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Eintracht Frankfurt Hübner holt Schmidt auf die Schnelle

13.07.2011 ·  Eintracht Frankfurt verpflichtet von Werder Bremen einen neuen Verteidiger, den kaum einer kennt, der noch Nachholbedarf hat und als vielseitige Option erst noch aufgebaut werden soll.

Von Josef Schmitt, Frankfurt
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Mit dieser Wahl hat kaum einer gerechnet, aber seit Dienstag ist sie offiziell: Dominik Schmidt vom SV Werder Bremen ist der achte Neuzugang der Frankfurter Eintracht. Und auch in diesem Fall ist der neue Sportdirektor Bruno Hübner seiner Einkaufsstrategie der vergangenen Wochen treu geblieben, das wirtschaftliche Risiko für den Klub so gering wie möglich zu halten. Der 24 Jahre alte Schmidt hat zunächst nur einen Einjahresvertrag bekommen, zusätzlich wurde allerdings eine zweijährige Option vereinbart – solche oder ähnliche Transfermodelle hatte es schon zuvor bei der personellen Vorbereitung für die neue Saison gegeben.

Weil der Vertrag des Spielers in Bremen am 30. Juni ausgelaufen ist, muss keine Ablösesumme gezahlt werden. „Ich war mit Werder mehr oder weniger klar, habe mich dann aber doch entschieden, einen anderen Weg zu gehen“, sagte Schmidt nach dem ersten Training mit den neuen Kollegen am Dienstag. Er habe von den Problemen in den Vertragsverhandlungen zwischen Werder und dem Spieler gewusst, sagte Hübner, „da habe ich mich eingeschaltet“. Das war am vergangenen Donnerstag, und danach ist dann alles, so Schmidt, „megaschnell“ gegangen.

„Manchmal ist es nicht schlecht ist, einen Schritt rückwärts zu machen“

Zwölf Mal hat er in der vergangenen Saison für die Bremer in der Bundesliga gespielt, dazu zweimal in der Champions League. Gegen die Eintracht war er in der vergangenen Saison nicht im Einsatz – beim 0:0 in Bremen war er nicht im Kader, beim 1:1 in Frankfurt saß er auf der Bank, wurde aber nicht eingewechselt. Dafür spielte er in der vergangenen Saison zwölf Mal für die zweite Mannschaft der Bremer, die am Ende in der dritten Liga Platz 18 unter zwanzig Startern belegte.

Nun also geht er freiwillig in die zweite Liga, „weil es manchmal nicht schlecht ist, einen Schritt rückwärts zu machen“. Bei der Eintracht erhofft sich der 1,87 Meter große Abwehrspieler eine größere Chance auf einen Stammplatz als in Bremen. Und eine schnelle Rückkehr in die Erstklassigkeit. „Ich bin hierher gekommen, um aufzusteigen“, sagte er und machte sich damit das gemeinsame Ziel des gesamten Vereins schnell zu eigen. Sportchef Hübner hat in den Gesprächen seit vergangener Woche ganze Arbeit geleistet und Schmidt vom neuen Arbeitgeber überzeugt. „Frankfurt ist eine tolle Stadt, die Eintracht ein ambitionierter Verein mit einem tollen Stadion“, schwärmte der Mann, der in Zukunft die Nummer 6 auf dem Rücken tragen wird, so wie es sich am ersten Arbeitstag bei einem neuen Arbeitgeber gehört.

„Wenn Russ tatsächlich geht, holen wir noch einen weiteren Innenverteidiger“

Über Stärken und Schwächen sind sich der neue Spieler und sein neuer Trainer einig. Er könne in der Viererabwehrkette jede Position spielen, versicherte Schmidt, „ich habe schon Innenverteidiger und Außenverteidiger gespielt“. Genau wegen dieser Vielseitigkeit hat ihn die Eintracht auch verpflichtet, fehlt es doch in der Verteidigung sowohl innen als auch außen an Alternativen hinter dem aktuellen Stammpersonal. „Er ist ein großes Talent und variabel einsetzbar“, sagte Trainer Armin Veh. Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis Schmidt dieses Talent auch auf der größeren Bühne der Ligaspiele zeigen kann. Der Neue müsse erst einmal fit werden, forderte der Trainer, „er braucht noch ein bisschen Zeit“.

Schmidt hat schon beim ersten Trainingsspielchen gemerkt, dass die Kollegen die Saisonvorbereitung schon fast hinter sich haben, er aber damit gerade erst begonnen hat. „Ich muss noch eine ganze Menge aufholen“, sagte er, die erste Übungsstunde habe er als „ziemlich hart“ empfunden. Für das Auftaktspiel der Saison am kommenden Freitag bei der Spielvereinigung Greuther Fürth kommt Schmidt noch nicht in Frage.

Auch ist er nicht als Ersatzlösung für den erfahrenen Marco Russ gedacht, der möglicherweise noch in der aktuellen Transferperiode – also bis Ende August – zum VfL Wolfsburg in die erste Liga wechseln wird. „Wenn Russ tatsächlich geht, holen wir noch einen weiteren Innenverteidiger“, sagte der Sportdirektor. Abgesehen davon werde es aber keine weiteren Neuzugänge mehr geben. Schmidt gehört genau wie der vom FSV Mainz 05 verpflichtete Stefan Bell zu den Perspektivspielern, die im Laufe der Saison die Chance bekommen sollen, auf sich aufmerksam zu machen. Hübners fast siebenwöchige Einkaufstour ist also erst einmal beendet, nun muss sich der neue Sportchef daranmachen, Spieler zu verkaufen, um den Kader zu verschlanken und die Ausgaben zu reduzieren. Auf der inoffiziellen Verkaufsliste des Vereins stehen mit Habib Bellaid und Nikola Petkovic zwei Spieler, die nach Engagements im Ausland gerade erst wieder zurückgekehrt sind, wegen Verletzungen aber abermals den Anschluss verpasst haben. Im Reha-Training befindet sich auch Georgios Tzavellas. Dem aktuellen griechischen Nationalspieler, in der vergangenen Saison Stammkraft bei der Eintracht auf dem Posten des linken Verteidigers, würde wahrscheinlich auch niemand einen Stein in den Weg legen, würde er einen neuen Arbeitgeber finden. Der Kader für die neue Saison steht also weitgehend – und trotzdem bleibt die Eintracht vermutlich weiter in Bewegung.

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