19.09.2011 · Der neue Angreifer führt die Eintracht zu einem 4:1 gegen Rostock und beschert den Kollegen Gekas und Hoffer schlechte Perspektiven.
Dem „perfekten Abend“, wie Sebastian Rode, das 4:1 am Freitag gegen Hansa Rostock und den ersten Heimsieg in dieser Saison nannte, folgte ein „ruhiges Wochenende, das wir genießen konnten“. Trainer Armin Veh gab der Eintracht am Sonntag trainingsfrei, dafür musste die Frankfurter Mannschaft zuvor eine Extraschicht Öffentlichkeitsarbeit erledigen. Um einen Sponsorenwunsch zu erfüllen, mischte sich das Team, in dem es ausgesprochen viele Anhänger schneller Sportwagen gibt, auf der internationalen Automobilausstellung (IAA) unter die Massen.
Während des Kurzaufenthalts auf der Messe stand ein Mann im Mittelpunkt, der schon am Freitagabend am achten Spieltag der Zweiten Fußball-Bundesliga besonders auf sich aufmerksam gemacht hatte: Mohamadou Idrissou. Dem Kameruner, erst seit knapp zwei Wochen in Diensten der Eintracht, ist durch seine Saisontreffer zwei und drei, eine Vorlage zum 3:0 durch Alexander Meier und einen herausgeholten Strafstoß, den Benjamin Köhler dann jedoch verschoss, ein sportlicher Neuanfang geglückt, der schöner kaum hätte sein können. „Ich freue mich für ihn“, sagte auch Rode, „wir alle gönnen Mo diesen Start bei uns, denn er ist ein super Typ und hilft uns wirklich weiter“. Nach seiner sehenswerten Vorstellung gegen die am Ende überforderten Männer von der Ostseeküste wurde der bei Borussia Mönchengladbach aussortierte Idrissou in der 83. Minute ausgetauscht und mit Ovationen des Publikums verabschiedet. Der Einunddreißigjährige machte vorzeitig für den ebenfalls neuen Kollegen Rob Friend Platz, weil er ein Ziehen im Oberschenkel verspürte und „nichts Schlimmeres riskieren“ wollte, wie er hinterher sagte.
„Beim Warmmachen habe ich vergeblich versucht, mit rechts ein Tor zu schießen“
Beim Bummel über die IAA, bei dem er immer wieder Autogramm- und Fotowünsche bereitwillig erfüllte, war von den Muskelbeschwerden nichts mehr zu spüren. „Es ist schön, dass ich die Fans auf meiner Seite habe. Und ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte“, lautete Idrissous Fazit nach dem geglückten Debüt in der WM-Arena, mit dem er sich bei dem teamintern viel härter gewordenen Wettstreit um die maximal zwei freien Stellen im Angriff bis auf weiteres die besten Karten sicherte. „Wenn Not am Mann ist, spiele ich überall. Aber gekommen bin ich als Stürmer“, sagte Idrissou.
Das bewies er gegen Rostock eindrucksvoll – und zur eigenen Überraschung zweimal mit seinem von ihm selbst als „schwächeren rechten“ bezeichneten Fuß. „Beim Warmmachen habe ich vergeblich versucht, mit rechts ein Tor zu schießen. Es ist schon kurios, dass gleich der erste Versuch im Spiel reinging und dann noch einer in der zweiten Halbzeit“, sagte er. Der Fußball-Globetrotter, der schon bei zehn Klubs unter Vertrag stand und sich zunächst bis kommenden Sommer an die Eintracht gebunden hat, ist jedoch nicht nur als Goalgetter ein Gewinn für die Frankfurter. „Mit seinen langen Beinen kann er viele Bälle holen und absichern, die sonst keiner kriegt“, stellte Kollege Rode anerkennend fest.
Unglaubliches Halbzeitfeuerwerk
Des einen Freud, des anderen Leid: In dem Maße, in dem es Idrissou genoss, im Rampenlicht zu stehen, befinden sich zwei weitere stürmische Mitbewerber im Abseits. Weder Theofanis Gekas noch Erwin Hoffer spielen derzeit in den Planungen von Trainer Veh eine übergeordnete Rolle. Der Schwabe sagte zwar, dass die Saison noch lang sei und er „auf jeden Fall alle vier Angreifer brauche“. Kurzfristig jedoch kann dies keine Beruhigung für den Griechen Gekas und den Österreicher Hoffer sein. Kurzeinsätze sind und bleiben wohl das Gebot der Stunde für die beiden kleingewachsenen, wendigen Stürmer. Auch wenn Veh die Rückkehr zu dem von ihm bevorzugten Kurzpassspiel forcieren will: Die taktische Variante, mit großgewachsenen Angreifern zum Erfolg zu kommen, hat derzeit Konjunktur. Der manchmal ungelenk wirkende Kameruner Idrissou hat sich in letzter Konsequenz sowohl in Cottbus als auch zu Hause gegen Rostock noch immer durchgesetzt, und mit drei Toren in zwei Spielen ist er von der Quote her sogar gefährlicher als Alexander Meier, der sechsmal in acht Spielen getroffen hat.
Pirmin Schwegler ist nicht bekannt dafür, in großem Stil als Torjäger in Erscheinung zu treten. Dafür genießt der Kapitän der Eintracht einen exzellenten Ruf als Stratege. Abräumer, Organisator und Antreiber vor der Abwehr: Diese Rolle behagt dem 24 Jahre alten Eidgenossen – wenn da nicht diese Beschwerden wären. Seit Wochen schon plagen ihn „Irritationen“ im unteren Lendenwirbelbereich. Gegen Rostock reichte es für einen sechzigminütigen Einsatz. „Ich bin schon ein bisschen verzweifelt“, sagte Schwegler später. „Ich habe noch Schmerzen. Auf Dauer ist das kein Zustand.“ Mit welchen zukünftigen Maßnahmen Schwegler der Malaise entscheidend beikommen will, ist noch ungewiss. „Ich werde das mit den Ärzten besprechen.“
Sehr wahrscheinlich werden die Verantwortlichen der Eintracht Frankfurt Fußball AG auch ein Gespräch suchen – mit den Sicherheitskräften in der Arena. Nach dem unglaublichen Halbzeitfeuerwerk, das unbeirrbare Rostocker Fans entzündet hatten und für die sich Trainer Peter Vollmann schämte, wird es nicht nur Strafen gegen Hansa, sondern auch gegen die Eintracht als Ausrichter geben.