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Eintracht Frankfurt Härte gegen den harten Kern

20.07.2011 ·  Die Eintracht stellt Regeln auf, die sich gegen gewaltbereite Anhänger richten und deren Einhaltung scharf überwacht werden soll.

Von Marc Heinrich, Frankfurt
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Die Geduld ist am Ende. Der Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG hat am Dienstag einen Verhaltenskodex veröffentlicht, mit dem die Minderheit der gewaltbereiten Anhänger des Zweitligaklubs endlich dazu gezwungen werden soll, sich künftig an die „Spielregeln des normalen Umgangs und Miteinanders zu halten“, wie es Heribert Bruchhagen formulierte. Der Vorsitzende präsentierte gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Lötzbeier, in dessen Aufgabengebiet die Betreuung der Anhänger fällt, und Manager Bruno Hübner einen Verhaltenskodex, der von ihnen als „Liste der Selbstverständlichkeiten“ bezeichnet wurde. Der Benimmkatalog umfasst acht Punkte. Sollten trotzdem weiter Verfehlungen vorkommen, würden sie mit neuer Härte verfolgt, wobei in erster Linie Stadionverbote und Schadenersatzklagen in Frage kommen. Ein dreiköpfiges Gremium aus Mitgliedern der Unternehmenssicherheit, der Rechtsabteilung und der Fanbetreuung werde gegebenenfalls Sanktionsvorschläge entwerfen, konkretisierte Fanbeauftragter Marc Francis, die dem Vorstand dann zum Beschluss vorgelegt würden. Es werde „immer eine Einzelfallprüfung vorgenommen“ und nie – wie bei anderen Klubs geschehen – eine Kollektivbestrafung vielköpfiger Gruppen geben.

Vorläufiger Negativhöhepunkt in einer langen Reihe von Ausschreitungen bildete die Randale vom zweiten Mai-Wochenende, als der Abstieg aus der ersten Liga nach einem 0:2 gegen den 1. FC Köln so gut wie fest stand: Damals stürmten rund achtzig Chaoten den Rasen der WM-Arena und konnten erst durch eine Hundertschaft Bereitschaftspolizisten gestoppt werden. Eine Woche später beim Saisonausklang, als der Gang in die Zweitklassigkeit durch eine 1:3-Niederlage in Dortmund besiegelt wurde, feierten sich Rowdys im Frankfurter Tribünen-Block auf einem Plakaten als „Deutscher Randalemeister 2011“. Dieser Slogan, so mutmaßte Bruchhagen, „schadet uns in fünf Jahren noch“. Zuvor war es nach dem Derby gegen Mainz zu einem schwerwiegenden Vorfall gekommen, als eine kleine Gruppe Eintracht-Sympathisanten nach der Rückkehr in Frankfurt den Teambus attackierte und dabei auch mit Übergriffen gegen Ordnungshüter drohten, so dass ein Zivilbeamter zur Abschreckung mit seiner Waffe in die Luft schoss. „Diese Problematik hält uns nun schon so lange in Atem“, sagte Bruchhagen, „und sie nahm zuletzt ständig zu.“ Der 62-Jährige, der bei seinen Ausführungen seine Empörung über die Fehltritte einiger Unbelehrbarer kaum verbergen konnte, sprach von „einer Jugendbewegung, wo bei Teilen eine gewisse Lust am Untergang zu spüren ist“. Bruchhagen sagte, dass er sich auch um den drohenden Imageverlust bei Sponsoren sorge.

Kein „Vertragsangebot“

Zuletzt hatte Mainova-Vorstandsvorsitzender Constantin Alsheimer Stellung bezogen, dass sein Unternehmen alles andere als angetan sei von der Entwicklung und genau verfolge, wie sich das Klima rund um die Eintracht-Spiele entwickle. Vor allem der Gewalt auf den Tribünen sagten die Frankfurter den Kampf an: „Wer so etwas macht, den wollen wir nicht haben, den werden wir nach allen Regeln der Kunst ausschließen“, sagte Lötzbeier. Er sprach von einem harten Kern von bis zu 150 Hooligans, der ihm Kopfzerbrechen bereiteten und aus dessen Mitte es auch immer wieder zum Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen kommt. Wobei er „zum Dialog nach wie vor keine Alternative sieht“, denn „reine Hardlinerkonzepte sind nicht automatisch die richtige Wahl“. Besonders durch das Erscheinen einer neuen Generation radikaler Teenager auf den Stehrängen habe sich die Atmosphäre verschlechtert: „Ich vergleiche das gerne mit einem Rudel Wölfe“, sagte Lötzbeier, „die Jungen, die momentan verstärkt nachkommen, lassen sich von den erfahrenen Fans nicht mehr führen und versuchen die Alten wegzubeißen.“

Der Verein reagiert mit dem Acht-Punkte-Plan auch auf Kritik von Helmut Spahn, dem Sicherheitsbeauftragten des Deutschen Fußball-Bundes. Er hatte bei der Eintracht zuletzt die nötige Konsequenz im Vorgehen gegen Problemfans vermisst. Auch beim sogenannten Freundschaftsspiel in Bern Anfang Juli fielen einige mitgereiste Übeltäter aus der Reihe. „Ich kann doch nicht jede Partie in einem Hochsicherheitstrakt austragen“, sagte Bruchhagen, „oder Bodyguards mitschicken.“ Dass Teilen der Fans die zunehmende Vermarktung des Fußballs ein Dorn im Auge ist, und sich daran ihr Protest entzündet, ist ihm bewusst. Er sagte dazu aber klar: „Wir wollen den Profifußball und dazu gehört der Kommerz, sonst sind wir nicht konkurrenzfähig“. Und weiter: „Wer das nicht mittragen kann, der muss nicht mehr unser Gast sein.“

Der nun beschlossene Maßnahmenkatalog sei im übrigen kein „Vertragsangebot“, das einer Zustimmung oder Erklärung der Fangruppen bedürfe, stellte der Vorstand klar, sondern es handele sich „um eine klare und einseitige Vorgabe von Regeln“, die es für alle ohne Ausnahme zu beachten gelte: „Verstöße ziehen unmittelbar Strafen nach sich.“

Eine Liste der Selbstverständlichkeiten:
Keine Gewalt gegen Personen oder Sachen - weder im Stadion, noch im Stadionumfeld. Nicht auf der An- oder Abreise, weder bei Heim- noch bei Auswärtsspielen.
Keine Pyrotechnik.
Keine Angriffe auf gegnerische Fans.
Kein Stehlen von Bannern oder Fahnen gegnerischer Fans.
Keine Gewalt verherrlichenden Spruchbänder.
Kein Werfen von Gegenständen auf das Spielfeld.
Zuverlässiges Einhalten von Absprachen, die mit Eintracht Frankfurt oder dem Stadionbetreiber getroffen wurden.
Zentrale Anmeldung von Fanutensilien bei Auswärtsspielen. Das Verteilen von Flyern, Spenden- oder Sammelaktionen auf dem Stadiongelände ist genehmigungspflichtig.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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