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Eintracht Frankfurt Gesäßtritte im Wolkenkuckucksheim

26.09.2008 ·  Wer Friedhelm Funkel in diesen Tagen beobachtet, sieht einen entspannten Mann, der von einer Krise nichts wissen will. Derweil lenkt Eintracht-Präsident Peter Fischer vor dem Spiel gegen Bielefeld den kritischen Blick vor allem auf die Spieler.

Von Ralf Weitbrecht
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Pfiffe und Unmutsbekundungen gegen Friedhelm Funkel? „Die sind absolut in der Minderzahl“, sagt der Trainer der Frankfurter Eintracht, der im Gegenteil eine Welle der Sympathie gespürt haben will, die ihm seit dem Aus im DFB-Pokal und der angeblich schlechten Stimmung, die rund um die Eintracht herrschen soll, entgegenschlägt. „Auf der Fressgass‘, wo ich abends mit Freunden entspannt gegessen habe, habe ich nur aufmunternde Worte zu hören bekommen. Und egal, wo ich in der Stadt bin, rufen mir die Leute zu: Lassen Sie sich nicht beirren, Sie sind auf dem richtigen Weg. Das tut mir richtig gut.“

Wer Funkel in diesen Tagen beobachtet, sieht einen entspannten Mann, der von einer (Ergebnis-)Krise bei der Eintracht nichts wissen will. Immerhin: Auch bei dem Frankfurter Cheftrainer, der mit seiner Mannschaft im Ligaalltag – auch wegen eines weniger absolvierten Spiels – auf dem vorletzten Platz steht, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Kurskorrektur vonnöten ist. „Wir wissen, dass wir das Spiel gewinnen sollten“, sagt er zur Einstimmung auf die wegweisende Heimbegegnung an diesem Sonntag (17 Uhr) gegen Arminia Bielefeld.

„Gegen Bielefeld muss ein Dreier her - so oder so“

Auch diesmal werden es seine Spieler sein, auf deren Schultern die Hauptlast ruht. Jenen Profis, die am Dienstag noch trotz Überlegenheit nicht in der Lage gewesen sind, den Zweitligaklub FC Hansa Rostock entscheidend und nachhaltig zu treffen. Den aktuellen Zustand seiner Truppe schätzt Funkel nach den Eindrücken der vergangenen Übungseinheiten erwartungsgemäß gut ein. „Meine Mannschaft trainiert sehr konzentriert. So, wie ich es von ihr gewohnt bin.“

Dass guten Worten auch gute Taten folgen müssen, ist jedem bewusst, der am Sonntag gegen den Tabellenzwölften, der aktuell drei Punkte mehr gesammelt hat, für die Eintracht Verantwortung trägt. Christoph Spycher, derzeit der Kapitän der Frankfurter Fußballprofis, sagt eindeutig: „Das ist ein ganz wichtiges Spiel für uns. Wir dürfen uns vom Umfeld nicht aus der Ruhe bringen lassen. Gegen Bielefeld muss ein Dreier her – so oder so. Wir müssen als Einheit auftreten und noch mehr zusammenrücken.“ Die „Riesenenttäuschung“ nach der niederschmetternden Niederlage gegen Rostock sei mittlerweile verarbeitet und vergessen. „Jetzt sind alle Spieler gefordert“, sagt der Schweizer, der anders als sein Trainer eine „größere Nervosität und eine größere Anspannung“ verspürt. Vielleicht auch deshalb, weil erstmals in dieser Saison am vergangenen Dienstag eine zum Teil vergiftete Atmosphäre in der Frankfurter Arena geherrscht hat. „Die Mechanismen des Geschäfts greifen“, sagt Linksverteidiger Spycher. „Fußball ist so schnelllebig. Da wird sehr schnell vergessen, was war.“

Patrick Ochs hat nicht vergessen, wie das noch vor ein paar Jahren am einst darniederliegenden Standort gewesen ist und zu zweitklassigen Zeiten eine überschaubare Zahl von Zuschauern zur Eintracht gekommen ist. In einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ hat der flinke Verteidiger jetzt eine Lanze für seinen Coach gebrochen. „Diese Leute sollten froh sein, dass Funkel hier Trainer ist. Er hat das hier alles aufgebaut, er hat uns nach oben geführt. Das alles ist sein Verdienst. Und das muss man mal so klar sagen.“

Ochs erleidet Beckenprellung

Allzugerne würde Ochs auch spielerisch ein klares Bekenntnis pro Funkel abgeben. Doch derzeit steht noch nicht fest, ob der 24 Jahre alte Frankfurter der Eintracht im „Schlüsselspiel“ (Vorstandschef Heribert Bruchhagen) gegen Bielefeld zur Verfügung steht. Seitdem er sich in der Partie gegen Rostock eine Beckenprellung zugezogen hat, konnte er nicht im Kreis der Kollegen trainieren, sondern hält sich laufend mit Rehatrainer Michael Fabacher und den weiteren Rekonvaleszenten Ioannis Amanatidis, Aleksandar Vasoski und Ümit Korkmaz fit. „Er macht aber schon deutliche Fortschritte“, hat Funkel festgestellt. „Ich habe die Hoffnung auf weitere deutliche Fortschritte, dann könnte er am Sonntag spielen.“

Dafür geht der Frankfurter Trainer schon jetzt davon aus, für Alexander Meier einen Ersatz zu finden. Am Freitagvormittag verabschiedete sich der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler nach einer knappen Stunde Trainingsarbeit und fuhr zum Arzt. Wieder plagten ihn Schmerzen oberhalb des Knies, „und weil ich Alex schon lange kenne, ist es für mich absehbar, dass er nicht spielen kann“, sagt Funkel. Meier also wird gegen Bielefeld fehlen – und Peter Fischer auch. Der Präsident des Muttervereins, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter und Aufsichtsratsmitglied Axel Hellmann nach Aserbaidschan geflogen ist, um „fußballerische Entwicklungshilfe zu leisten“, ist sogar ganz froh, ein wenig Abstand nehmen zu können. Er ist im übrigen von Funkels bisherigem Tun völlig überzeugt.

„Wenn ich Trainer wäre, dann hätte ich gegen Rostock alles genauso gemacht. Ich hätte genauso aufgestellt, dieselbe Taktik gewählt, genauso ausgewechselt. Funkel hat alles richtig gemacht“, sagte Fischer vor dem Abflug. „Es ist mir auch zu einfach, die Schuld immer sofort beim Trainer zu suchen. Mir stinkt vielmehr, dass die Spieler noch so glimpflich davonkommen. Die sollten sich mal selbst in den Hintern treten. Sie haben ein fünf Sterne de luxe Leben, sie leben in einem Wolkenkuckucksheim. Aber jetzt muss was zurückkommen.“ Der Termin dafür steht: Sonntag, 17 Uhr.

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