15.04.2011 · Der Grieche wird der Eintracht beim Spiel in Hoffenheim fehlen. Er gilt wegen seiner vielen Tore zwar als kaum zu ersetzen – Martin Fenin aber muss es trotzdem versuchen.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtDie Zuversicht ist gewachsen. „In der Videoanalyse haben wir uns auch die 94. Spielminute gegen Werder Bremen angeschaut“, sagt Christoph Daum. „Selbst da haben wir noch eine sehenswerte Kombination gezeigt.“ Und weil es in der Partie gegen die Norddeutschen auch noch diese eine „Schlüsselszene von Marco Russ“ gegeben hat, als dieser mit unglaublichem Willen einen Zweikampf im Liegen für sich entschied und damit überhaupt erst den Weg zum Ausgleich ebnete, ist der neue Trainer der Frankfurter Eintracht frohen Mutes, „dass wir in Hoffenheim drei Punkte mitnehmen können. Darauf haben wir uns vorbereitet“, sagte er am Donnerstag.
Daum, die Dritte. Nach den Prüfungen gegen Wolfsburg und Bremen geht der Reigen schwerer Spiele munter weiter. An diesem Samstag (Anstoß 15.30 Uhr) müssen sich die Frankfurter Fußballprofis bei 1899 Hoffenheim vorstellen. Was die Ausgangslage nicht leichter macht: Der Eintracht-Coach muss mit ziemlicher Sicherheit auf Theofanis Gekas verzichten. Der 30 Jahre alte Grieche klagt seit Tagen über eine muskuläre Verhärtung im rechten Oberschenkel. An Laufen ist derzeit nicht zu denken, an Fußballspielen und Toreschießen schon gar nicht. Daum weiß, dass die Einsatzchance des mit Abstand erfolgreichsten Eintracht-Angreifers äußerst gering ist. „Manchmal aber“, weiß der Coach aus langjähriger Erfahrung, „wird aus einem Prozent hundert Prozent“. Der Frankfurter Fußballlehrer will in jedem Fall „bis Samstag schauen“.
Fünf Endspiele?
Sollte die Wunderheilung ausbleiben, wird Martin Fenin erste Wahl sein. Der flinke Tscheche, der am vergangenen Freitag beim 1:1 gegen Bremen ein wunderbares Kopfballtor erzielt hat, blickt auf eine erfolgreiche Arbeitswoche zurück. Dies will Daum mit einem Starteinsatz in Hoffenheim belohnen. „Martin hat sich das ganz klar verdient“, sagt der Trainer. „Ich muss doch auch nach dem Leistungsprinzip gehen und die Trainingseindrücke einfließen lassen.“
Auch Georgios Tzavellas hat in den vergangenen Wochen unter neuer Anleitung ordentlich mitgezogen. „Bei der gesamten Mannschaft“, blickt Daum zurück, „ist ja richtig die Post abgegangen.“ Doch Linksverteidiger Tzavellas wird nicht mithelfen können, den angestrebten Sieg wirklich perfekt zu machen. Der Grieche befindet sich schon zu Hause in Athen, wo er sich vom Arzt seines Vertrauens behandeln lässt. Seitdem Tzavellas weiß, dass für ihn wegen eines Teilrisses des Kreuzbandes die Saison beendet ist, hat er den Ratschlag mehrerer Experten angekommen und sich nicht operieren lassen. Die Verletzung, weiß Daum, wird konservativ und unter Einsatz einer extra angefertigten Spezialschiene behandelt. „Damit kann Georgios den Unterschenkel leicht nach vorne beugen. Dadurch wird die Ruptur zusammengeführt.“ Spielend aber wird Tzavellas das Saisonende keinesfalls erleben. Daum rechnet seine Ausfallzeit auf zwei bis drei Monate hoch. Spätestens in vier Wochen will sich die Eintracht aller Abstiegssorgen entledigt haben. Daum zweifelt keine Sekunde daran, dass ihm und seinem nicht minder engagierten Assistenten Roland Koch die Mission Klassenverbleib glückt. „Alle meine Spieler werden sich für den Verein zerreißen“, sagt der 57 Jahre alte Coach. „Alle werden beste Arbeit abliefern.“ Seiner Ansicht nach werden in den kommenden Wochen bei den noch ausstehenden Spielen in Hoffenheim, gegen die Bayern, in Mainz, gegen Köln und zum Finale in Dortmund Dinge wie „Tagesform, Willensausdauer, Zusammenhalt und Können den Ausschlag geben“.
Fünf Begegnungen noch. Fünf Endspiele? Patrick Ochs lächelt. „Schon in Wolfsburg und gegen Bremen haben wir zwei Endspiele gehabt. Insgesamt sind es sieben Stück“, sagt der Kapitän. Der in der Vorwoche gesperrt zuschauende Dynamiker stößt wieder in die Startelf. Ob der Frankfurter wie zuletzt üblich auf der rechten Seite offensiv Druck ausübt, steht noch nicht fest. Daum muss warten, ob sich Sebastian Jung bis zur Abfahrt in den Kraichgau rechtzeitig gesund zurückmeldet. Auch der Rechtsverteidiger hat ebenso wie Linkskollege Tzavellas mit Knieproblemen zu kämpfen, allerdings längst nicht so gravierend. Müsste Jung, der von 29 Saisonspielen 28 absolviert hat, wider Erwarten passen, würde Ochs verteidigen und Jungtalent Sonny Kittel wie schon gegen Bremen weiter vorne zum Einsatz kommen. Rückkehrer Ochs war als Zuschauer recht angetan, wie sich der 18 Jahre alte Kittel gegen Werder geschlagen hat. „Er hat das gut gemacht. Die Qualität in unserem Kader ist vorhanden“, glaubt Ochs. Gleichwohl warnt er davor, die bisherige Punkteausbeute von 33 Zählern zu schön zu rechnen. „Der Vorsprung vor Stuttgart, Wolfsburg und St. Pauli ist nicht beruhigend. In der Bundesliga kann alles ganz schnell gehen.“