01.08.2011 · Theofanis Gekas hilft der Eintracht durch zwei Tore in Halle eine Pokalrunde weiter, empfiehlt sich spielend für weitere Aufgaben – bleibt aber sonst ganz der Alte.
Von Marc Heinrich, HalleDas Gesicht von Theofanis Gekas blieb ausdruckslos. Als der Grieche in Diensten der Eintracht nach getaner Arbeit das Feld verließ, waren es jüngere Kollegen wie Karim Matmour oder Ümit Korkmaz, die flachsten und denen die Erleichterung über das 2:0 beim Halleschen FC anzumerken war. Gekas dagegen schaute stur geradeaus, rang sich kein Lächeln ab, ließ sich auch von vereinzelten Autogrammsammlern nur kurz aufhalten und suchte den kürzesten Weg über die rote Aschenbahn zur Umkleide. Der Grieche hat in den zwölf Monaten, die er nun für die Frankfurter im Einsatz ist, abseits des Spielfeldes noch nie eine sonderlich glückliche Figur abgegeben. Er beschränkte selbst seinen Kontakt zu den Mitspielern auf das Nötigste, umkurvte zielsicher jedes Mikrofon und zog es vor, sich auf seine Pflichten auf dem Rasen zu konzentrieren. Was ihm am Samstag mal wieder trefflich gelang. Seine Tore in der Schlussphase der ersten Pokalpartie der Saison, erzielt in der 84. Minute per Strafstoß und unmittelbar vor dem Abpfiff, als er eine Unstimmigkeit in der Abwehr des Regionalligateams pfiffig ausnutzte, bewahrten die Frankfurter vor der Verlängerung und bescherten ihnen einen Sieg, mit dem sie in der ersten Stunde der lange ausgeglichenen Begegnung nicht unbedingt hatten rechnen dürfen.
Das Weiterkommen in die nächste Runde bringt 250 000 Euro Garantiehonorar durch den Deutschen Fußball-Bund, das der Klub bestens gebrauchen kann. Hinzu kommen noch Zuschauereinnahmen und mögliche Fernsehgelder, sollte die Eintracht bei der Auslosung am kommenden Samstag einen attraktiven Gegner für den nächsten Auftritt in diesem Wettbewerb erwischen, der am 25./26. Oktober fortgesetzt wird. Ob Gekas dann noch das Eintracht-Trikot trägt, ist noch nicht hundertprozentig klar. Die Transferperiode endet erst am 31. August, und der Einunddreißigjährige galt zuletzt als Kandidat, dessen Gehalt der Verein gerne schon ein Jahr vor Vertragsablauf im Sommer 2012 sparen würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sein Engagement bei den Hessen fortführt, ist seit dem Wochenende aber zumindest nicht kleiner geworden. Bruno Hübner lobte den Auftritt des Profis ausdrücklich: „Er hat gezeigt, dass er für uns Spiele gewinnen kann.“ Mindestens zwanzig Treffer, so die Hochrechnung des Managers im Juni, erwarte er von dem Angreifer in dieser Runde, an deren Ende vor allem ein Ziel erreicht werden soll: die sofortige Rückkehr in die erste Liga, während weiter gehende Achtungserfolge im Pokal schmückendes Beiwerk wären.
Im internen Zweikampf jetzt wohl die Nase vorn
Die mäßigen Eindrücke, die Gekas in der Vorbereitung hinterließ, nährten die Zweifel, ob die Verbindung zwischen ihm und der Eintracht noch eine gute Zukunft haben würde. Wechselabsichten wurden kolportiert. Sein Berater äußerte Unverständnis, dass er zunächst von der Eintracht gedrängt worden sei, im Namen seines Mandanten nicht von einer Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen, der Spieler dann aber in den ersten Liga-Partien zu Beginn nur auf der Ersatzbank saß. Auch in Halle bestätigte Gekas zu Beginn, als er (allerdings wie alle seine Mitstreiter) ohne Gegenwehr den Außenseiter gewähren ließ, dass er sich noch längst nicht in der erwünschten Verfassung befindet. „Gekas ist keiner, der für die Mannschaft arbeitet“, stellte Hübner hinterher fest, „doch er hat die Qualität, die den Unterschied macht.“ Und Ziel sei es, trotz der notwendigen Sparbemühungen, „so viel Qualität wie möglich zu halten“. Auf die Frage, was dies in dieser diffizilen Personalie konkret bedeute, in der auch immer wieder der Name des vermeintlichen Wunschstürmers Stefan Maierhofer (zuletzt Duisburg, jetzt Wolverhampton) auftaucht, antwortete Hübner ausweichend: „Es ist ein gutes Zeichen“, sagte er, lachte und eilte in seinem dünnen Sakko ebenfalls in die wärmende Kabine davon.
Armin Veh nannte Gekas später wegen seines mit viel Chuzpe erzielten zweiten Tores einen „Schlawiner“. Er habe sich „bemüht und gut bewegt“. Auch den Strafstoß habe er sich „fuchsig“ verdient, bescheinigte der Trainer und lobte, seine Kritik der vergangenen Tage offenbar angekommen sei: „Ich habe ihm gesagt, dass er Gas geben muss, und das hat er getan.“
Intern dürfte er durch seine Last-Minute-Glückserlebnisse vorerst im Zweikampf mit Neuzugang Erwin Hoffer die Nase vorne haben, wenngleich das Zusammenspiel in der 4-4-2-Formation mit dem offensiven Mittelfeld und Nebenmann Martin Fenin noch holprig wirkte. „Wir brauchen insgesamt mehr Sicherheit“, sagte Veh, der meinte, dass das hohe Maß an Nervosität in den vielen Niederlagen aus der vergangenen Rückrunde begründet liege. „Das steckt im Unterbewusstsein drin und ist nur mit Erfolg und einer stabilen Formation zu finden.“ Wobei der nächste Umbau sich schon abzeichnet: Linksverteidiger Constant Djakpa erlitt in Halle eine schwere Knochenstauchung im linken Knöchel und droht vorerst auszufallen. Dass er mit versteinerter Miene den Rückzug antrat, war verständlich.
Wieso jetzt?
Björn Opitz (hrbjoern)
- 01.08.2011, 11:37 Uhr