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Eintrachts Jetro Willems : Im Abseits

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Schafft er die Wende? Jetro Willems muss sich ins Zeug legen, um Trainer Niko Kovac zu überzeugen. Bild: Jan Huebner

Jetro Willems hat viele Vorzüge, doch weil der Verteidiger zuletzt nur wenige davon zeigte, spielt er für Niko Kovac aktuell keine Rolle. Der Eintracht-Kader bietet allemal Alternativen.

          Es ist an der Zeit für Jetro Willems, aufzuwachen. Auf das klare Signal von Niko Kovac richtig zu reagieren und sich in Zukunft persönlich ins Zeug zu legen. Anderenfalls könnte der offenbar zum Phlegma neigende Linksverteidiger in der Wertschätzung des Eintracht-Trainers so weit sinken, dass es für den Holländer schwer wird, in eigener Sache erfolgreich die Wende zu schaffen. Das Bundesliga-Heimduell der Frankfurter gegen Freiburg (1:1) war nach dem Auswärtsspiel Mitte Dezember in Hamburg (2:1) die zweite Begegnung, in der der hochveranlagte Willems nicht zum Kader zählte.

          Der 23-Jährige, am Samstag nur prominenter Tribünengast in der WM-Arena, war nicht verletzt, vielmehr hatte er seinen Vorgesetzten in der Wintervorbereitung mit seinen Trainingsleistungen und im einzigen Testspiel gegen Aue (3:1) mit seinem Auftritt enttäuscht. Kovac griff sein sportliches Sorgenkind, dessen Formkurve schon vor der Winterpause nach unten zeigte, nach dem Rückrunden-Auftaktspiel zwar nicht direkt an, aber zwischen den Zeilen war der Warnschuss des Fußballlehrers für Willems deutlich herauszuhören. „Es geht nicht um einzelne Spieler, es geht immer um die Mannschaft“, betonte Kovac. „Wir wollen die Mannschaft nach vorne bringen, dazu kann jeder seinen Teil beitragen. Wir werden diejenigen aufstellen und in den Kader nehmen, bei denen wir sagen, dass sie uns in dem Spiel helfen können.“ Als spielerische Stütze war Willems für den Trainer kein Thema.

          Zweitteuerste Verpflichtung der Eintracht-Geschichte

          Vorzüge hat Willems einige, wenn er sie denn anwendet. Der ehemalige holländische Nationalspieler, der bei der EM 2012 zum jüngsten Spieler wurde, der bisher an diesem Wettbewerb teilgenommen hat, ist ein guter Techniker mit einem starken linken Fuß. Seine Pässe können hart und präzise sein. Und genügend Power und Durchsetzungsstärke sollte der athletische Außenbahnspieler eigentlich auch haben. Doch viel zu oft steht sich Willems noch selbst im Weg, weil er im Eifer des Gefechts falsche Entscheidungen trifft und es an der Zielstrebigkeit vermissen lässt. Dann verschleppt er plötzlich das Tempo, spielt zurück, statt nach vorne, oder schlägt einen Haken zu viel. Auf seiner Position müsste Willems außerdem mehr Präsenz und Laufbereitschaft zeigen. Wie er bei den Standardsituationen und seiner Defensivarbeit noch zulegen kann. Und seinen zuletzt gezeigten Hang zur Schwalben sollte er ebenfalls abstellen.

          Willems ist die personifizierte Wundertüte, man weiß nie, ob bei ihm eine Art Geniestreich oder ein Aussetzer kommt. Von der Konstanz auf vernünftigem Niveau, die sein Vorgänger Bastian Oczipka (heute Schalke 04) über viele Jahre hinweg bot, ist der Zugang vom PSV Eindhoven weit entfernt. Fünf bis sechs Millionen Euro ließ sich die Eintracht den bulligen Profi kosten, Willems ist damit die zweitteuerste Verpflichtung der Eintracht-Geschichte. Noch hat sich das Geschäft für den Erstliga-Tabellenneunten nicht ausgezahlt. Und nicht zu vergessen: Die Frankfurter wollen Willems, der nach 18 Spieltagen auf zwei Torvorlagen kommt, irgendwann mit reichlich Gewinn weiterverkaufen. Jenen Spieler, der selbst den Anspruch verfolgt, sich mit starken Leistungen in Frankfurt für einen europäischen Topverein zu empfehlen. Nur momentan ist Willems auf dem falschen Weg.

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          Mit seiner Nichtberücksichtigung und der sportlichen Ohrfeige durch den Trainer steigt der Druck auf ihn. Ersatz für ihn gibt es allemal, mit der Besetzung der linken Seite durch Rechtsverteidiger Timothy Chandler hat Kovac Willems die Breite des Kaders eindrucksvoll vor Augen geführt. Und dessen Ehrgeiz geweckt? Auch für den zweiten Frankfurter Linksverteidiger Taleb Tawatha, der vor der Begegnung mit Adduktorenproblemen kämpfte, fand sich gegen Freiburg kein Platz im Aufgebot. Zum Gewinner wurde so der vielseitige Chandler, der nicht nur wegen seiner Kopfballvorlage zum 1:0 durch Sébastin Haller ein Sonderlob von Kovac erhielt. Fremd fühlte sich Chandler auf der linken Seite nicht. Mit dieser Position ist der 27-Jährige in der amerikanischen Nationalmannschaft vertraut. Jetzt ist er spielend zum Vorbild für den etatmäßgen Linksverteidiger Willems geworden.

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