen Diensten nicht zufrieden und reichte ihn postwendend weiter: an US Boulogne-sur-Mer in der ersten französischen Liga, wo er nach neun Partien seinen Koffer ebenfalls wieder packen musste – und zur Eintracht zurückkehrte. So könnte es auch in zwölf Monaten kommen, denn sein Vertrag in Frankfurt läuft noch bis 2012.
Nur eine Rumpftruppe
Vor zwei Jahren verpflichtete die Eintracht Bellaid als Wunschkandidaten von Trainer Friedhelm Funkel – in der Hoffnung, in ihm einen geeigneten Nachfolger für den Griechen Sotirios Kyrgiakos gefunden zu haben, von dessen zuweilen ruppiger Gangart Fans und Klubführung genug hatten. Der frühere Nationalmannschafts-Vorstopper Karlheinz Förster, der damals bei Bellaids Beraterfirma IMG angestellt war, pries seinen Mandanten bei der Vorstellung im Juli 2008 als „sehr eleganten, spielerisch starken Innenverteidiger“. Funkel nannte ihn „einen schnellen Mann mit guter Ballbehandlung“. Ein Irrtum, wie man heute weiß, der nicht ganz billig war: Allein 2,5 Millionen Euro kostete Bellaid an Ablösesumme.
Seinen Spind in Frankfurt wird er voraussichtlich erst nächste Woche räumen. Mit der algerischen Nationalmannschaft ist er bis dahin auf Länderspielreise, genau wie sieben bisherige Kollegen. So war es nur eine Rumpftruppe, da auch Ioannis Amanatidis wegen Problemen am nicht operierten Knie kürzertreten musste, die Skibbe drei Tage nach der zweiten Saisonniederlage beschäftigte. Am Vormittag mit Gymnastik und einem Lauf durch den Stadtwald, danach folgte eine Regelschulung mit dem ehemaligen Bundesliga-Referee Lutz Wagner aus Kriftel und am Abend noch ein Privatspiel gegen die bayerische Landesliga-Elf SV Alemannia Haibach. Für Fußballprofiverhältnisse war es ein überdurchschnittlich ausgelasteter Arbeitstag. Die kommenden werden geruhsamer. Er wolle „Ruhe walten lassen“, sagte Skibbe auf die Frage, wie sich das 1:3 gegen den HSV am besten verarbeiten und die Vorbereitung auf das wichtige Spiel in Gladbach gestalten lasse. Der Mannschaft könne er nach dem jüngsten Misserfolg „keinen Vorwurf machen“, schließlich habe es sich bei den Hamburgern um „eine der besten Mannschaften der Bundesliga gehandelt“. Für den richtungweisenden Auftritt im Borussia-Park am Samstag, 11. September, sei er zuversichtlich, zumal er mit dem Comeback von Chris rechne. Mit dem Brasilianer besitzt Skibbe die Auswahl unter vier Innenverteidigern, um die beim 6:3-Sieg in Leverkusen so stürmischen Gladbacher und kommende Gegner in Schach zu halten. Auch deswegen konnte der Coach den entbehrlichen Bellaid bereitwillig ziehen lassen.