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Eintracht Frankfurt Die Gesichter der Krise

28.09.2008 ·  Die Talfahrt der Frankfurter Eintracht hat viele Gründe: verschiedene Umstellungen in der Abwehr, undiszipliniertes Verhalten Einzelner oder auch die Formschwankungen von Spielern wie Fink, Spycher und Inamoto.

Von Josef Schmitt
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Nach dem Fehlstart in die Bundesliga mit vier Spielen ohne Sieg und dem Aus im DFB-Pokal gegen Hansa Rostock befinden sich Mannschaft und Trainer der Frankfurter Eintracht vor dem Heimspiel an diesem Sonntag gegen Arminia Bielefeld in einer „prekären Situation“, wie der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen unter der Woche angemerkt hat. Er mache sich große Sorgen, weil das Spiel des Tabellenletzten einfach „nicht ins Laufen komme“, hatte der Eintracht-Chef bemängelt und fehlende Harmonie zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen beklagt. Die Baustellen in der Frankfurter Mannschaft sind in den letzten Begegnungen offensichtlich geworden.

Die Innenverteidigung

Von Woche zu Woche muss die Eintracht mit einer anderen Innenverteidigung antreten und hat auch deshalb nicht zu Sicherheit und Geschlossenheit gefunden. Die einzige Konstante ist bisher Neuzugang Habib Bellaid, der aber aufgrund seiner Jugend und Unerfahrenheit noch kein Fels in der Brandung sein kann. Alle anderen Kandidaten haben ihre Klasse in der Vergangenheit nachgewiesen, spielen aber zum Teil seit Wochen unter Form. Aus unterschiedlichen Gründen: So wurden Chris auf Schalke und Marco Russ beim Pokalspiel in Pfullendorf des Feldes verwiesen und haben auf diese Weise der Mannschaft geschadet. Der Mexikaner Aaron Galindo leidet unter den Länderspielreisen, die immer wieder zu Unterbrechungen seiner Trainingsarbeit bei der Eintracht geführt haben. Der Mazedonier Aleksandar Vasoski ist nach einer Lungenoperation in dieser Spielzeit noch überhaupt nicht für die Eintracht aufgelaufen. Vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld wollte sich Trainer Friedhelm Funkel nicht zu früh entscheiden, wer den Innenblock der Abwehr bilden wird. Mit Bellaid, Galindo und Russ hat er zumindest drei Kandidaten zur Verfügung.

Die Offensive

Ganz anders in der Offensivabteilung. Dort ist das Personal knapp. Es ist noch gar nicht so lange her, zu Beginn der Vorbereitung im Juli, da hatte Funkel mal davon geträumt, hinter Stoßstürmer Ioannis Amanatidis mit Martin Fenin, Alexander Meier und Ümit Korkmaz drei individuell starke Spieler angreifen zu lassen. Doch von diesem Wunschangriff ist nicht viel übrig geblieben, Neuzugang Korkmaz hat wegen eines Mittelfußbruchs noch keine Minute für die Eintracht gespielt. Meier, auf dem wegen seiner Torgefährlichkeit so viele Hoffnungen geruht hatten, ist nach beinahe zehnmonatiger Verletzungspause noch nicht auf Touren gekommen. Einerseits, weil ihn immer wieder neue, kleinere Blessuren zurückgeworfen haben. Aber auch, weil er in seiner langen Leidenszeit ganz offenbar falsche Trainingsmethoden angewandt und dabei viel an Beweglichkeit verloren hat. Am Freitag hat Meier wieder einmal das Training abgebrochen, Anfang nächster Woche wird er wegen Problemen im Knie abermals nach Basel zu Dr. Bernhard Segesser reisen, der ihn im Frühjahr operiert hat. Kapitän Amanatidis steht wegen einer Muskelverletzung seit Wochen nicht zur Verfügung. Überhaupt nicht mehr präsent im Koordinatensystem des Kaders ist ebenso der dauerverletzte Christoph Preuß. Auch Benjamin Köhler hat nach einer Operation noch Rückstände aller Art aufzuholen, und über die Klasse und auch mit dem Fitnesszustand des Brasilianers Caio ist Funkel noch immer nicht zufrieden.

Formkrisen

Zu all diesen Problemen kommen die verschiedenen Formkrisen einiger Spieler hinzu. Verteidiger Christoph Spycher ist über solide Abwehrarbeit bisher noch nicht hinausgekommen. Die Mittelfeldspieler Junichi Inamoto und Michael Fink spielen derart wechselhaft, dass der Trainer würfeln könnte, wen er denn aufstellt. Und der junge Faton Toski hat in den bisherigen Einsätzen zwischen Genie und Wahnsinn geschwankt. Zuletzt, im Pokalspiel gegen Rostock, patzte dann auch noch der sonst so solide Oka Nikolov, verschuldete auf diese Weise den Ausgleichstreffer und leitete somit die Niederlage eigentlich erst ein. Auch Stürmer Martin Fenin müht sich zwar in der Offensive, kommt über gute Ansätze und ein Saisontor bisher aber nicht hinaus. Gegen Formkrisen könne man ankämpfen, hat Funkel einen Rat für seine wankelmütigen Profis parat, „den fußballerisch einfachen Weg wählen und den kämpferisch schweren“. Funkel bringt viel Geduld auf mit seinen Wackelkandidaten, mehr als das häufig unzufriedene Publikum. „Ich lasse Spieler nicht so leicht fallen“, sagt er, „ich setze viel Vertrauen in sie, aber das müssen sie auch zurückzahlen.“

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