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Veröffentlicht: 08.05.2017, 09:33 Uhr

Kommentar Der Eintracht fehlt die Qualität

Zu einem bedingungslosen Fighting Spirit vermochten sich die Eintracht-Profis gegen Wolfsburg nicht aufzuraffen. Vielleicht wirkte da der Einzug ins Pokalfinale wie ein schleichendes Gift.

von
© EPA Auch Marco Fabian vermochte den Ball nicht im Tor unterzubringen.

Hätte die Stadionregie Mitleid mit den Zuschauern empfunden, wäre sie auf die Idee gekommen, in der ersten Halbzeit des Bundesligaspiels der Eintracht gegen den VfL Wolfsburg über den Videowürfel das Freitagspiel zwischen dem 1. FC Köln und Werder Bremen zu übertragen oder die Wiederholung irgendeines „Tatort“-Krimis. Es war nicht zum Hinschauen, was sich auf dem Rasen abspielte. Hier eine verunsicherte Wolfsburger Mannschaft, mit den Lähmungserscheinungen, die der Abstiegskampf manchmal so mit sich bringt, da ein Frankfurter Team, unfähig aus der aufgezwungenen Initiative irgendetwas zu entwickeln, das Angriffsfußball auch nur ähnlich sieht.

Peter Heß Folgen:

Genug der Häme. Wer wollte einem Einbeinigen vorwerfen, dass er hinkt? Die Eintracht in der Saison-Endphase hat nur noch wenig mit der aus der furiosen Hinrunde gemein. Das Rückgrat des Erfolges, die Dreier-Abwehrkette mit Vallejo, Hasebe und Abraham ist auf ein Glied (Abraham) degeneriert, manchmal fehlt auch das letzte Teilstück wie gegen Wolfsburg. Die Stabilisatoren vor der Abwehrreihe sind entweder verletzt (Mascarell) oder verkauft (Huszti). Torjäger Alex Meier weiß mittlerweile kaum noch, wie ein Fußball aufspringt, so lange fällt er schon aus. Dabei wäre er gerade jetzt so wichtig, wo die Stürmer Hrgota und Seferovic unter schwerer Torschuss-Allergie leiden.

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Niko Kovac versucht, die Ausfälle bestmöglich zu kompensieren. Aber wie der Trainer auch an der Personaldecke zerrt und zoppelt, sie ist zu kurz. Die Außenverteidiger Oczipka und Chandler ins Zentrum des Spiels zu rücken, mildert zwar dort die Not. Aber Varela und Tawatha können nach monatelanger Verletzungspause gar nicht in der Lage sein, deren Rollen auf den Außenpositionen so dominant auszufüllen, wie es den beiden in der Vorrunde manchmal möglich gewesen war. Gacinovic ist als defensiver Mittelfeldspieler auch weniger effektiv als bei der Ausübung seiner Kernkompetenz als Flitzer am Flügel.

Und die Alternativen aus den Tiefen des Kaders? Stendera kommt von einem Kreuzbandriss zurück, Barkok braucht eine funktionierende Mannschaft, um sein Talent zum Scheinen zu bringen, Tarashaj kämpft mit seinem Übergewicht und gegen mangelnde Spielpraxis, Blum und Wolf kommen aus der zweiten Liga, Besuschkow aus der Regionalliga.

46261265 Verdeckte Ansprache: Für das Eintracht-Team von Trainer Niko Kovac war Shani Tarashaj letztmalig gegen Wolfsburg dabei. © dpa Bilderstrecke 

Die Aufzählung soll die Vorstellung gegen Wolfsburg nicht entschuldigen, aber sie erklärt sie zum Teil. Es fehlt schlicht an Qualität – und diese Tatsache lässt sich nur durch Athletik, Einstellung und Fitness aus der Welt schaffen. Aber zu einem bedingungslosen Fighting Spirit vermochten sich die Eintrachtprofis diesmal nicht aufzuraffen. Vielleicht wirkte da der Einzug ins Pokalfinale wie ein schleichendes Gift.

Trainer Kovac gab vor Wolfsburg seinen Spielern mit, so viele Punkte wie möglich bis Saisonende zu sammeln, damit der Höhepunkt Berlin mit einem guten Gefühl angegangen werden kann. Nach dieser Niederlage, die alle realistischen Hoffnungen auf Tabellenplatz sieben und die damit verbundene Qualifikation für die Europa League zerstört hat, erscheint es sinnvoller, die beiden letzten Bundesligaspiele als reine Übungen für das Endspiel zu sehen. So nimmt Kovac seinen Spielern den Druck, Tore schießen zu müssen. Und reduziert die Verzweiflung, wenn es wieder nicht gelingen sollte. Auch eine Möglichkeit, mit einem besseren Gefühl nach Berlin zu reisen als das, das die Wolfsburger Vorstellung auslöste.

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