22.06.2011 · „Es hätte einfacher kommen können“: Die Eintracht stöhnt über ihr Auftaktprogramm in der zweiten Klasse und kritisiert die Deutsche Fußball Liga.
Von Ralf Weitbrecht, LeogangGanz der Pragmatiker. „Wir nehmen es so, wie es kommt“, sagt Armin Veh. „Aber das ist schon ein knackiges, anspruchsvolles Auftaktprogramm.“ Nicht nur für den Trainer der Frankfurter Eintracht, sondern auch für die übrigen Protagonisten des Bundesliga-Absteigers war es die Nachricht des Tages: Die Deutsche Fußball Liga hat den Spielplan für die zweite Liga bekanntgegeben, und für die Eintracht kommt es aus vielerlei Gründen knüppeldick. Dem ersten Punktspiel auswärts in Fürth folgt die Heimpartie gegen Mitabsteiger St. Pauli, ehe die Reise zum Aufsteiger Braunschweig führt. Danach stellt sich Düsseldorf in Frankfurt vor – und zwei Wochen später, zwischen dem 19. und 22. August, wird abermals Fußball in der Frankfurter Arena gespielt. Diesmal jedoch genießt der Stadtrivale FSV Heimrecht.
Veh nennt Gründe für den „knackigen“ Start. „Wir bekommen es gleich mit drei Mannschaften zu tun, die das gleiche Ziel wie wir haben – aufzusteigen.“ Was nicht nur dem fünfzig Jahre alten Coach, sondern sicherlich auch Eintracht-Finanzvorstand Thomas Pröckl missfällt: „Gegen St. Pauli haben wir keine Zuschauer.“ Ganz korrekt ist dies natürlich nicht, doch weil die Frankfurter wegen diverser Verfehlungen unbelehrbarer Fans besonders nach den schlimmen Ausschreitungen beim Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln bestraft worden sind, dürfen sich nur 19 150 Zuschauer das erste Heimspiel ansehen. Wegen des vom Deutschen Fußball-Bund ausgesprochenen „Teilausschlusses für das erste Heimspiel der Saison 2011/2012“ darf die Eintracht inklusive aller Dauer-, VIP- und Vertragskarten nur 14.000 Heimzuschauer in die Arena lassen. Hinzu kommt das übliche Kontingent für die Auswärtsmannschaft von zehn Prozent des Fassungsvermögens, also rund 5000 Karten. Der Eintracht, die sicherlich zwischen 40.000 und 50.000 Zuschauer gegen die Hamburger Mitabsteiger begrüßt hätte, entgehen durch die verhängte Strafe Mehreinnahmen von einer guten halben Million Euro.
Die Mannschaft steht noch nicht
Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG, sagt über die Ansetzung: „Mit diesen beiden Gegnern sind wir gleich so richtig in der zweiten Liga ankommen. Greuther Fürth ist einer der Mitfavoriten, das wird ein harter Brocken. Dann haben wir St. Pauli zu Gast, es geht also von Beginn an richtig zur Sache.“ Auch Bruno Hübner findet den Auftakt „schon heftig. Wir stehen im Umbruch und haben nach dem Abstieg nur eine kurze Pause“, sagt der Sportdirektor. „Es hätte einfacher kommen können.“ Vieles spricht dafür, dass die Eintracht ihr Auftaktspiel am Freitag, 15. Juli, um 20.30 Uhr im Fürther Stadion austrägt. Die zweite Liga genießt bekanntlich ein Alleinstellungsmerkmal, weil die erste Klasse erst drei Wochen später startet. Der Bezahlsender Sky zeigt zwei Begegnungen um 18 Uhr und das mutmaßliche Topspiel zwischen Fürth und Frankfurt um 20.30 Uhr. Für das darauffolgende Heimspiel gegen St. Pauli könnte der Montagabend (25. Juli, 20.15 Uhr) in Frage kommen.
Das Programm steht also, die Mannschaft noch nicht. Veh wartet weiter auf Verstärkungen für die bekannten Positionen. Für die rechte Außenbahn hält Hübner ebenso nach einem Kandidaten Ausschau wie für die Innenverteidigung. Besonders dort sieht Veh akuten Handlungsbedarf. „Ich brauche mindestens vier Innenverteidiger“, sagt er – und bestätigt damit, was schon Stammkraft Marco Russ tags zuvor geäußert hatte. Der Coach ist zuversichtlich, auch diese Planstellen zügig zu besetzen. „Das regeln wir“, sagt er. Denn: „So wie jetzt kann ich nicht in die Saison reingehen“. Einzig Russ und der weiter im vertraglichen Schwebezustand befindliche Mainzer Stefan Bell stehen für die Aufgabe an zentraler Abwehrstelle zur Verfügung. Ob der Israeli Shai Maimon einen Kontrakt erhält, entscheidet sich bis spätestens Samstag. An diesem Mittwoch, während des zweiten Testspiels, das im Rahmen des neuntägigen Trainingslagers in Leogang fern des Stammquartiers im knapp 100 Kilometer entfernten Seekirchen gegen den slowakischen Klub MFK Kosice (Anpfiff 18.30 Uhr) ausgetragen wird, erhält der 25 Jahre alte Innenverteidiger eine weitere Bewährungsprobe. „Ich werde ihn wohl von Beginn an spielen lassen“, sagt Veh über den Meisterspieler von Maccabi Haifa. „Eventuell dann auch noch mal am Samstag gegen Bukarest.“
„Pirmin war nicht einfach so aus dem Spaß heraus Kapitän“
Auf dem Weg zurück in die Heimat trifft die Eintracht in Bischofshofen (15 Uhr) auf den rumänischen Rekordmeister Steaua Bukarest. Zudem wurden am Dienstag weitere Testspiele terminiert: Am Mittwoch in der kommenden Woche (29. Juni, 18.30 Uhr) stellen sich die zweitklassigen Eintracht-Profis beim hessischen Oberligavertreter 1. FC Eschborn vor. Am Samstag, 2. Juli, führt die Reise über die Landesgrenzen in die Schweiz. Dort kommt es in Liebefeld bei Bern (15.30 Uhr) zum Wiedersehen mit dem ehemaligen Kapitän Christoph Spycher, der bei den Young Boys Bern spielt.
Wahrscheinlich wird Pirmin Schwegler auch bei den kommenden Tests als Anführer vorneweg gehen. „Pirmin war nicht einfach so aus dem Spaß heraus Kapitän“, sagt Veh. „Er ist sicher einer der Kandidaten.“ Dass der Schweizer Schwegler in den Planungen des Schwaben Veh eine wichtige Rolle spielt, hatte der Coach schon mit seinem Machtwort am Samstag unterstrichen. Am Dienstag nun hat Veh seinen Entschluss bekräftigt. „Bei Pirmin Schwegler habe ich mich festgelegt. Der bleibt. Sonst würde ich mich ja nicht so weit aus dem Fenster lehnen.“ Veh weiter: „Ihn lasse ich nicht weg. Das ziehe ich durch, sonst bin ich ja nicht mehr glaubwürdig.“