27.07.2010 · Ein Bericht aus dem Reich der Zahlen bei Eintracht Frankfurt. Der Finanzvorstand Thomas Pröckl erzählt vom Möglichen und vom Unmöglichen bei solidem Haushalten.
Von Uwe Marx, FrankfurtEin Gespräch über Eintracht Frankfurt, etwas über eine Stunde lang, aber es fällt kein Spielername oder der des Trainers. Wir sind im Reich der Zahlen, und Thomas Pröckl führt hinein. Das Vorstandsmitglied der Eintracht Frankfurt Fußball AG, zuständig für die Finanzen, berichtet: über die abgelaufene Saison in der Bundesliga und die bevorstehende, über Umsätze, Ausgaben für den Profikader, Gewinne, Verluste, Eigenkapital. Es sind die Zahlen, die hinter einem zehnten Tabellenplatz stehen, der in der vergangenen Spielzeit in der Bundesliga erreicht wurde. Oder für die Grenzen des Wachstums, sportlich wie finanziell. Pröckl berichtet über einen gesunden Verein. Die Eintracht erzielt einen ordentlichen Umsatz, sie kann sich teure Spieler leisten, sie ist schuldenfrei, kann Verluste aus eigenen Mitteln ausgleichen und hat sich auf wichtigen Feldern besser entwickelt als die meisten Vereine der Liga. Pröckl bekräftigt aber auch, was seit langem bekannt ist: „Wir stoßen an unsere Grenzen.“
Diese Grenzen lassen sich präzise benennen. Vereine, die sich zum Ende der nächsten Saison in der Bundesliga zwischen Platz sieben und zwölf bewegen, werden nach Pröckls Schätzungen im Schnitt einen Umsatz von über 100 Millionen Euro haben – die Eintracht liegt bei knapp, aber konstant unter der 70-Millionen-Grenze. Zuletzt waren es 66 Millionen. Für ihre Spieler können diese Vereine etwas über 40 Millionen Euro aufwenden – die Eintracht rechnet mit 27 Millionen Euro. Das sind Unterschiede, die sich an Tabellenpositionen ablesen lassen. Meistens jedenfalls. Und ganz sicher auf längere Sicht.
Besser entwickelt als der Durchschnitt der anderen Vereine
In der vergangenen Saison gab die AG sogar 29 Millionen Euro für ihre Spieler aus, und Pröckl deutete an, dass dies ein Kraftakt gewesen sei, verursacht durch teure Transfers und die Verlängerung von Verträgen. Die Eintracht, ein Arbeitgeber mit 57 Vollzeit- und 56 Teilzeitstellen, stehe aber auch für Kennzahlen, die sie von der Mehrheit in der Liga abheben, sagte Pröckl. Sie sei zum Beispiel die einzige AG, die ihrem Mutterverein, die den Aktionären ganz allgemein zuletzt eine Dividende gezahlt habe. Mit Eigenkapital in Höhe von knapp 16 Millionen Euro belege die Eintracht außerdem geschätzt Platz sieben bis acht in der Tabelle. Gäbe es einen Stresstest für Vereine, so wie zuletzt für Banken, dann müsste sich um Frankfurt niemand sorgen. Zumal der Verein auch in der Kategorie Besucher pro Heimspiel konkurrenzfähig sei. Knapp unter 50.000 Zuschauer, das ist nach Pröckls Rechnungen Platz sechs in der Liga.
Die Eintracht habe sich in den vergangenen zehn Jahren, so alt ist die Fußball AG inzwischen, alles in allem besser entwickelt als der Durchschnitt der Bundesligavereine. „Dabei ist es schwieriger geworden, gut zu wirtschaften“, sagte Pröckl. Für das nächste Jahr wird mit einem Verlust von etwa einer Million Euro gerechnet. Wird es ein bisschen mehr, wäre das auch nicht schlimm. Die Eintracht kann ihre Schulden locker begleichen. Alle diese guten Nachrichten hatte Pröckl in eine akkurate Mappe gepackt, aber er weiß natürlich, dass eine solche Lektüre nicht jeden Anhänger interessiert. Hier gilt bisweilen, die Risikobereitschaft betreffend: Es darf ruhig ein bisschen mehr sein. Er wie auch der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen müssen oft mahnen: langsam wachsen, solide wirtschaften, kleine Schritte machen – was ihnen das Etikett der Sparkommissare und Spaßbremsen sichert, den stabilen Verhältnissen zum Trotz.
Wunschmannschaft - aber an die Belastungsgrenze gegangen
Am Ende aber bleibe es bei den Grenzen. Aus siebzehn Bundesligaheimspielen pro Saison könne die Eintracht auf unterschiedliche Art Geld machen, aus mehr eben nicht. Und eine Werbebande im Stadion komme auch nur auf sechzehn Umdrehungen pro Spiel, was die Vermarktung schon aus technischen Gründen limitiere. Was bleibt, sind mögliche Mehreinnahmen durch außergewöhnliche Transfererlöse, durch großen Erfolg im deutschen Fußballpokal oder durch das Erreichen des Europapokals. Es sind theoretische Größen. Planen kann man damit nicht.
Pröckl wirkte sehr zufrieden, als er sagte, man habe dem Trainer für die nächste Saison „seine Wunschmannschaft gegeben“ – auch wenn der Verein dabei „an seine Belastungsgrenze“ gegangen sei. Schon in der vergangene Spielzeit habe man viele Wünsche erfüllt, und „in diesem Jahr noch mehr“. Sollte heißen: Wir haben alles Mögliche getan, mehr ist nicht drin, will man seiner finanziellen Linie treu bleiben. Bei Thomas Pröckl gibt es daran keinen Zweifel.
Interessant
Manuel Lämmer (heissklebepistole)
- 27.07.2010, 13:19 Uhr
sehr gute Arbeit
Jan Tamtam (janontour)
- 28.07.2010, 12:07 Uhr