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Eintracht Frankfurt Funkel wünscht Verstärkung – Chris steht bereit

08.01.2009 ·  Aaron Galindo verlässt die Eintracht sofort - und der Trainer sucht nach der bestmöglichen Besetzung für die labile Innenverteidigung. Vier Bewerber kommen für die freie Stelle in Frage.

Von Ralf Weitbrecht, Vale do Lobo
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Dieser Wechsel kommt nicht überraschend. Neu hingegen ist, dass Friedhelm Funkel am Donnerstag schlagartig „größere Bauchschmerzen“ bekommen hat. Doch wie schon in der Vergangenheit bei den vorzeitigen Weggängen von Arie van Lent und Naohiro Takahara zeigte der Trainer der Frankfurter Eintracht auch diesmal menschliche Größe und befürwortete die sofortige Vertragsauflösung des abwanderungswilligen Aaron Galindo.

„Aus familiären Gründen habe ich zugestimmt, Aaron war schließlich ganz alleine in Deutschland.“ Der 26 Jahre alte Mexikaner, im Sommer 2007 von den Grasshoppers Zürich zur Eintracht in die deutsche Bundesliga gekommen, kehrt also zurück in seine Heimat, in der er fortan für den Erstligaklub Deportivo Guadalajara am Ball sein wird. Innenverteidiger Galindo beendet damit erwartungsgemäß ein halbes Jahr vor Ablauf seines Zweijahresvertrags seine spielende Arbeit in Europa. Über die Höhe der Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart.

Vasoski hofft auf Stammplatz in der Innenverteidigung

Die Nachricht, dass sich früh zu Beginn des neuen Jahres ein Profi von der Eintracht verabschiedet hatte, verbreitete sich im portugiesischen Trainingslager unter den zum Teil unwissenden Spielern in Windeseile. „Wenn ein Spieler zurück in die Heimat will, muss man das verstehen“, sagte Benjamin Köhler. „Dann soll man ihn auch gehen lassen.“ Marco Russ, Galindos Nebenmann in der Defensive, ergänzte: „Auch ohne ihn haben wir genug Leute. Wir brauchen keinen Neuen zu holen, wir haben genug Klasse“, behauptete er. Trainer Funkel sieht das ganz anders. „Wenn ein neuer Mann bezahlbar und finanzierbar ist und wir davon hundertprozentig überzeugt sind, dass er zu uns passt, dann holen wir noch einen.“

Der Eintracht-Trainer sagte, „dass wir momentan vier einsatzbereite Innenverteidiger haben“. Doch Verstärkung wäre ihm lieber. „Ich müsste sonst mit großen Bauchschmerzen in die Rückrunde gehen.“ Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der an diesem Freitag an der portugiesischen Algarveküste erwartet wird, ließ von der Heimat aus übermitteln, „dass wir uns nach dem Weggang von Galindo nicht unter Druck sehen. Wir haben Vasoski und Chris, und Mössmer ist ja auch nicht dort unten, um sich zu sonnen.“ Am Donnerstag, als sich die Sonne tatsächlich über einem nahezu azurblauen Himmel über dem Atlantik zeigte und die Eintracht am Vormittag schon unter anderem mit Medizinbällen daran arbeitete, in eine von Funkel gewünschte „bessere körperliche Verfassung“ zu kommen, präsentierte sich Aleksandar Vasoski in guter Konstitution.

Wie gut freilich der gelernte Innenverteidiger nach mehrmaligen Rückschlägen – ein Sehnenanriss am Hüftbeuger sowie Zysten in der Lunge hatten Vasoski zurückgeworfen – wirklich ist und ob er den Anforderungen im Liga-Alltag standhalten kann, wird sich noch weisen müssen. Von der Papierform her zählt der bis 2011 unter Vertrag stehende Mazedonier in jedem Fall zu dem Kreis von Kandidaten, die nach dem Weggang von Galindo um einen der begehrten zwei Plätze in der Innenverteidigung kämpfen. Da der 23 Jahre alte Russ seinen Stammplatz mehr oder weniger sicher hat, bewerben sich mit dem zum Teil wankelmütigen Franzosen Habib Bellaid, dem von seiner Schulterverletzung wieder genesenen Brasilianer Chris und eben Vasoski gleich drei Aspiranten für die freie Stelle.

Hoffnung auf die Rückkehr von Chris

Aus Gesprächen mit dem Trainer will der 29 Jahre alte Mazedonier dabei erfahren haben, „dass alle bei null anfangen. Wir haben alle die gleiche Chance.“ Sein Traum: nicht nur die baldige Rückkehr in die Mannschaft nach einer fast einjährigen Leidenszeit, sondern „ein Stammplatz“, wie er selbstbewusst sagte. „Die Konkurrenten sind alle heiß, und auch ich verspüre viel Kraft. Ich kann auf drei gute Jahre bei der Eintracht zurückblicken, in der wir im DFB-Pokal und im Uefa-Pokal gespielt haben und aufgestiegen sind.“ Unvergessen bis heute Vasoskis wohl bestes Spiel im Eintracht-Trikot, als er in der Europapokal-Qualifikation bei Bröndby Kopenhagen beide Treffer zum 2:2 erzielte.

Die Innenverteidigung – das ist die Achillesferse der Eintracht, mehr Stabilität wäre Funkel willkommen. Daher setzt der Trainer auch große Hoffnungen in die Rückkehr von Chris. Der variabel einsetzbare Brasilianer, der noch vor dem Abflug in den Süden im Training mit dem stürmischen Neuzugang Leonard Kweuke aneinandergeraten und folgenlos auf die lädierte rechte Schulter gefallen war, sieht sich entgegen ursprünglicher medizinischer Bulletins mehr als im Plan. „Normalerweise dauert es drei Monate, bis man nach so einer Verletzung wieder spielen kann“, sagte er im Gespräch im Mannschaftshotel in Vale do Lobo. „Doch bei mir sind erst zwei Monate vergangen.“ Ein Einsatz schon im ersten Rückrundenspiel bei Hertha BSC Berlin am letzten Januar-Samstag ist damit mehr als wahrscheinlich.

„Ich spiele“, sagte Chris. „Ich glaube fest daran.“ Auch Funkel ist sicher, dass bis zum Rückrundenstart „medizinisch kein Risiko mehr besteht“. Chris demnach an der Seite von Russ als Pärchen in der Innenverteidigung – und Mitbewerber wie Vasoski und Bellaid auf der Bank? Es ist kein Geheimnis, dass Funkel große Stücke auf Chris, den technisch beschlagensten Eintracht-Profi, hält. Trotzdem wird er bemüht sein, seine größer gewordenen Bauchschmerzen unter Kontrolle zu halten. Der Kampf in der Innenverteidigung: Seit Galindos Weggang hat er eine neue Dynamik erhalten.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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