12.07.2008 · Vier Wochen noch. Spätestens dann muss die Bundesliga-Mannschaft der Frankfurter Eintracht stehen. Vielleicht hat Friedhelm Funkel sie ja schon im Kopf. Derweil will sich Neuzugang Bellaid noch für die Verteidigung empfehlen.
Von Ralf WeitbrechtVier Wochen noch. Spätestens dann muss die Mannschaft stehen. Vielleicht hat Friedhelm Funkel sie ja schon im Kopf – trotz des betrüblichen Ausfalls von Ümit Korkmaz (Eintracht-Neuzugang Korkmaz erleidet Fußbruch). Preisgeben würde der Trainer der Frankfurter Eintracht die elf Auserwählten aber jetzt noch nicht. Der erfahrenste Bundesligatrainer will schließlich die Spannung hochhalten. Trotzdem verteilt er schon während des Aufenthalts in den Zillertaler Bergen Lob. Adressat ist Habib Bellaid.
„Ein schneller Mann mit einer guten Ballbehandlung“, sagt Funkel. Schnell ist es auch gegangen, als es darum ging, den seit Monaten unter Beobachtung stehenden Franzosen nach Frankfurt zu locken. Am 4. Juli unterzeichnete der Verteidiger des französischen Erstliga-Absteigers Racing Straßburg einen Vierjahresvertrag. Statt der angebotenen 1,5 Millionen Euro Ablöse sind letztlich 2,5 Millionen Euro fällig geworden, doch die Eintracht-Verantwortlichen sind guter Dinge, dass sich diese Investition rechnet. Gemeinsam mit Marco Russ, einem direkten Konkurrenten um die zwei Plätze in der Innenverteidigung, teilt sich Habib Bellaid in Zell ein Zimmer. Zufall? Absicht? Man unterhält sich auf Englisch, doch der Franzose kann auch spanisch parlieren. „Ich habe das noch zusätzlich an der Schule gelernt.“
„Ich bin in einem Getto aufgewachsen“
Überhaupt: Der 22 Jahre alte Bellaid vermittelt den Eindruck, als sei vieles in seinem Leben die Frucht eines Plans. Weil das Traumziel, Pilot zu werden, nicht zu verwirklichen war, setzte der im Pariser Problemviertel Bobigny aufgewachsene Sohn eines Tunesiers und einer Algerierin voll auf die Karte Fußball. „Ich bin in einem Getto aufgewachsen, und mit dreizehn war klar: Ich muss Fußballer werden.“ 700 junge Talente bewarben sich damals an der berühmten Pariser Fußballschule in Clairefontaine, 24 wurden genommen, einer war Bellaid. Dass vor ihm schon Zinedine Zidane, Thierry Henry und David Trezeguet Absolventen dieser Eliteakademie waren, macht Bellaid noch heute stolz. „Diese Zeit damals war ein Traum für mich“, sagt er im Gespräch im Zeller Mannschaftshotel, bei dem der Französisch sprechende U-17-Spieler Juvhel Tsoumou als Übersetzer hilft.
Red Star Paris, Clairefontaine, Racing Straßburg – und nun Frankfurt: Es waren vor allem seine guten Freunde Gaetan Krebs (Hannover 96), Karim Haggui (Bayer 04 Leverkusen) und Ricardo Faty (zuletzt Leverkusen, jetzt FC Nantes), die ihm empfohlen hatten, in die Bundesliga zu gehen. „Sie haben gesagt: Geh nach Deutschland, das ist eine der besten Ligen der Welt.“ Um den Anforderungen in dieser gelobten Spielklasse gerecht zu werden, spult Bellaid klaglos das Frankfurter Vorbereitungsprogramm herunter. Dabei profitiert er von den Grundlagen, die er zuvor bei Racing gelegt hat: Bellaid hatte mit Straßburg im Juni schon ein Sommertrainingslager absolviert. Bei den von der Pulsuhr vorgegebenen Laufgeschwindigkeiten hält Bellaid ebenso problemlos stand wie Patrick Ochs oder Chris.
Flexibilität des Frankfurter Kaders
Gerade der Brasilianer Chris, der sich in einer glänzenden körperlichen Verfassung präsentiert, scheint im Zillertal wie ein Uhrwerk zu laufen. Gemeinsam mit Bellaid, Russ und dem in der nächsten Woche zurückkehrenden Aaron Galindo ist Chris einer von vier Bewerbern für die zwei freien Posten in der Innenverteidigung. Was für die Flexibilität des Frankfurter Kaders spricht: Russ und Chris können auch vor der Abwehrkette auf der sogenannten Sechser-Position als kreative Abräumer spielen. Bellaid setzt voll darauf, sich einen der begehrten zwei Verteidigerplätze zu erobern. Dafür bietet er sich in den Trainingseinheiten im Zillertal an, und dafür macht er auch abseits des Platzes bei teambildenden Maßnahmen eine gute Figur. Als er die Frankfurter Reporter bei der Schussfahrt zurück zum Mannschaftshotel entdeckt, beendet Bellaid den kräftezehrenden Mountainbikeausflug am Kreuzjoch mit einem freudigen Winken.