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Eintracht Frankfurt Ein starkes Stück

08.02.2010 ·  Bei Borussia Dortmund ist die Frankfurter Eintracht durch nichts zu beeindrucken gewesen und lieferte ihr bestes Saisonspiel ab. Für Trainer Michael Skibbe eine traumhafte Rückkehr: „Ich bin zufrieden und stolz.“

Von Ralf Weitbrecht
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Bislang galt das 3:2 in Bremen als Maß der Dinge. Doch spätestens seit dem 3:2 bei Borussia Dortmund muss umgedacht werden. Es war ein starkes, ein mitreißendes Stück, das die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht am Sonntagabend im größten deutschen Fußballstadion vor 70 400 Zuschauern aufgeführt haben: Auswärtssieg beim bisherigen Tabellenvierten in Dortmund - bei jener Mannschaft, bei der man in den vergangenen neunzehn Jahren nicht mehr gewinnen konnte. Der Erfolg an diesem 21. Bundesligaspieltag, herausgeschossen durch Benjamin Köhler (8.), Sebastian Jung (65.) und Alexander Meier (74.) bei zwei Gegentreffern von Mats Hummels (17.) und Lucas Barrios (57.), war ein Coup. „Ein toller Sieg“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Spielerisch und kämpferisch hat die Mannschaft das überzeugend gemacht.“ Auch Trainer Michael Skibbe, von 1989 bis 2000 in Dortmund tätig, zeigte sich von dem Triumph an altbekannter Wirkungsstätte entzückt. „Ich bin zufrieden und stolz“, sagte er.

Begonnen hatte das beste Saisonspiel der Eintracht mit einer doppelten Überraschung. Entgegen seiner Ankündigung brachte Skibbe Rechtsverteidiger Sebastian Jung von Beginn an. Nikos Liberopoulos musste zuschauen. Wichtiger aber: Es war nicht die Borussia, sondern die Eintracht, die sofort die Initiative ergriff und sich Chance um Chance herausspielte. Und wie schon beim letzten Auswärtsspiel in Nürnberg war es das kleingewachsene Duo Patrick Ochs/Benjamin Köhler, das auf sich aufmerksam machte. Ochs nahm auf rechts Maß, Köhler bedankte sich mit einem beherzten Kopfstoß. Es war der fünfte Treffer dieser Art, seitdem Ochs und Köhler unter dem Dach der Eintracht gemeinsame Sache machen.

Unachtsamkeit in der Eintracht-Abwehr

Die Führung war verdient, und Neuzugang Halil Altintop hätte sogar das 2:0 folgen lassen können, doch agierte er gegen BVB-Keeper Marc Ziegler zu zaghaft (9.). Die Borussia? Suchte verzweifelt nach einer spielerischen Linie und hatte Glück, dass Mats Hummels Nutznießer einer Unachtsamkeit in der Eintracht-Abwehr war. Unbedrängt schob er an Oka Nikolov vorbei zum 1:1 ein. Trotz dieses vermeintlichen Rückschlags ließ sich die Eintracht nicht von ihrem auf Ballbehauptung und dezent-kontrollierte Offensive ausgerichteten Weg abbringen. Im direkten Konter hatte Torschütze Köhler das 2:0 auf dem Fuß - allerdings versäumte er es, den Ball über Ziegler hinweg zu lupfen. (18.). Mehr noch: Der gegenüber seinem Premiereneinsatz gegen Köln stark verbesserte Altintop hatte schon den Torschrei auf den Lippen, als er mit links abzog. Hummels aber klärte auf der Linie (28.). Und nur zwei Minuten später waren es Ochs und Altintop, die gleich mit einem doppelten Doppelpass die Dortmunder Defensive aushebelten. Doch der Kopfball des Deutsch-Türken verfehlte sein Ziel (30.). Nur einmal noch vermochte der BVB bis zur Pause gefährlich vor das Frankfurter Tor vorzudringen. Doch Nikolov zeigte seine Klasse mit einer Fußabwehr gegen Barrios (40.).

Dass der BVB klar favorisiert in das Spiel gegangen war, verwunderte nicht. Schließlich hatte die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp zuletzt sechsmal in Folge zu Hause nicht verloren und sogar einen neuen Rekord aufgestellt. Doch die Eintracht hat mit ihrem Führungstreffer dieser Serie nach 606 Minuten ohne Gegentreffer ein Ende bereitet. Skibbe hatte auf eine „Trendwende“ gehofft, „obwohl der BVB zu Hause eine Macht ist“. Eine Macht auch gegen die Eintracht? Davon war vor allem in der ersten Halbzeit nichts zu erkennen. Vor der Abwehr sorgten Chris und Selim Teber für Ordnung, und im Angriff waren es immer wieder Köhler und Altintop, die gefährlich vor Ziegler aufkreuzten.

„Hoffentlich startet der Anzug jetzt eine neue Serie“

Erst nach dem Seitenwechsel besannen sich die Dortmunder ansatzweise ihrer Heimtugenden. Der Lohn: das 2:1 durch Barrios (57.). Doch selbst davon ließen sich die couragierten Frankfurter nicht beirren. Nach einer Ecke war es Verteidiger Jung, der aus zwanzig Metern Maß nahm und Ziegler zum 2:2 überwand. „Ich habe einfach Vollspann draufgehauen“, sagte der strahlende Jung nach seinem ersten Bundesligator. „Der Ball ist mir noch ein bisschen über den Schlappen gerutscht, aber am Ende ist er wirklich reingeflogen.“ Jungs Mut war zugleich das Signal für die Kollegen, die Borussia weiter stürmisch zu ärgern. Und es war kein Zufall, dass mit Alexander Meier der bislang erfolgreichste Frankfurter Torschütze mit seinem siebten Saisontreffer die starke Leistung veredelte. Überlegt schob der Mittelfeldmann den Ball zum 3:2 in die lange Ecke (74.). „Genau dort sollte er auch hin“, sagte Meier später.

Obwohl es in der Vorwoche das unglückliche 1:2 gegen Köln und damit das Ende einer Serie von sechs Spielen ohne Niederlage gab, setzte Skibbe auch bei seiner Rückkehr nach Dortmund auf die Magie seines Glücksanzugs. In feinen Zwirn gehüllt, muss es für ihn ein Hochgefühl gewesen sein, seine Mannschaft gegen den alten Klub siegen zu sehen. Sein Wunsch: „Hoffentlich startet der Anzug jetzt eine neue Serie.“

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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