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Eintracht Frankfurt Die Eintracht sucht nach Anführern

04.06.2011 ·  Eintracht Frankfurt steht ein größerer personeller Umbruch bevor als angenommen. Mindestens elf Spieler werden den Verein verlassen.

Von Marc Heinrich und Josef Schmitt, Frankfurt
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Die Eintracht braucht neue Führungskräfte. Was seit mehreren Tagen von Klubverantwortlichen angedeutet worden war, wurde am Freitag von Maik Franz bestätigt: Zwischen ihm, dem von den eigenen Fans geschätzten und den Gegenspielern ungeliebten Verteidiger, und dem Frankfurter Fußballklub endet die Geschäftsbeziehung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Ende dieses Monats. Franz wird den Gang in die zweite Liga voraussichtlich nicht mit antreten, sondern auch nach dem Abstieg der Hessen, weiterhin ein erstklassiges Arbeitsumfeld vorfinden.

Anfragen für den robusten Abräumer, der 2009 vom Karlsruher SC an den Main gewechselt war, liegen seinem Berater einige vor. Nach Stand der Dinge wird er übers Wochenende auswählen können, wo er künftig sein Geld verdient: Die Berliner Hertha buhlt anscheinend am intensivsten um den 29 Jahre alten gebürtigen Sachsen-Anhaltiner, aber auch der Hamburger SV, der 1. FC Köln sowie der VfL Wolfsburg signalisierten Interesse.

„Die Eintracht hat das Kapitel beendet“

Franz sagte im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass er gerne in Frankfurt geblieben wäre, aber „das Paket nicht stimmt“. Dazu zählte er das deutlich reduzierte Gehaltsangebot, ein nicht vorhandenes Vertrauensverhältnis zu Sportdirektor Bruno Hübner sowie die Entscheidung, dass Armin Veh den Trainerposten übernimmt: „Die Eintracht hat das Kapitel beendet“, sagte Franz, „sie hat ihr Angebot zurückgezogen.“ Was Hübner in dieser Form dementierte: „Das ist Quatsch.“ Stattdessen legte er Wert auf die Anmerkung: „Wenn ein Spieler sich so lange nicht zu einem Angebot äußert und sich nicht entschließen kann, dann gehe ich einfach davon aus, dass er sich anderweitig orientiert.“

Deadline für eine Entscheidung sei aber nach wie vor dieser Samstag. Was Franz wiederum nicht auf sich sitzen ließ und von „hellseherischen Fähigkeiten des neuen Managers“ sprach. Hübner und Veh hätten ihn schließlich „nicht einmal persönlich informiert oder überhaupt nur den Kontakt gesucht. Das ist schon komisch“, teilte er mit. Hübner kündigte daraufhin ein klärendes Gespräch für Freitagabend an, am bevorstehenden Abschied von Franz dürfte das aber wohl nichts mehr ändern.

Mindestens elf Abgänge bei der Eintracht

Alles in allem, so der zweikampfstarke Defensivspezialist vorausblickend, sei die Trennung, dies zeige ihm gerade der jüngste Wirrwarr, ein naheliegender Schritt, „obwohl ich die Entwicklung schade finde“. Die Tatsache, dass mit Veh künftig ein Coach das Sagen hat, mit dem er sich vor drei Jahren eine persönliche Auseinandersetzung geliefert hatte, sei „nicht ausschlaggebend“, spiele „aber natürlich eine große Rolle“, sagte Franz. Er sprach von „zwei tollen Jahren in Frankfurt“, wünschte dem Verein den „sofortigen Wiederaufstieg“ und verabschiedete sich auf seiner Homepage schon von den „phantastischen Fans“.

Fakt ist: Der personelle Umbruch bei der Eintracht wird so oder so mit mindestens elf Abgängen wesentlich größer ausfallen als ursprünglich angenommen. Von der Stammelf der vergangenen Runde werden Ralf Fährmann (Wechsel zum FC Schalke) und Patrick Ochs (VfL Wolfsburg) definitiv nicht mehr dabei sein. Deutlich ausgedünnt wird auch die zweite Reihe. Der Brasilianer Chris lehnte eine Offerte ab, der ehemalige Kapitän Ioannis Amanatidis soll per Abfindung dazu bewegt werden, seinen noch ein Jahr laufenden Kontrakt bald aufzulösen. Keine neuen Verträge wurden zudem Ersatzkeeper Andreas Rössl, den beiden Abwehrspielern Kevin Kraus (zu Greuther Fürth) und Aleksandar Vasoski, Mittelfeldspieler Zlatan Bajramovic und den Angreifern Halil Altintop und Marcel Heller angeboten; auch der Berater von Caio wurde informiert, dass die Perspektive für seinen Klienten in Frankfurt schlecht aussieht. Hübner geht dennoch davon aus, dass Caio am kommenden Samstag beim Trainingsbeginn dabei sein wird.

Für die Torwartposition sind Kessler, Fromlowitz und Hildebrand im Gespräch

Dringender Handlungsbedarf besteht insbesondere bei der Besetzung der Torwartposition und in der Innenverteidigung. In beiden Fällen steht Hübner nach eigener Aussage „in konkreten Verhandlungen“ mit möglichen Zugängen. Als Torhüter-Kandidaten werden Thomas Kessler vom 1. FC Köln, Florian Fromlowitz von Hannover 96 und Timo Hildebrand, zuletzt Sporting Lissabon, genannt. Für Kessler, der in der vergangenen Saison an den FC St. Pauli ausgeliehen war, müsste die Eintracht eine Ablösesumme zahlen, was den Sportchef nicht schreckt. „Spieler, die begehrt sind, kosten nun mal Ablöse“, sagte er. Wilhelm Bender, der Aufsichtsratsvorsitzende, hatte eine Investitionssumme von 4,5 Millionen Euro genannt, die zur Verfügung stünde.

Dünn besetzt, ganz so wie in weiten Phasen der abgelaufenen Desaster-Saison, sind die Frankfurter in der Abwehrzentrale. Neben der Stammkraft Marco Russ stehen nur noch Rückkehrer Habib Bellaid, der in den letzten beiden Jahren jeweils ausgeliehen wurde, sowie Nachwuchsspieler Julian Dudda zur Verfügung. „Natürlich werden wir noch einen Innenverteidiger holen“, sagte Hübner. Dabei könnte es sich um den erfahrenen Andreas Wolf handeln. Der 28 Jahre alte, frühere Kapitän des 1. FC Nürnberg verlässt den „Club“ und wäre ablösefrei zu haben.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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