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Eintracht Frankfurt Erster Arbeitstag mit breiter Brust

02.09.2011 ·  Der eine Eintracht-Neuzugang, Idrissou, strahlt Selbstsicherheit aus. Der andere, Rob Friend, kommt erst am Freitag. Manager Bruno Hübner spricht von einem guten Geschäft.

Von Uwe Marx, Frankfurt
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Wie schön, wenn man sich am neuen Arbeitsplatz gut auskennt. Das macht die Eingewöhnung leichter. Er kenne in Frankfurt „alle Ecken und Kanten“ und „fast jeden Spieler“, sagte Mohamadou Idrissou am Donnerstag, seinem ersten Arbeitstag bei Eintracht Frankfurt – also muss man sich um ihn keine Sorgen machen. Aber das ist bei der Statur dieses Mannes und bei seiner sportlichen Vita ohnehin nicht nötig. Der Angreifer, in den Anfängen seiner Karriere für den FSV Frankfurt in der Oberliga Hessen am Ball und erst am Mittwoch vom Bundesligaverein Borussia Mönchengladbach zur Eintracht transferiert, ist mit 1,90 Meter einer der größten Spieler im Kader der Frankfurter. Und in seinem zwölften Jahr im deutschen Fußball ein Kenner der Szene. Außerdem ist er seiner selbst sicher. Trainer Armin Veh, der seit Wochen einen kopfballstarken Angreifer gefordert hatte, habe auch „einen kampfstarken Stürmer“ gesucht, sagte Idrissou. Und genau so ein Spieler sei er.

Der Neue stellte sich also mit breiter Brust vor und hatte die ganze Aufmerksamkeit beim ersten Training in Frankfurt für sich. Denn der frühere Hertha-Profi Rob Friend, der am Mittwoch kurz nach Idrissou aus Berlin verpflichtet worden war, kam aus gutem Grund noch nicht an den Main. „Er ist gerade Vater geworden, und muss noch ein paar Sachen regeln“, sagte Manager Bruno Hübner. Friend wird am Freitag in Frankfurt erwartet. Jetzt hat die Eintracht also zwei neue Spieler mehr, die aus der ersten Bundesliga kommen, und zwei alte weniger, die sich in die zweite Liga und in die Erste serbische Liga verabschiedet haben; Stürmer Martin Fenin wechselte zu Energie Cottbus, Linksverteidiger Nikola Petkovic zu Roter Stern Belgrad. Das alles sieht auf dem Papier nach einer stattlichen Investition aus, aber Hübner versichert, dass der Verein ein gutes Geschäft gemacht habe. „Der Etat wurde nicht belastet“, sagte er. Es sei also nicht mehr ausgegeben als eingenommen worden. Das klingt ganz nach den Geschäftsprinzipien des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, über den Hübner sagt: „Er hat mich bei diesen Transfers sehr intensiv unterstützt.“

Trainer Veh sagte schon, dass ihn die größere Auswahl im Angriff „sehr froh“ mache

So viel Harmonie wie im Management wäre für den neuen Angriff der Eintracht wünschenswert, denn hier herrscht nach den Neueinstellungen ein großes Gedränge. Neben dem Kameruner Idrissou und dem Kanadier Friend sind noch der Grieche Theofanis Gekas und der Österreicher Erwin Hoffer interessiert daran, beim Anpfiff der Eintracht-Spiele auf dem Platz zu stehen. Speziell Gekas, der bisweilen lustlos oder frustriert wirkt, gilt in der neuen Konstellation als Personalie mit Sprengkraft. Hübner glaubt allerdings, dass keine Gefahr droht. „Wir werden keine atmosphärischen Störungen bekommen“, sagte er sehr überzeugt. Entscheidend sei, dass die Eintracht in der Offensive nun „viel flexibler“ sei. Und wenn es einer vor lauter Unzufriedenheit gar nicht mehr aushalte, „dann kann man ja noch mal sprechen“. Als Kandidat für eine solche Unterhaltung käme vor allem Gekas in Frage. Der könnte zwar immer noch wechseln – in Länder wie die Türkei, Russland „oder die Emirate“ (Hübner). Aber damit sei nicht mehr zu rechnen. Die Lebensversicherung bei schlechter Stimmung unter den Stürmern liegt in der Zukunft. „Es gibt ja noch ein zweites Transferfenster“, sagte Hübner. Im Winter nämlich, und dann könnte Gekas immer noch gehen, wenn er denn will.

Trainer Veh sagte schon, dass ihn die größere Auswahl im Angriff „sehr froh“ mache. Er kann – den jungen und perspektivlosen Marcos Alvarez nicht mitgerechnet – jetzt unter vier bewährten Spielern auswählen. Dass dieses Quartett nicht zusammenpasse, glaubt Hübner nicht. Veh habe nun zwei Stürmer „für die Wucht“, Idrissou und Friend, und zwei „für die Schnelligkeit“. Das lasse sich in allerlei Konstellationen verbinden und erlaube, das Taktikspektrum zu erweitern. Unter Veh spielte die Eintracht bisher mit einem Stürmer, und der hieß in der Regel Gekas. Dahinter postierte sich stets eine offensive Dreierreihe im Mittelfeld, was auch anderswo üblich ist, die Eintracht aber berechenbar machte. „Jetzt kann Armin Veh mit zwei Stürmern spielen lassen“, sagte Hübner, und auch dabei klang er sehr zufrieden.

Das große Ziel ist der Aufstieg

Am Samstag kann die Experimentierphase beginnen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Denn dann spielt die Eintracht beim Oberligaverein KSV Baunatal, um sich für die nächste Aufgabe im Ligaalltag in Form zu bringen – also für die Partie in Cottbus am Samstag, 10. September. Dort könnten die beiden neuen Stürmer Premiere feiern und dabei auf einen ihrer Vorgänger treffen, Martin Fenin nämlich.

Ob Idrissou und Friend über diese Saison hinaus in Frankfurt bleiben, ist offen, denn was zählt, ist das große Ziel Aufstieg. Hübner spricht von Verträgen, die „erfolgsabhängig“ seien. Gelingt die Rückkehr in die erste Liga, dann haben der Verein und Idrissou jeweils die Option auf ein weiteres Jahr der Zusammenarbeit. Bei Friend sind es zwei. Das wäre auch für ihn genug Zeit, um in Frankfurt alle Ecken und Kanten kennenzulernen.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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