20.09.2011 · Eintracht-Trainer Veh lässt die Stürmer Gekas und Hoffer nicht fallen, er gibt Abwehrspieler Schildenfeld Zeit – und dem Torwart Timo Hildebrand die Chance, in Frankfurt zu üben.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtProminenter Besuch bei der Eintracht: Timo Hildebrand kommt nach Frankfurt. Allerdings nicht als Verstärkung, sondern nur, um sich weiter fit zu halten. Der einstige Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat von Trainer Armin Veh die Erlaubnis erhalten, bei den Übungseinheiten des zweitklassigen Aufstiegsanwärters mitzumischen. Wann genau der 32 Jahre alte Wormser auf einem der Trainingsplätze an der WM-Arena durch die Luft fliegt, wollte Veh am Montag nicht sagen. Sicher aber ist: Hildebrand wird es erstmals im Laufe dieser Woche tun. Dass sich Hildebrand ausgerechnet die Eintracht ausgesucht hat, um am Ball zu bleiben, ist kein Zufall. 2007, als der VfB Stuttgart deutscher Meister wurde, haben Veh und der Torwart gemeinsame Sache bei den Schwaben gemacht. Hildebrand, zuletzt in Portugal bei Sporting Lissabon unter Vertrag, ist aktuell ohne Verein. Den Trainingsaufenthalt in Frankfurt dürfte der spanische Pokalsieger von 2008 (mit dem FC Valencia) vornehmlich dazu nutzen, sich für einen neuen erstklassigen Arbeitgeber interessant zu machen.
Von der ersten in die zweite Liga: Diesen Weg ist Gordon Schildenfeld gegangen, um seiner Karriere einen neuen Kick zu geben. Zeit seines sommerlichen Wirkens in Deutschland ist der in Österreich interessant gewordene Kroate Stammkraft bei der Eintracht. Als einer von zwei Innenverteidigern ist er im Personalpuzzle von Veh gesetzt. Gleichwohl sieht der Frankfurter Trainer bei dem 26 Jahre alten Manndecker einiges an Steigerungspotential. „Bis jetzt strahlt er noch nicht die Sicherheit aus“, sagte Veh am Montag. Der erfahrene Fußballlehrer weiß auch warum: „Die zweite Liga in Deutschland ist klar besser als die erste österreichische Liga. Wenn wir mit der Eintracht dort spielen würden, würden wir Meister werden“, sagte Veh. Mit Sturm Graz holte Schildenfeld in der vergangenen Saison nicht nur den Titel, er war in der Liga zugleich der überragende Innenverteidiger in der Alpenrepublik. Auch deshalb griff Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner, der Schildenfeld noch aus gemeinsamen Duisburger Zweitligatagen kannte, beherzt zu und holte ihn nach Frankfurt.
Auch die Vielzahl der Stürmer ist dem Trainer wichtig
Auch Veh ist nicht entgangen, dass Schildenfeld nicht unbedingt ein Sprinter ist. In den bisherigen acht absolvierten Punktspielen gab es manch diffizile Szene, in der der Kroate nicht immer den Überblick behielt. So zuletzt beim 4:1-Heimsieg gegen Hansa Rostock, als ein elfmeterwürdiger Rempler nicht geahndet wurde. Und trotzdem: „Er ist mein Chef da hinten. Auf ihn baue ich“, sagte Veh. Er hat am ersten Tag einer neuen Arbeitswoche zudem mit einer ungewöhnlichen Ankündigung überrascht. „Bei mir hat jeder neue Spieler ein Jahr Zeit. Erst dann werde ich ihn endgültig beurteilen.“ Eine Einschätzung, die Veh für Neuankömmlinge wie Rob Friend, Mohamadou Idrissou und eben Schildenfeld verstanden wissen möchte. Nicht aber für Profis, die schon seit Jahr und Tag bei der Eintracht sind.
Wie Caio beispielsweise. Dass der Brasilianer über unbestrittenes Potential verfügt, will Veh nicht leugnen. „Er kann was. Doch er hat es immer nur in Nuancen gezeigt.“ Dreieinhalb Jahre in Frankfurt haben Caio nicht zu dem werden lassen, der er eigentlich sein sollte. „Den Leuten, die ihn damals beobachtet und geholt haben, kann man keinen Vorwurf machen“, sagte Veh. „Ich bin jetzt nun der vierte Trainer, der es mit ihm versucht hat.“ Und der – ebenso wie die Vorgänger Friedhelm Funkel, Michael Skibbe und Christoph Daum – nicht entscheidend weitergekommen ist. „Caio hat bei mir genügend Möglichkeiten gehabt“, sagte Veh über die vielen Einsätze seit dem Sommer. Den nachhaltigen Sprung in die Stammelf aber hat der 25 Jahre alte Südamerikaner auch jetzt nicht geschafft. „Beim Spielchen fünf gegen fünf ist er überragend“, sagte Veh. „Aber wir spielen elf gegen elf.“
Dass sich im Trainingsbetrieb genug Personal befindet, mit dem Veh übungshalber elf gegen elf spielen lassen kann, kommt ihm natürlich gelegen. Und auch die Vielzahl der Stürmer ist dem Trainer wichtig. Dass er aber die derzeit zuschauenden und auf ihre Chance wartenden Theofanis Gekas und Erwin Hoffer einmal auf die Tribüne schickt, hält Veh für ausgeschlossen. „Nein, nein, das haben sie nicht verdient.“ Und überhaupt: „Ich bin doch kein eiskalter Engel.“