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Eintracht Frankfurt Ein Schuss neue Hoffnung

09.02.2010 ·  Der erst 19 Jahre alte Sebastian Jung hat mit seiner starken Leistung in Dortmund und mit seinem Treffer beim 3:2 angedeutet, was von ihm noch zu erwarten ist – eine ganze Menge.

Von Ralf Weitbrecht
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Typisch Sebastian Jung. Weil sich die Kollegen vom Fernsehen nicht einig waren, wer nach dem 3:2 bei Borussia Dortmund denn nun das Zugriffsrecht hatte, wandte sich der jüngste Eintracht-Profi den Frankfurter Berichterstattern zu, die ihm aus dem Tagesgeschäft wohlbekannt sind. Die Bekanntheit des gelernten Bäckergesellen dürfte seit Sonntagabend sprunghaft gestiegen sein. Jung erzielte schließlich sein erstes Bundesligator – im vierten Einsatz in dieser Saison. Und es war kein „normales“ Tor. Es war eines, das sich der Königsteiner mit Augenmaß vorgenommen hatte. „Nach dieser Ecke musste schließlich etwas passieren“, wie er sagte. So kam der von Benjamin Köhler getretene Ball über Umwege in die Zwanzigmeterzone, in der Jung stand. „Ich habe einfach Vollspann draufgehauen. Er ist mir noch ein bisschen über den Schlappen gerutscht. Aber dann ist er ins Dortmunder Tor reingeflogen.“

Ein Knalleffekt zur rechten Zeit. Es war das 2:2 für die Eintracht (65.), die sich auch durch den zwischenzeitlichen Rückstand nach dem Seitenwechsel nicht aus ihrem Konzept bringen ließ. In kritischer Phase hielt die Mannschaft Kurs – und Jung auch. Vom Anpfiff bis zum Abpfiff zeigte der Rechtsverteidiger eine tadellose Leistung. Ausgerechnet in Dortmund. „In meinem Lieblingsstadion“, wie er sagte. Bei der Borussia, bei der die Eintracht seit neunzehn Jahren kein Spiel um Bundesligapunkte mehr gewinnen konnte. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, erzählte Jung – und strahlte.

Schlüssel zum Sieg

Dabei hatte er erst am Morgen vom Trainer erfahren, dass er am Abend zu den elf Auserwählten gehören würde. Darauf spekulieren, endlich wieder einmal zur Stammformation zu gehören, konnte Jung schon. Während der Vorbereitung auf Dortmund hatte er sich trainingshalber mehrmals in jener Mannschaft wiedergefunden, „die als A-Elf gilt“. Verlässliche Rückschlüsse freilich liefern derartige Planspiele nicht. Auch Trainer Michael Skibbe lässt sich wie sein Vorgänger Friedhelm Funkel gerne von kurzfristigen Entwicklungen leiten. Diesmal aber wurde Jung für seinen Trainingseifer und sein Engagement belohnt. Der schnelle Jung rechts hinten, der noch schnellere Patrick Ochs davor: Es war einer der Schlüssel zum Sieg.

Das Lob danach kam von allen Seiten. Dabei hätte es durchaus großzügiger ausfallen können als im Fall des Vorstandschefs. Heribert Bruchhagen sagte nämlich, „dass Sebastian ganz ordentlich gespielt hat. Aber das macht er eigentlich immer, wenn er spielt.“ Jung hat seine Aufgaben vor der persönlichen Rekordkulisse von 70 400 Zuschauern zumindest sehr ordentlich, wenn nicht gar überzeugend gelöst. „Prima gemacht“, sagte Trainer Skibbe, der durch seine Personalrochaden Jung zum Platz in der Startelf verholfen hatte.

Bestnoten für Maik Franz

Um der vermeintlichen Dortmunder Offensive zu begegnen, hatte der Eintracht-Coach den Brasilianer Chris aus der Abwehrkette herausgezogen und ins defensive Mittelfeld beordert. Dafür durfte sich Maik Franz abermals in der Innenverteidigung Bestnoten verdienen. Und damit war zugleich der Platz auf rechts für Jung frei. Es war nach dem Kurzeinsatz gegen Hannover, als er beim 2:1-Heimsieg am 17. Oktober für sechzig Sekunden am Ball sein durfte, sowie den beiden Spielen über neunzig Minuten gegen Hoffenheim (1:1 am 12. Dezember) und Nürnberg (1:1 am 23. Januar) seine dritte Chance, sich von Beginn an zu beweisen und den Trainer zu überzeugen. In Dortmund sagte er: „Ich habe das Vertrauen des Trainers letzten Endes mit meinem Tor zurückbezahlt.“ Seinen trefflichen Einstand verknüpft er natürlich mit weiteren Einsatzzeiten. Skibbes Kommentar: „Die Hoffnung darf er sich machen.“

Nur: Ob Jung binnen Wochenfrist auch wirklich zwei Bundesligaspiele absolvieren darf, steht auf einem anderen Blatt. Skibbe wartet ab. Zu unwägbar sind trotz der besten Saisonleistung noch immer die personellen Entwicklungen rund um die Eintracht. Verletzungen können auftreten. Sperren bis zum Sonntag, wenn sich der SC Freiburg in Frankfurt vorstellt (Anpfiff 17.30 Uhr), glücklicherweise nicht. Der mit neun Gelben Karten arg vorbelastete Selim Teber hatte nicht nur seine Dortmunder Gegenspieler, sondern auch sich selbst unter Kontrolle. Es gab keine übertriebenen Fouls und auch sonst nichts, was zu kritisieren gewesen wäre. Die Eintracht hat als Einheit überzeugt. Mit einem 19 Jahre alten Rechtsverteidiger, dem die Zukunft gehört. Jung wird weitere Chancen erhalten.

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