28.07.2011 · Die Eintracht verpflichtet den 23 Jahre alten Anderson von Borussia Mönchengladbach und muss in Halle auf Pirmin Schwegler verzichten.
Von Josef Schmitt, FrankfurtDie Abwehr der Frankfurter Eintracht wird immer internationaler. Nach dem Ivorer Constant Djakpa und dem Kroaten Gordon Schildenfeld hat Sportdirektor Bruno Hübner am Mittwoch den Brasilianer Anderson verpflichtet, der bereits am gleichen Tag seinen Dienst beim nachmittäglichen Training antrat. Ob der 23 Jahre alte Innenverteidiger von Borussia Mönchengladbach von Anfang an der Wunschkandidat von Trainer Armin Veh für die vakante Position im Abwehrzentrum war, ist nicht bekannt. In jedem Fall soll Anderson das Loch stopfen, das sich mit dem Verkauf von Marco Russ zum VfL Wolfsburg aufgetan hat. Für Russ hat die Eintracht drei Millionen Euro Ablöse kassiert, für Anderson wird für ein Jahr zunächst nur eine Leihgebühr, geschätzt 300 000 Euro, fällig. Zudem haben die Frankfurter dem Vernehmen nach mit der Borussia eine Kaufoption und mit dem Spieler einen zusätzlichen Dreijahresvertrag vereinbart. Anderson war am Mittwoch zur sportmedizinischen Untersuchung in Frankfurt, bevor er sich zum Training mit seinen neuen Kollegen hinzugesellte. Offiziell soll der Transfer an diesem Donnerstag bestätigt werden.
Anderson, der mit vollem Namen Anderson Soares de Oliveira heißt, hat trotz seiner Jugend schon eine bewegte Vergangenheit in Deutschland hinter sich. Im Sommer 2008 war er von Flamengo Rio de Janeiro zum damaligen Zweitligaklub VfL Osnabrück gewechselt. Dort zeigte er über ein Jahr eher durchwachsene Leistungen und stieg mit den Osnabrückern ab. Anderson wechselte daraufhin zu Fortuna Düsseldorf und wurde dort in der Saison 2009/2010 zu einer festen Größe, galt als einer der besten Abwehrspieler der Zweiten Liga. Als besondere Stärke des 1,88 Meter großen Profis gelten das Kopfballspiel und die Spieleröffnung.
Verzichten muss die Eintracht in Halle auf ihren Kapitän Pirmin Schwegler
Vor der letzten Saison bezahlte Borussia Mönchengladbach angeblich eine Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro für Anderson. Den Durchbruch in der Bundesliga hat der Spieler dann aber nicht geschafft, hat insgesamt nur dreizehn Spiele für die Borussia in der Erstklassigkeit bestritten. Nun soll er der Eintracht helfen, in die Bundesliga zurückzukehren. Sportchef Hübner bezeichnet ihn als „ideale Ergänzung“ zu Gordon Schildenfeld, „weil er antrittsschnell und aggressiv ist“. Anderson ist der insgesamt neunte Neuzugang der Frankfurter. Die Personalplanungen sind damit vorerst beendet, auch wenn Trainer und Sportdirektor noch gerne einen weiteren Stürmer verpflichten würden. Priorität genießt nun jedoch der mögliche Verkauf von Spielern. Sein erstes Spiel für die Eintracht könnte Anderson theoretisch bereits an diesem Samstag in der Pokalpartie beim Halleschen FC bestreiten. Vorausgesetzt Trainer Armin Veh traut dem Neuen die Integration innerhalb weniger Tage zu.
Verzichten muss die Eintracht in Halle auf ihren Kapitän Pirmin Schwegler. Der Schweizer Nationalspieler war beim letzten Pokalspiel, im Achtelfinale bei Alemannia Aachen, von Schiedsrichter Michael Weiner bereits in der 14. Minute nach einem Foul an Gueye, der inzwischen für den Nachbarn FSV Frankfurt spielt, vom Platz gestellt worden und ist noch für ein Spiel gesperrt. An dieses Pokalspiel hat die Eintracht nicht nur wegen der Roten Karte ganz besonders schlechte Erinnerungen. Im Grunde hat am 22. Dezember auf dem Aachener Tivoli die ganze sportliche Misere begonnen, die die Frankfurter bis in die Zweite Liga gerissen hat. Die Eintracht hatte die Begegnung 3:5 nach Elfmeterschießen verloren, mit dem Ausscheiden aus dem Pokal war eine wichtige Einnahmequelle versiegt, was wiederum zur Folge hatte, dass die Verantwortlichen, Vorstandschef Heribert Bruchhagen und der damalige Trainer Michael Skibbe, darauf verzichteten, trotz enormer Verletzungsprobleme für Verstärkungen in der Abwehr zu sorgen. Das Ende ist bekannt. Seither hat die Eintracht in sieben Monaten nur noch zwei Spiele gewonnen, in der Bundesliga 2:1 gegen St.Pauli, in der Zweiten Liga 3:2 in Fürth. Wer in Halle für Schwegler in die Mannschaft kommen wird, ließ der Trainer am Mittwoch noch offen. Ricardo Clark wäre ein Kandidat für den Posten, Benjamin Köhler ein anderer.