Home
http://www.faz.net/-gzo-137ft
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eintracht Frankfurt Die Suche geht weiter

02.07.2009 ·  Einen weiteren Spieler und die richtige Form für den Saisonstart im Blick: Trainer Skibbe soll die Eintracht in Zell zukunftsfähig machen.

Von Ralf Weitbrecht, Zell
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nun machen sie wirklich das halbe Dutzend voll. Zell, die Sechste! Diese Kontinuität ist erstaunlich, denn man hätte nach der Personalrochade auf der Assistentenstelle damit rechnen können, dass der neue Eintracht-Trainer Michael Skibbe nicht in ein Trainingslager fahren möchte, das sein Vorgänger Friedhelm Funkel zur Institution hat werden lassen. Es sind vor allem wirtschaftliche Gründe, die Vernunft haben walten lassen. Auch den zweiten Dienstausflug in die Alpen, nach Hermagor in Kärnten, wird Skibbe mit seinen Spielern antreten. Schließlich habe es schon weitreichende Vereinbarungen mit Hotels und Fluggesellschaften gegeben. Zudem muss Vorstandschef Heribert Bruchhagen in dieser Spielzeit sparen. 2,5 Millionen Euro weniger stehen dem Profikader zur Verfügung.

Trotzdem ist es Skibbe geglückt, Verstärkung zu bekommen. Die Transfers von Torwart Ralf Fährmann und Verteidiger Maik Franz fallen noch in die Ära Funkel. Dass nun am Dienstag Selim Teber zum Kader gestoßen ist und am Mittwoch zur Entourage gehörte, die sieben Stunden mit dem Bus benötigte, um nach Zell zu kommen, war zwingend notwendig. Denn an der sensiblen Stelle vor der Abwehrkette bestand Handlungsbedarf. Teber, der ehemalige Kapitän des Ligarivalen TSG Hoffenheim, soll mithelfen, eine der Lücken zu schließen, die durch den Weggang von Michael Fink (Beikta Istanbul) und Junichi Inamoto (Stade Rennes) entstanden sind. Skibbe erhofft sich von dem 28 Jahre alten Mittelfeld-Allrounder Impulse für das angestrebte Offensivspiel. „Er hat ein großes Maß an Vorkenntnissen im taktischen Gefüge, wie auch wir das spielen wollen. Er hat Pressing gelernt. Er war ein gestandener Bundesligaspieler einer sehr guten Mannschaft.“

„Stadt, Fans, Stadion, das passt am besten zu mir“

Teber selbst sagt über die Beweggründe seines ablösefreien Weggangs aus Hoffenheim kurz und knackig: „Stadt, Fans, Stadion, das passt am besten zu mir.“ Und weiter: „Ich traue mir zu, ein Führungsspieler zu werden.“ Die Tage bis zum Saisonstart mit dem Pokalspiel gegen die Offenbacher Kickers wird Skibbe auch dazu nutzen, um die seiner Ansicht nach perfekte Position für Teber zu finden. „Im Grunde ist er ein offensiverer Mittelfeldspieler, also eine sogenannte Acht. Er kann aber auch als Sechs vor der Abwehr spielen.“ So oder so: Skibbe ist zuversichtlich, dass der Zugang aus dem Kraichgau „fußballerisch weiterhelfen“ wird. Weitere Zugänge? „Wir halten weiter die Augen offen in Richtung eines defensiveren Mittelfeldspielers“, sagt der Trainer. Vorstandschef Bruchhagen, der sich gemeinsam mit Lizenzspielerleiter Rainer Falkenhain und Torwarttrainer Andreas Menger parallel zur Mannschaft auf den Weg ins Zillertal gemacht hat, signalisierte Verständnis für die Wünsche des Trainers. Doch er wiederholte sein Credo: „Ich nehme mir nicht die Freiheit, gegen den Etat zu verstoßen.“

Der Manager neigt auch deshalb zur Vorsicht, „weil wir auch auf Ioannis Amanatidis gucken müssen“. Soll heißen: Kommt der Kapitän nicht wie gewünscht in Fahrt, wäre die Verpflichtung eines weiteren Stürmers angebracht, weil auch Martin Fenin nach seiner doppelten Leistenoperation vorerst nicht zur Verfügung steht.

Skibbe: „Darauf brennen, Leistung zu bringen“

Für Skibbe ist der Aufenthalt im Zillertal eine Premiere. Doch auch unter dem neuen Trainer gibt es im Tiroler Übungsalltag Bewährtes. Drei Einheiten täglich, das ist Standard für jeden Bundesligaklub. „Wir werden bis an die Grenzen der Belastbarkeit trainieren“, sagt Skibbe, der seine Profis erstmals am Mittwoch um 18 Uhr auf den Platz bat. Zwischen Kreuzjoch, Gerlosstein und Zellberg will der 43 Jahre alte Trainer, unterstützt von seinem langjährigen Begleiter Edwin Boekamp, den Grundstein für die lange Saison legen. „Wenn es im August losgeht, muss jeder das Gefühl haben, hundertprozentig fit zu sein, und darauf brennen, Leistung zu bringen“, sagt Skibbe.

Die Bedingungen, um nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch auf der Laufstrecke entlang des Flusses Ziller gute Leistungen zu zeigen, sind bestens. Wie immer untergebracht im ersten Haus am Platz, fehlt es Spielern, Trainern und Betreuern an nichts. Juniorchef Stefan Egger dürfte auch diesmal seine Ortskenntnisse bei Ausfahrten mit dem Mountainbike zum Wohle der Eintracht zum Einsatz bringen. Erst nach der Rückkehr in Frankfurt, so der Plan, soll ein Laktattest absolviert werden. Skibbe ist überzeugt davon, dass der letztjährige Problemfall Caio kein zweites Mal dreimal entkräftet abbricht. Ob es auch in Zell wie schon beim Trainingsauftakt in Frankfurt lautstarke „Caio“-Sprechchöre zu hören geben wird? In zwei Testspielen – gegen die WSG Wattens am Samstag und gegen Dynamo Kiew am Dienstag – kann der Brasilianer zeigen, ob er im Sommerurlaub fleißig gelaufen ist. Gerade mit dem 23 Jahre alten Mittelfeldmann verknüpfen die Frankfurter Fans die Hoffnung auf attraktiven, erfolgreichen Fußball.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1961, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr