11.03.2010 · Finanziell dreht sich in Frankfurt alles um den neuen Hauptsponsor – der Seat statt Fraport heißen soll. Sportlich geht es um die Frage, ob Ricardo Clark noch hilfreich sein kann.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtAuch jetzt bleibt Heribert Bruchhagen seiner Linie treu. Ergebnisse, so der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht, würden erst dann verkündet, wenn die Tinte trocken sei. Gut möglich aber, dass die entscheidenden Unterschriften unter einen neuen lukrativen Hauptsponsorvertrag demnächst im Beisein von Managern geleistet werden, die Verantwortung beim Automobilunternehmen Seat tragen. Seat, unter dem großen Dach der globalen Marke Volkswagen vereint, wird als wahrscheinlicher Nachfolger von Fraport, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, als zukünftiger wichtigster Geldgeber für die Eintracht gehandelt. Der Flughafenbetreiber steht seit 2001 an der Seite des Frankfurter Profiklubs und hat sich in all den Jahren als verlässlicher Partner erwiesen. Gerade in Zeiten, in denen es der Eintracht nach den beiden Bundesliga-Abstiegen 2001 und 2004 wirtschaftlich schlechtging, tat Fraport der jungen Eintracht Frankfurt Fußball AG gut. „Die Eintracht ist uns sehr ans Herz gewachsen“, sagte unlängst Stefan Schulte, der neue Fraport-Chef – und bestätigte damit nur, was sein Vorgänger Wilhelm Bender mit seinem Engagement bei der Eintracht vorlebte.
Natürlich wollte sich Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen nicht zu Spekulationen äußern, wonach Seat dem langjährigen Eintracht-Partner Fraport vom Sommer an folgen werde. „Es ist üblich, dass bei auslaufenden Verträgen auch mit anderen Unternehmen gesprochen wird“, ließ Bruchhagen am Mittwoch mitteilen. „Weitere Angaben zu Gesprächen mit anderen Unternehmen oder zu zeitlichen Abläufen“, hieß es weiter, „wird Eintracht Frankfurt nicht machen.“ Dafür hat sich auf Anfrage Melanie Stöckl geäußert. Die Leiterin der Kommunikationsabteilung von Seat Deutschland mit Sitz in Mörfelden-Walldorf bestätigte, dass das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit der Eintracht anstrebe. „Wir haben Interesse daran, weil wir gerne in die Bundesliga wollen. Und da liegt uns die Eintracht natürlich nah.“ Ziel sei es, „unsere Marke bekannter zu machen“. Finale Gespräche hätte es aber noch nicht gegeben.
Bis heute konnte Ricardo Clark sein Talent noch nicht unter Beweis stellen
Die Eintracht verspricht sich von dem angedachten Wechsel des Hauptsponsors auch höhere Zuwendungen. Dem Vernehmen nach lässt sich Fraport das Engagement bei dem Bundesligaklub rund fünf Millionen Euro kosten. Für den Lizenzspielerapparat mit Profis und Trainerstab stellt die Eintracht-AG aktuell 25 Millionen Euro zur Verfügung. In der kommenden Spielzeit, so die Auskunft von Finanzvorstand Thomas Pröckl, will man diese Summe auf 27 Millionen aufstocken, was besonders Trainer Michael Skibbe freuen dürfte, der seine Mannschaft nachhaltig entwickeln und personell verbessern will. Pröckl, Bruchhagens Stellvertreter im dreiköpfigen Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG, bestätigte am Dienstag gegenüber der „Frankfurter Rundschau“, „dass unsere Mannschaft in der nächsten Saison besser sein soll als in dieser“. Ein neuer zahlungskräftiger Hauptsponsor wäre da willkommen.
Mit einem großen Hallo wurde vor einigen Wochen auch Ricardo Clark in Frankfurt begrüßt. Doch bis zum heutigen Tage hat der Amerikaner nicht nachweisen können, dass er die Eintracht verstärken kann. Chefcoach Skibbe möchte den 27 Jahre alten Mittelfeldmann gerne im Wettkampf sehen, um sicher zu sein, ob Clark über das Ende des bis zum Sommer andauernden Ausleihgeschäfts verpflichtet werden soll. Doch das Geduldspiel geht weiter. „Kurzfristig“, sagte Skibbe am Mittwoch, „wird Ricardo noch nicht zum Einsatz kommen. Aber in absehbarer Zeit will ich ihn schon mal zeigen.“ Für die Auswärtspartie an diesem Samstag bei Hannover 96 ist der Amerikaner keine Option, und dann verbleiben nur noch acht Spiele bis zum Saisonschluss am 8. Mai, um Aufschlüsse über Clarks Leistungsvermögen zu gewinnen. Im Training drängt sich der amerikanische Nationalspieler derzeit nicht auf, und selbst Skibbe räumte ein, „dass es typisch für einen defensiven Mittelfeldspieler ist, unauffällig zu sein“. Dabei gibt es in den eigenen Reihen Gegenbeispiele: Pirmin Schwegler und Selim Teber, beide unter Skibbe geschätzte Stammspieler im defensiven Mittelfeld, sind alles andere als unauffällig.