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Eintracht Frankfurt „Iron Maik“ und das totale Versagen

30.10.2009 ·  Nach dem 0:4 gegen den FC Bayern attestiert sich Eintracht-Verteidiger Maik Franz reumütig die schlechteste Leistung seiner Profi-Laufbahn und bittet um Entschuldigung: „Ich schäme mich dafür.“ Doch die Niederlage lag längst nicht nur an seinem Blackout.

Von Ralf Weitbrecht und Marc Heinrich
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Als sich der rabenschwarze Fußballtag dem Ende neigte und die meisten Zuschauer längst die Stätte der Schmach verlassen hatten, rang der von der Blamage gezeichnete Michael Skibbe mit sich, um die Enttäuschung in richtige Worte zu kleiden. Im Resümee des erstmals seit seinem Dienstantritt im Sommer reichlich geknickt wirkenden Eintracht-Trainers klang nach der 0:4-Lehrvorführung im Achtelfinale gegen den FC Bayern München eine Portion Trotz durch: „Dieser Herkulesaufgabe konnten wir nicht standhalten. Bayern, das ist schon eine geballte Wucht an erstklassigen Spielern.“

Nach dem Aus im finanziell lukrativen Zusatzgeschäft DFB-Pokal fand der Frankfurter Coach in der Rückschau, „dass sich meine Mannschaft nach Kräften aufgebäumt hat, aber die Qualitätsunterschiede waren einfach zu groß“. Es war der vergebliche Versuch, das Unfassbare zu begründen. Den Eindruck, dass sich seine Elf tatsächlich gegen die Blamage gestemmt hatte, konnten nur die wenigsten unter den 51.500 Besuchern bestätigen.

„Wir sind gar nicht ins Spiel reingekommen“

Die Eintracht gegen die Bayern: Dieser vierte Vergleich im Pokalwettbewerb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) markiert einen Tiefpunkt in der noch jungen Skibbe-Ära. Spätestens nach 29 Minuten, als die in jeder Beziehung schnelleren und aktiveren Bayern nach Toren von Miroslav Klose (14., 19.) und Thomas Müller uneinholbar in Führung gegangen waren, war der ungleiche Wettstreit entschieden. Fortan hieß es, das Unheil nicht zu groß werden zu lassen. Immerhin einmal schlugen die Bayern, diesmal durch Luca Toni (52.), noch zu.

Gründe für die Leistung, die im Grunde keine wahr: „Wir sind einfach nicht auf unser normales Niveau gekommen“, sagte Christoph Spycher. Schlimmer noch: „Wir sind gar nicht ins Spiel reingekommen“, analysierte der Kapitän, der nach dem auch in der Höhe verdienten 0:4 von einem „bitteren Kapitel für uns“ sprach. Die Eintracht, die vorab einen „Pokalfight“ versprochen hatte, wurde nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. „Das war heute kein Klassenunterschied, das waren mindestens zwei oder gar drei Klassen Unterschied“, brachte es Pirmin Schwegler auf den Punkt.

„Schlechteste Leistung der Laufbahn“

Desolat war insbesondere die Vorstellung von Maik Franz. Der Innenverteidiger, in den vergangenen Wochen im Bundesligaalltag ein verlässlicher und ordnender Faktor in der Eintracht-Defensive, erlebte gegen die Bayern eine Art persönliches Waterloo. Und am Morgen danach suchte er erst gar nicht nach Ausreden, sondern bat „um Entschuldigung für ein Fußballspiel, das wir uns in ähnlicher Art und Weise nicht mehr erlauben dürfen“. Franz bekam weder Müller noch Toni in den Griff und wurde zu alledem auch vom dritten Münchner Offensivmann Klose ein ums andere Mal genarrt. Der frühere Karlsruher Kapitän, der seit seinem Wechsel vor drei Monaten bislang eigentlich zu den zuverlässigsten Frankfurter Profis zählte, attestierte sich selbst „das totale Versagen“.

Seine Darbietung sei mit das Schlechteste gewesen, was er in seiner knapp zehnjährigen Laufbahn als Fußballspieler zustande gebracht habe: „Ich schäme mich dafür.“ Am Donnerstag verzichtete er auf den Gang zum Kiosk und den Blick ins Internet: „Dass ich der Buhmann bin, das ist doch klar“, sagte er, „da brauche ich keinen Zeitungstext dafür.“ Die Leistung der indisponierten Defensivkraft stand exemplarisch für eine in allen Beziehungen unzulängliche Frankfurter Vorführung. „Wir sind an die Wand gespielt worden. Wir hatten große Erwartungen und geglaubt, einen Kampf bieten zu können, doch das ist uns nie gelungen“, sagte der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. „Die Bayern brauchten uns ja nicht mal den Schneid abkaufen, da wir ja nicht mal dahin gekommen sind, Schneid zu entwickeln.“

Franz nicht alleine schuld

Bruchhagen bemühte sich nach dem Spiel, den Eindruck zu erwecken, zwischen ihm und Skibbe gebe es keinen Dissens. Doch Skibbe sprach nach der vermeintlichen Kritik Bruchhagens am konditionellen Zustand des Teams nach dem 1:2 in München am Samstag abermals von einer „Meinungsverschiedenheit“ zwischen ihm und seinem Vorgesetzten. Die indiskutable Vorstellung im Frankfurter Spiel des Jahres dürfte Skibbes Position in dieser Auseinandersetzung jedoch nicht gestärkt haben. Die Niederlage am Blackout von Franz festzumachen, würde der Sache nicht gerecht werden.

Denn richtig ist auch: Die Umstellung von Skibbe, der Chris wieder aus der Abwehrkette nahm und ins Mittelfeld versetzte, war ein Schachzug, der floppte. Weil der Allrounder als Abräumer vor den Strafraum beordert wurde, fehlte er als kopfballstarker Stratege und Führungspersönlichkeit der Defensive, der gerade beim 0:1 und 0:2 an zentraler Stelle vermisst wurde. „Nach dem knappen Spiel am Samstag haben die Frankfurter wohl geglaubt, sie könnten gegen uns mitspielen. Das war ihr Fehler. Wenn die Eintracht gegen uns mitspielen will, hat sie keine Chance“, sagte Bayern- Manager Uli Hoeneß – und strahlte dabei übers ganze Gesicht. Doch auch als Skibbe nach dem Seitenwechsel den variablen Brasilianer in die hinterste Reihe zurückbeorderte und Nikos Liberopoulos sowie Selim Teber für die unauffälligen Markus Steinhöfer und Martin Fenin aufbot, war nichts mehr zu retten. „Wir können Chris nicht klonen“, sagte Skibbe zu seiner Rechtfertigung. „Wir brauchen ihn im Mittelfeld, und wir brauchen ihn in der Abwehr.“

Im Nachhinein ein Irrglaube

Auf der anderen Seite machte einer wie Bayern-Kapitän Mark van Bommel mehr aus einer ähnlichen Rolle, sagte später Bruchhagen anerkennend. Der Holländer konnte „aus der Schnittstelle im Mittelfeld heraus ungestört in unsere Abwehr spielen“. Die Folge: „Es wurde ein bitterer Abend für Eintracht Frankfurt“, wie der Manager feststellte. „Gerade weil wir den vielen Menschen zeigen wollten, dass wir den Bayern Paroli bieten können.“ Ein Irrglaube, wie sich ganz schnell herausstellte.

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