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Eintracht Frankfurt Die Qual der fehlenden Wahl

27.07.2011 ·  Der „verkrampfte Auftritt“ gegen St. Pauli zeigt, dass es der Eintracht an tauglichen Verteidigern mangelt. Bis zum nächsten Zweitligaspiel will Veh einen Neuzugang.

Von Marc Heinrich, Frankfurt
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Die Beziehung ist bis heute für beide Partner eine wechselhafte Geschichte mit mehr Tiefen als Höhen. Fast alles, was sich die Eintracht und Ricardo Clark voneinander versprochen hatten, als sie im Winter 2010 eine dreijährige Zusammenarbeit vereinbarten, hat sich allenfalls in Ansätzen erfüllt. Der Amerikaner ist nach wie vor über den Status des Ersatzspielers nicht hinausgekommen. Seine Hoffnungen, sich in Frankfurt langfristig als Erstligaprofi einen Namen zu machen, weswegen er seinerzeit unter anderem Angebote aus Italien ausschlug, platzten. Er ist ein Lückenbüßer, der von den Trainern Michael Skibbe und Christoph Daum meist nur dann nominiert wurde, wenn die Not groß ist. Daran hat sich auch unter Armin Veh zu Beginn der neuen Zweitligarunde nichts geändert.

Am Montag, beim 1:1 gegen den FC St. Pauli, stand Clark mehr schlecht als recht als Innenverteidiger auf dem Platz – und wenn der neue Coach über eine halbwegs passable Alternative auf der Auswechselbank verfügt hätte, hätte er den Nationalspieler eigentlich vorzeitig erlösen müssen. Dem Mann mit der Rückennummer 13 glückte so gut wie nichts an diesem Abend, er war das wackeligste Glied in einer ohnehin instabilen Viererkette. Clark sagte nach dem durch Alexander Meiers Ausgleichstreffer (78. Minute) glücklich zustande gekommenrn Punktgewinn kaum etwas, sondern schlich in die Kabine. Dafür sprachen seine Vorgesetzten umso mehr – und im Mittelpunkt ihrer Analysen stand immer die mangelhafte Abwehrleistung der Frankfurter, die ein zielstrebigerer Gegner als die Hamburger wohl zu einen Sieg verwertet hätte. „Wenn man hinten nicht gut steht“, sagte Veh, „bekommt man Probleme, weil dann allen die Sicherheit fehlt.“ Wobei er Clark ausdrücklich in Schutz nahm, „der Junge versuchte ja sein Bestes, aber er ist halt kein Verteidiger“. Doch der Mangel an Wahlmöglichkeiten bei der Aufstellung habe ihm gar keine andere Chance gelassen, als den bedauernswerten Clark weiter umherirren zu lassen.

„Ziemlich ernüchtert“

Zehn Spieler hat Veh in Zusammenarbeit mit Manager Bruno Hübner und Vorstandschef Heribert Bruchhagen bislang verpflichtet. Dass Quantität und Qualität dabei in ein vernünftiges Verhältnis gebracht worden wären, ließ sich gegen St. Pauli nicht erkennen. Was Veh wiederum überhaupt nicht verwunderte. „Alle Innenverteidiger der letzten Saison sind weg: Franz, Russ, Vasoski und Chris“, während adäquater Ersatz noch nicht angeheuert wurde. Der junge Stefan Bell, ausgeliehen aus Mainz und aktuell am Knöchel verletzt, ist ebenso noch nicht für den ernsthaften Wettkampfeinsatz geeignet wie der frühere Bremer Dominik Schmidt oder Frankreich-Rückkehrer Habib Bellaid (Reha-Training). Veh redete nicht lange drumherum, dass er sich Sorgen macht, dass das Ziel Wiederaufstieg mit diesem Kader möglicherweise eine Nummer zu groß sein könnte: „So kann es nicht weitergehen“, sagte der Fünfzigjährige. „Fußball ist zwar nicht schwer. Aber, wenn es so funktionieren würde, wäre es zu einfach.“

Bruchhagen sprach von einem „verkrampften Auftritt“, der ihn „ziemlich ernüchtert“ habe. Es sei in seinen Augen jedoch viel zu kurzsichtig, „alles an Clark festzumachen“. Womit er recht hatte: Auch dessen Nebenleute Constant Djakpa und Gordon Schildenfeld blieben den Beweis ihrer Tauglichkeit für die kommenden Aufgaben weitgehend schuldig. Was den Hanseaten, die in der 38. Minute durch Fin Bartels in Führung gegangen waren, insbesondere in die Hände spielte, war die ungenügende Abstimmung zwischen der immer wieder leichtfertig den Ball verlierenden Hintermannschaft und dem Mittelfeld. Veh fand, es sei nicht der Fußball gewesen, „den ich vorhabe, mit der Eintracht spielen zu lassen“. Doch wenigstens hätten seine Spieler „gefightet. Sie haben die Brechstange herausgeholt und sind belohnt worden, das ist ja auch ein Charakterzug, den man sehen will. Das Herz war da.“

„Wir geben niemanden ab, den wir halten wollen“

Entscheidend sei nun, dass auf dem Transfermarkt etwas passiere und der Klub auf die erkennbaren Schwächen reagiere. „Zeitnah“, wie er anfügte, spätestens bis zum nächsten Meisterschaftsspiel am Sonntag, 7. August, in Braunschweig, „müssen wir was tun, denn wir können die Probleme nicht wegwischen“. Hübner sei in Verhandlungen mit einigen Akteuren, die sie beide gleichermaßen für Verstärkungen halten. Der zuletzt genannte Rabiu Afolabi entschied sich derweil gegen die Hessen – und für ein Angebot der Glasgow Rangers; dem Nigerianer soll die Gehaltsofferte aus Frankfurt zu niedrig gewesen sein. Veh klang spöttisch, als er auf den schleppenden Verlauf der seit vielen Tagen laufenden Sondierungsgespräche angesprochen wurde: „Wir müssen mehrere Kandidaten haben, um keinen zu bekommen.“ Was vermutlich auch damit zu tun hat, dass die Eintracht nicht auf Rosen gebettet ist. Das fehlende Fernsehgeld nach dem Abstieg, die zahlreichen Flops der Vergangenheit (Petkovic, Bellaid, Caio), die teuren Zugänge vor einem Jahr (Gekas, Altintop, Tzavellas) und die glücklosen Engagements der Coaches Skibbe und Daum samt Entourage haben auf dem ehedem mit über zehn Millionen Euro gefüllten Konto Spuren hinterlassen. Nun muss gespart werden.

Womöglich auch noch einmal am Personal, wobei die Namen Theofanis Gekas und Georgios Tzavellas klubintern am häufigsten genannt werden, wenn es um mögliche Verkäufe geht; aber auch das immer noch vorhandene Interesse der Bundesligaklubs Bremen und Stuttgart an den Talenten Sebastian Jung und Sebastian Rode wird angeführt. Veh sagte zu den Spekulationen nur so viel: „Wir geben niemanden ab, den wir halten wollen.“ Das lässt Raum für Interpretationen. Nur so viel lässt sich nach zwei Spieltagen mit Sicherheit sagen: Die neue Eintracht – sie ist erst in Ansätzen erkennbar.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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