14.01.2009 · Die Vertragsverlängerung mit dem Trainer entwickelt sich endgültig zum Tauziehen zwischen Vorstandschef Bruchhagen und dem Aufsichtsrat der Eintracht. Im Trainingslager bleibt die Einigung aus. Bis zur nächsten Woche sollen aber Fakten geschaffen werden.
Von Ralf WeitbrechtDie Gesprächsrunden dauern an. Trainer Friedhelm Funkel und Vorstandschef Heribert Bruchhagen sind bemüht, am Ende ihres Austauschs, „der sich noch etwas hinziehen wird“, ein Ergebnis zu verkünden, das möglicherweise einen neuen Arbeitsvertrag des Eintracht-Coachs zum Inhalt hat. Wie in all den vergangenen Jahren der konstruktiven Zusammenarbeit auch soll dies „unaufgeregt und harmonisch erfolgen“, sagte Bruchhagen am Dienstag im Wintertrainingslager an der portugiesischen Algarve in Vale do Lobo. „Unter der Voraussetzung, dass Funkel und ich einen Konsens finden, werden wir einen Vorstandsbeschluss herbeiführen. In der Vergangenheit ist dies stets einmütig geschehen; die Inhalte werden dann dem Aufsichtsrat mitgeteilt, der sich damit auseinandersetzt.“ Spätestens „in der nächsten Woche“ solle dies geschehen.
Gut möglich, dass es auch diesmal so laufen könnte. Auf dem Weg dorthin aber muss Bruchhagen den Kreis seiner Gesprächsteilnehmer erweitern. „Man sucht den Dialog mit dem Aufsichtsrat“, sagte er. „Es wäre ja geradezu dumm und töricht“, so Bruchhagen am verregneten Vormittag, „wenn wir das im Vorstand einfach so beschließen würden. Das wäre nicht zeitgemäß. Zeitgemäß sind Kommunikation und Überzeugung.“
Einschnitte
Das öffentliche Eingeständnis, Überzeugungsarbeit leisten zu müssen, um die im Sommer 2004 eingeleitete Zusammenarbeit mit Funkel über das Saisonende hinaus fortführen zu können, ist neu. Doch Bruchhagen ist sich der Rückendeckung der Räte sicher. „Eine Gegnerschaft ist nicht auszumachen. In den vergangenen fünf Jahren ist nicht eine einzige Entscheidung des Vorstands abgelehnt worden.“ Dass sich Funkel in zumeist sportlich schwierigen Zeiten immer wieder kritische Töne eben aus Kreisen des Aufsichtsrates anhören musste, findet der 55 Jahre alte Coach „nicht verwerflich. Das ist nicht unnormal. Fußball ist Volkssport Nummer eins, und die Aufgabe eines Trainers ist es, sich von anderen Meinungen nicht beeinflussen zu lassen, sondern vielmehr seinen eigenen Weg zu gehen.“ Er bestätigte, dass er gemeinsam mit Bruchhagen in „guten Gesprächen“ sei. „Dabei geht es von meiner Seite auch darum: Was muss verändert werden, was kann bleiben? Warten wir doch einfach mal ab.“
Ohne näher auf Details eingehen zu wollen, stehen zumindest finanzielle Unwägbarkeiten in mittelbarem Zusammenhang mit den Vertragsgesprächen. So bestätigte Bruchhagen, dass es in der kommenden Saison wegen der allgemeinen Wirtschaftslage zu Einschnitten kommen werde. „Ich bin sicher, dass wir Etatkürzungen in Höhe von zumindest einer Million Euro vornehmen werden“, sagte der Vorstandschef. „Das steht schon jetzt fest. Zudem wird es weniger Fernsehgelder geben.“ Aktuell plant Finanzvorstand Thomas Pröckl mit einem Jahresumsatz von 68 Millionen Euro; 26 Millionen stehen für den Lizenzspielerkader zur Verfügung.
Ansprechende Leistung
Seitdem Funkel und Bruchhagen gemeinsame Sache machen, ist es mit der Eintracht stetig vorangegangen. Diesen Sachverhalt hob der Manager am Dienstag besonders hervor. „Sportlich haben wir uns weiterentwickelt, und wirtschaftlich haben wir uns erheblich verbessert.“ Funkel schlug in die gleiche Kerbe und stellte als vorläufiges Fazit seines bisherigen Wirkens heraus, „dass Eintracht Frankfurt in der Bundesliga etabliert ist. Für alles, was jetzt noch kommen kann, sind wir im Dialog. Ich werde völlig unaufgeregt die nächsten Tage angehen.“ Ebenso dezent schreitet auch die Suche nach einem Innenverteidiger voran. „Bernd Hölzenbein, Friedhelm Funkel und andere sind aktiv“, bestätigte Bruchhagen die bekannten Bestrebungen des Vereins, dem Wunsch des Trainers nach einer Neuverpflichtung in der Abwehr („Ich hätte sonst größere Bauchschmerzen“) zu entsprechen. Falls es sich dabei um jemanden handeln sollte, der auch als linker Verteidiger eingesetzt werden kann, wäre dies umso schöner, urteilte der Manager.
Egal, wer das Anforderungsprofil der Eintracht erfüllen sollte: „Er muss klar besser als Vasoski und die anderen sein, die schon bei uns sind.“ Der angesprochene Aleksandar Vasoski übrigens ist aktuell auf einem guten Weg, an alte Formzustände anzuknüpfen. Erzielte Vasoski noch beim 4:1 im ersten Testspiel in Portugal gegen Rot-Weiß Oberhausen einen Treffer, so zeigte der Mazedonier trotz des 2:3 gegen den starken zweitklassigen Rivalen FC Augsburg abermals eine ansprechende Leistung. Die Eintracht, für die Martin Fenin (45.) und Leonard Kweuke (78.) bei den Gegentreffern von Imre Szabics (13.), Francis Kioyo (60.) und Stefan Hain (73.,) erfolgreich waren, bezog gegen die Schwaben in ihrem zweiten Test auf portugiesischem Boden eine verdiente Niederlage. „Der FC war frischer“, sagte Eintracht-Trainer Funkel. „Das verwundert nicht. Sie sind am Anfang eines Trainingslagers, wir am Ende.“
Bruchhagen: „Die richtige Entscheidung treffen“
Ein Sieg, eine Niederlage: Funkel sieht die Eintracht am Ende der Arbeitswoche an der Algarve vor allem konditionell im Soll. Doch im Vordergrund steht weiterhin die Frage, von wem sie zukünftig angeleitet wird. Bruchhagen hat am Dienstag versprochen: „Wir werden für Eintracht Frankfurt die richtige Entscheidung treffen. Davon bin ich überzeugt.“