03.09.2010 · Verletzungen haben Aleksandar Vasoski bei der Eintracht oft gebremst – aber nie gestoppt. Voller Tatendrang fühlt er sich jetzt wieder fit für neue Abwehraufgaben.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtDer kleine Peter ist sein großer Rückhalt. „Acht Monate ist mein Sohn jetzt alt“, sagt Aleksandar Vasoski. Acht Monate persönliches Glück im Leben des Fußballprofis Vasoski, dem sportlich zuletzt nicht immer das Glück zur Seite gestanden hat. Dies hat aber nichts mit seinen spielerischen Qualitäten zu tun, die der Mazedonier zweifelsohne besitzt. Es ist vor allem eine unglaublich anmutende Verletzungsmisere, die den 30 Jahre alte Innenverteidiger der Frankfurter Eintracht immer wieder zurückgeworfen hat. Seine Vorgesetzten wissen um die vielen Ausfallzeiten des kopfballstarken Abwehrspielers. Sie wissen aber auch, dass sie sich immer auf Vasoski verlassen konnten – wenn er denn gesund gewesen ist. „Mein Sohn Peter gibt mir Kraft“, sagt er. „Für mich gibt es zwei Dinge, die am wichtigsten in meinem Leben sind: Meine Familie und meine Gesundheit.“ Aktuell, sagt er, „fühle ich mich gut. Ich bin bereit.“ Schon am vergangenen Samstag, als in der Vorbereitung auf die Heimpartie gegen den Hamburger SV (1:3) der Einsatz von Maik Franz phasenweise in Gefahr geraten war, „hätte ich spielen können. Ich habe mit Trainer Michael Skibbe gesprochen“, sagt Vasoski. „Er hat mir gesagt: Wenn Maik ausfällt, spielst du.“ Es wäre der erste Einsatz nach ziemlich genau neun Monaten gewesen.
Damals, am 6. November 2009, war Vasoski zuletzt am Ball. Es war jenes denkwürdige 0:4 in Leverkusen, als die Bayer-Profis mit der Eintracht Katz und Maus spielten, ihr eine Lektion erteilten und Skibbe eine Wutrede hielt („Alle bei der Eintracht müssen Gas geben, alle müssen sich in allen Bereichen verbessern“). Vasoski musste anschließend passen. Ein Knorpelschaden warf ihn abermals zurück. Wie so oft in seinen bisher fünfeinhalb Frankfurter Dienstjahren, auf die er mittlerweile zurückblicken kann. Dass er dabei nur 87 Einsätze in der ersten und zweiten Liga vorweisen kann, zudem 13 im DFB-Pokal und alle sechs im Uefa-Cup, liegt an seinen vielfältigen Rückschlägen. 2007 zog er sich einen Anriss der Oberschenkelsehne zu, als er beim Torschusstraining in den Rasen trat und in der Folge vier Monate pausieren musste. Anschließend fand man bei einem Routinecheck Zysten in seiner Lunge. Vasoski musste operiert werden und konnte fünf Monate lang kein Fußball spielen. 2008 zog er sich den ersten Knorpelschaden im rechten Knie zu, wieder fiel er vier Monate aus. Im November 2009 dann der zweite Knorpelschaden. Jetzt ist er wieder fit. An diesem Freitag, im Test beim Hessenligaklub RSV Würges (Anpfiff 18 Uhr), wird Vasoski am Ball sein. Es ist eine Art Probe aufs Exempel für den Verteidiger – wie auch für Kapitän Chris, „der auf jeden Fall spielen wird“, wie Skibbe am Donnerstag bestätigte.
Vertrauen und Verlässlichkeit
Vasoski und die Eintracht: Das ist von Beginn dieser Beziehung an ein Verhältnis, das auf Vertrauen und Verlässlichkeit beruht. „Für die Eintracht habe ich sogar darauf verzichtet, in der Nationalmannschaft zu spielen.“ Aktuell hätte Vasoski beim mazedonischen Auswahlteam sein können. Doch er zog es vor, mit der überschaubaren Arbeitsgruppe in Frankfurt zu bleiben, um weiter an der Form zu feilen. „Jetzt ist es noch intensiver“, sagt der Innenverteidiger. „Ich weiß aber, dass sich das irgendwann auszahlen wird. Ich habe sogar in den letzten beiden Jahren kein Urlaub gemacht, um meine Chance bei der Eintracht zu suchen.“
In der mannschaftsinternen Hierarchie belegt Vasoski bei den Innenverteidigern Position vier – hinter Chris, Marco Russ und Maik Franz. Dass schnell etwas passieren und sich immer wieder die Chance auf Einsätze bieten kann, sieht man an der Verletzungsanfälligkeit von Kapitän Chris. Zudem muss Skibbe auch mit Sperren rechnen. Franz sah in der vergangenen Saison zehn Mal Gelb – und musste zwei Spiele Zwangspause einlegen. Dass ein gesunder Vasoski der Eintracht eine verlässliche Größe sein kann, bewies er vor einem Jahr. Da gehörte er an der Seite von Russ kurzfristig zum Stammpersonal. Solange, bis ihn eine der vielen Verletzungen zurückwarf. Patrick Ochs, der stellvertretende Spielführer, sagt über Vasoskis Qualitäten: „Man weiß, dass man auf ihn zählen kann. Wenn man ihn braucht, dann bringt er seine Leistung.“ Gut möglich, dass Vasoski sehr bald schon wieder gebraucht wird. Auf diesen Tag X arbeitet er hin. Und der kleine Peter hilft ihm dabei.