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Eintracht Frankfurt Halil Altintop - einsam als einzige Spitze

 ·  Beim 1:2 gegen Köln ist Halil Altintop das Symbol für das Auf und Ab bei der Eintracht. Der Neuzugang spielte so unauffällig wie die gesamte Mannschaft.

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Es war schon vor dem 1:2 gegen den 1. FC Köln so, dass Halil Altintop die Eintracht bewegt hat. Dass er für Veränderung stand. Sein Wechsel von Schalke 04 an den Main war so etwas wie ein Bruch in der Frankfurter Transferpolitik. Mit ihm bekam Trainer Michael Skibbe jenen erfahrenen und vermeintlich überdurchschnittlichen Spieler, den er immer schon haben wollte. Und Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der konservative Kassenwart, investierte in zwar nicht genannter, aber sicher beträchtlicher Höhe. Alles wegen Altintop. Auf dem Platz ging es gleich weiter mit der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Der türkische Nationalspieler wurde von Skibbe in die Sturmspitze geschickt, hinter ihm formierte sich die Eintracht auf ganz neue Art – und so, wie es in der Bundesliga an kaum einem anderen Standort der Fall ist. Vier Abwehrspieler, ein defensiver Mittelfeldspieler, vier offensive und ein Stürmer: Ein solches 4-1-4-1 war als Taktik bisher nicht mehrheitsfähig. Weder in Frankfurt noch in der gesamten Bundesliga.

Wie einsam man als einzige Spitze in dieser Formation sein kann, davon kann Altintop jetzt eine längere Geschichte erzählen. Sie handelt vom vergeblichen Warten, von vielen hohen Bällen, die über einen hinwegfliegen, ohne dass man sie berühren dürfte – und vom persönlichen Misserfolg im ersten Spiel für eine neue Mannschaft. „Klar bin ich enttäuscht“, sagte der Neue bei der Eintracht. Wie hätte er auch zufrieden sein können mit einer Partie, in der er eine Art Symbol für das Auf und Ab bei der Eintracht war? Etwa eine Stunde lang war Altintop auf dem Platz und doch nicht bei der Sache. Er war so schlecht, im besten Fall so unauffällig wie die gesamte Mannschaft. Erst danach kam er ansatzweise in Schwung, fand Sicherheit und deutete an, dass er die Eintracht verstärken kann. Ihn ärgerte diese durchwachsene Bilanz, aber er allein konnte daran nichts ändern. Auch Trainer Skibbe wusste das. „Als Stürmer bist du nur dann integriert, wenn du viele gute Zuspiele bekommst“, sagte er. „Wenn nicht, hängst du in der Luft.“Genau so war es Altintop ergangen. Weshalb Skibbe in aller Nachsicht ergänzte: „In der ersten Halbzeit hat er in unserer Offensive genauso wenig stattfinden können wie andere Spieler auch. In der zweiten Halbzeit wurde das viel besser.“

Der Angreifer war nicht der einzige, der sich wieder finden muss

Richtig gut war es aber nie. Das lag sicher auch daran, dass Altintop auf die Schnelle umlernen musste. Zumindest beim FC Schalke war er kein sogenannter Stoßstürmer. Wenn er spielte – was selten vorkam –, dann auf einer Außenposition, nicht aber im Angriffszentrum, das mit Kevin Kuranyi besetzt und für ihn selbst Sperrgebiet war. In seiner letzten Partie unter Trainer Felix Magath wurde Altintop am 15. Spieltag beim Heimspiel gegen Berlin in der zweiten Halbzeit ein- und wieder ausgewechselt. Wer eine solche Degradierung hinter sich hat, wird sich nicht so fühlen, als könnte er bei einem neuen Verein aus dem Stand Bäume ausreißen. Das zeigte sich gegen die unbequemen, weil entschlossen defensiv spielenden Kölner auch an Kleinigkeiten. Dass Altintop nach einer guten halben Stunde unbedrängt und in aller Ruhe eine Flanke von der rechten Seite weit hinter die Torlinie beförderte, ist bei ihm sicher nicht der Standard. Das gilt auch für seine erste sehenswerte Aktion – die ihm erst nach geschlagenen siebzig Minuten bei einem netten, wenn auch folgenlosen Dribbling gelang. Später folgte noch eine Szene, bei der er nur ein wenig zu spät kam, um zu treffen. Bruchhagen fand seine Leistung „durchwachsen“. So oder so, Altintop wird Zeit brauchen. Und Skibbe wird sie ihm geben.

Der Angreifer war nicht der einzige, der sich wieder finden muss. Das gilt auch für das neue zentrale Mittelfeld der Eintracht, also für die Spieler Alexander Meier und Nikos Liberopoulos. Beide sind es gewöhnt, miteinander in einer Mannschaft zu spielen – allerdings nicht so nah beieinander. Bis zur Verpflichtung Altintops war Liberopoulos die einzige Spitze, die von Meier, eine Art „freier Künstler“ zwischen Mittelfeld und Angriff, unterstützt wurde. Gegen Köln spielten beide nebeneinander und miteinander Meiers alte Rolle, und das war nicht zum Besten für sie oder ihre Mannschaft. Es war Altintops Problem und das der Eintracht insgesamt, dass die neue Formation eine Stunde lang nicht funktionierte und erst danach in Schwung kam und Torchancen erspielte – zumal Pirmin Schwegler verletzt fehlte. Der Schweizer überzeugte in dieser Saison wie kaum ein anderer Spieler seiner Mannschaft, und dass er kaum zu ersetzen ist, zeigte das Spiel gegen Köln. Es fehlte jedenfalls einiges. Und zwar etwas, das entscheidender war als die beiden Abwehrfehler von Marco Russ, der beim 0:1 durch Maniche (59. Minute) schlecht verteidigte und beim 1:2 (84.) ins eigene Tor traf. Die Frage war nur, wie man diesen Mangel beschrieb. „Uns fehlte die Schnelligkeit und die Geradlinigkeit im Mittelfeld“, sagte Skibbe. Bruchhagen vermisste, auf den selben Mannschaftsteil angesprochen, die „Homogenität“. Was sie jeweils meinten: So funktioniert es noch nicht. Am nächsten Sonntag bei Borussia Dortmund soll das anders ein. „Es muss uns dort gelingen, gradlinig und gut Fußball zu spielen“, sagte Skibbe. Mit anderen Worten: anders als gegen den 1. FC Köln.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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