09.06.2011 · Die Eintracht stellt ihre neuen Trikots für die zweite Bundesliga vor, sie vergrößert ihren Trainerstab und wartet weiter auf Spieler – eigene und neue.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtDer Internetauftritt ist renovierungsbedürftig. „Was wollen Sie sportlich noch erreichen?“ lässt sich Thomas Kessler auf seiner Homepage fragen. Antwort: „Nummer eins beim 1. FC Köln.“ Denkbar, dass der 25 Jahre alte Kölner seine Meinung ändert. Schließlich wird Kessler in der kommenden Saison sein Geld in Frankfurt verdienen. Dass sich Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner mit dem Torhüter über ein Engagement beim Bundesliga-Absteiger einig sein soll, ist die eine Seite. Die andere: Noch immer fehlt die Unterschrift unter einem Arbeitsvertrag. Auch Matthias Lehmann, Kesslers letztjähriger Mitspieler beim FC St. Pauli, hat sich bisher nur mündlich mit Hübner geeinigt. Der 28 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler muss gleichfalls noch im Büro von Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen vorstellig werden, um einen Vertrag zu unterzeichnen. „Gehen Sie mal davon aus, dass beide am Samstag beim Trainingsauftakt dabei sind“, sagte Bruchhagen am Mittwoch. Weiter bei der Eintracht ist man immerhin im Trainerstab. So ist der am Mittwochnachmittag um 16.50 Uhr verschickten Mitteilung zu entnehmen, dass nach Chefcoach Armin Veh nun auch sein Assistent Reiner Geyer sowie Torwarttrainer Manfred Petz und Konditionstrainer Christian Kolodziej im Besitz von Arbeitsverträgen sind. Während der 47 Jahre alte Geyer einen Jahresvertrag unterzeichnet hat, haben sich der ehemalige Mainzer und Wehener Torhüter Petz sowie der vom VfB Stuttgart zur Eintracht stoßende Kolodziej jeweils für zwei Jahre an die Eintracht gebunden.
Am Mittwoch stand Bruchhagen – gewollt oder nicht – im Fokus. Die Eintracht präsentierte die neuen Auswärts- und Ausweichtrikots für die kommende Zweitligasaison. Doch anders als in all den bisherigen siebeneinhalb Jahren, in denen der Vorstandschef der Eintracht Frankfurt Fußball AG Verantwortung trägt, war es den Machern im Frühsommer 2011 nicht gelungen, auch nur einen einzigen Spieler zu dieser Trikotpräsentation zu bitten. So musste Bruchhagen gemeinsam mit Alexander Rothweiler, dem Bereichsleiter Vertrieb von Ausrüster Jako, die neue weiße und schwarze Arbeitskleidung der Öffentlichkeit zeigen.
Nikola Petkovic wird fehlen
Um den Spielern, vor allem aber den Fans etwas Besonderes anzubieten, hat sich der seit acht Jahren der Eintracht die Treue haltende Ausrüster einiges einfallen lassen. So wirkt das neue Trikot mit den vielen Kreisen auf den ersten Blick wie das Hemd von Spiderman. Jako-Manager Rothweiler wusste Aufklärung: „In der Mitte der Kreise ist das Eintracht-Wappen. Die Idee, die dahintersteckt – im Herzen von Europa.“ Auch wenn demnächst nur unter zweitklassigen Bedingungen Fußball gespielt werden wird: Die neue Kreation wimmelt nur so von Anspielungen auf Frankfurt, die Eintracht und Europa. „Im Herzen von Europa“ findet sich im Nackenband; am Ärmelabschluss ist die Skyline zu sehen; auf dem Rücken prangt ein riesiger Adler, und im Abschlussband ist eingestickt: „Eintracht vom Main, nur du sollst heute siegen.“ Damit der neue Arbeitsdress auch wirklich getragen (und verkauft) werden darf, bedurfte es zuvor einiger Sondergenehmigungen von der Deutschen Fußball Liga.
Einen Sonderstatus im weiterhin übersichtlichen Zweitligakader genießen auch einige Frankfurter Fußballprofis. So werden am kommenden Samstag, wenn der neue Trainer Armin Veh von elf Uhr an zur ersten Übungseinheit der neuen Saison in das Stadion am Riederwald bittet, einige Spieler fehlen. Der Tscheche Martin Fenin und der Schweizer Pirmin Schwegler haben wegen ihrer Engagements in den jeweiligen Nationalmannschaften eine Urlaubsverlängerung erhalten und werden spätestens zur Abreise in das erste Trainingslager erwartet. Dieses soll unbestätigten Meldungen zufolge zwischen dem 18. und 20. Juni beginnen und den selbsterklärten Aufstiegsanwärter Nummer eins für eine gute Woche nach Leogang ins Salzburger Land führen. Dass Ioannis Amanatidis mit nach Österreich fährt, ist eher unwahrscheinlich. Sportdirektor Hübner hat sich in den vergangenen Tagen in der diffizilen Personalie eindeutig positioniert und geäußert, dass man auf die Dienste des 29 Jahre alten Griechen keinen Wert mehr legt. Eine Abfindungsregelung soll gefunden werden. Vollzug aber gibt es noch keinen. „Wir sind in Gesprächen“, sagte Vorstandschef Bruchhagen am Mittwoch. Der langjährige Förderer des einstigen Kapitäns ist bemüht, die Angelegenheit diskret zu lösen. „Ich will nicht, dass Amanatidis beschädigt wird. Er war vier Jahre ein vorbildlicher Kapitän.“ Zuletzt habe der selbstbewusste Grieche zwar „ein paar falsche Interviews gegeben“, so Bruchhagen, aber: „Unehrenhaft wird Ioannis von der Eintracht nicht entlassen.“ Nicht ausgeschlossen, dass der untadelige Sportsmann Amanatidis, in den vergangenen Jahren durch zwei Knorpelschäden gehandicapt, auch am Samstag im Riederwaldstadion dabei ist, wenn der Schwabe Veh ganz offiziell seine Arbeit bei den Hessen aufnimmt.
Neben Fenin und Schwegler wird der Trainer auch die beiden Rekonvaleszenten Georgios Tzavellas und Sonny Kittel vermissen. Zudem wird Nikola Petkovic fehlen. Der Linksverteidiger aus Serbien, einst mit einem Dreieinhalbjahresvertrag ausgestattet, hat sich über den Außenposten Tom Tomsk bis in die Wüste zum saudi-arabischen Klub Al-Ahli Jeddah navigiert, bei dem er noch im Meisterschaftsfinale engagiert ist und bis Ende Juni unter Vertrag steht. Doch der 25 Jahre alte Serbe kommt nach Frankfurt zurück – ebenso wie der Franzose Habib Bellaid. Trotzdem braucht Veh noch dringend Zuwachs, um seine Mannschaft aufstiegsreif zu machen. Sportdirektor Hübner hält deshalb nach einem Innenverteidiger, einem weiteren linken Außenverteidiger, einem Mann für die rechte Mittelfeldseite sowie einem Stürmer Ausschau. Dem „Kicker“ sagte der 50 Jahre alte Hesse: „Ich habe gute Lösungen im Kopf.“