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Eintracht Frankfurt Die Eintracht – ein Fragespiel

 ·  Der Frankfurter Kader ist so gut besetzt wie lange nicht, heißt es auch im Trainingslager in Kärnten. Deshalb ist unsicherer denn je, wer es am Ende bis in die Startelf schafft.

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Fünf Wochen Trainingsarbeit ohne Rückschläge, gestiegener Konkurrenzdruck und ansehnliche Auftritte in neun Testspielen lassen die Eintracht zuversichtlich nach vorne schauen. Am Sonntag sagte Michael Skibbe, dass er neben den Mannschaftsführern Chris und Patrick Ochs Pirmin Schwegler, Alexander Meier und den 2009 von ihm als Kapitän abgelösten Ioannis Amanatidis in den Mannschaftsrat berufen hat. Gemeinsam verständigte man sich auf ein mutiges Ziel für die Bundesligasaison: „Wir trauen uns 50 Punkte zu“, sagte Skibbe, „etwas mehr als letztes Jahr möchten wir erreichen.“ Die vergangene Fußballrunde schlossen die Frankfurter mit 46 Zählern als Zehnter ab. Noch ist allerdings nicht klar, wie sich die neue Eintracht vor dem ersten Pflichtspiel, der Pokalpartie an diesem Freitag in Wilhelmshaven, formieren wird. Es gibt noch offene Fragen:

Die Torwartfrage

Fährmann oder Nikolov? Oka Nikolov ist seit 1991 bei der Eintracht. Und versieht seinen Job seit jeher mit beneidenswerter Gelassenheit. Er hat viele Rivalen kommen und gehen sehen – am Ende spielte meistens er. Sein neuester Herausforderer hat in der Vorbereitung gepunktet. Nikolovs Bonus, den ihm Skibbe wegen guter Leistungen in der vergangenen Rückrunde bescheinigt hatte, schmolz. „Wir sind mit Ralf Fährmanns Entwicklung sehr zufrieden“, sagt der Trainer, „er ist zu einem hundertprozentigen Konkurrenten geworden.“ Der 21-Jährige agiere inzwischen „erwachsener und reifer“. Auch Torwarttrainer Menger bezeichnet den ehemaligen U-21-Nationalkeeper als „Riesenjuwel“, er sei „eindeutig besser als vor einem Jahr“. Damals brach Fährmann in Hermagor bei Torschussübungen die Hand, dieser Rückschlag machte ihm lange zu schaffen. Bislang kam er nur zu drei Bundesligaeinsätzen. Nikolov lässt die Diskussion um seine Person wiederum kalt – „deswegen will ich sie nicht kommentieren“. Was er im Hinterkopf haben dürfte: Er zeigte keine Schwächen, und im Frühjahr, als er mit einem Wechsel nach New York kokettierte, setzte sich Skibbe vehement für ihn und einen neuen Vertrag ein, „weil er einer der besten Torleute der Liga ist“. Diese Wertschätzung dürfte so schnell nicht verflogen sein.

Ganz gleich, wie die Entscheidung ausfällt, „es ist die schwerste, die ich treffen muss“, sagt Skibbe. „sie ist endgültiger als bei den Feldspielern“. Mitte der Woche will er die Betroffenen informieren, wer die Nase vorne hat. Und wer sich dann schlecht behandelt fühlt, dem empfiehlt Menger ganz pragmatisch: „Einfach weiter trainieren, der Tag X kommt bei Torleuten schnell.“

Die Verteidigerfrage

Tzavellas oder Köhler? Georgios Tzavellas leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Der Neuzugang läuft auch gegen Teams wie Chelsea oder Udinese mit breiter Brust über den Platz, gerade so, als sei er kein 22 Jahre altes Talent aus Griechenland, sondern seit langem etabliert. Geholt wurde er, um die Lücke zu schließen, die Christoph Spycher hinterlassen hat. Der Nationalspieler interpretiert seine Rolle wesentlich offensiver als sein Vorgänger. In wenigen Testspielen tummelte er sich häufiger in der gegnerischen Hälfte als sein Vorgänger in einem ganzen Jahr. Was ihm schon Ärger mit den Nebenleuten einbrachte, die gerne mehr taktische Disziplin sehen würden, so dass die Abwehrkraft nicht leidet. Was Tzavellas prima kann: den ruhenden Ball mit Wucht und Effet in den Strafraum schlagen. Wenn er aber sein Temperament nicht zügelt, stehen die Chancen, dass er den ersten Frankfurter Platzverweis in dieser Saison kassiert, gut. In Zweikämpfen neigt er zu übertriebener Härte, kaum einem Streit geht er aus dem Weg, er lässt sich gerne auf Wortgefechte ein.

Wesentlich abgeklärter präsentierte sich Routinier Benjamin Köhler. Der Allrounder wünschte sich unlängst zum 30. Geburtstag, „dass ich Stammspieler bleibe“. Wenn es sein muss auch auf der ungeliebten Position des linken Verteidigers. „Natürlich stelle ich mich wieder in den Dienst der Mannschaft“, sagt er. Ansonsten würde er, der bis auf Torhüter alles schon gespielt hat, auch gerne mit Tzavellas zum Doppelpass ansetzen: vor ihm, als linke Offensivkraft. Sein Konkurrent um diesen Platz, der Österreicher Ümit Korkmaz, konnte in Kärnten seinen Heimvorteil nicht ausspielen.

Die Angriffsfrage

Gekas, Altintop, Amanatidis oder Fenin? Im Sturm ist das Reizklima bei der Eintracht am stärksten. Schon lange war die individuelle Klasse der Spitzen nicht mehr so hoch. Alle Kandidaten sind Nationalspieler, alle haben in der Vergangenheit reichlich Tore geschossen, alle sind fit durch die Vorbereitung gekommen, was im Fall von Amanatidis nach zwei schweren Knieoperationen keineswegs sicher war, und alle haben in der Vorbereitung ihre Qualität mehrmals angedeutet. Und dementsprechend einen Ruf zu verlieren, was die vielstimmigen Äußerungen erklärt, durch die sich das Quartett zu positionieren versucht. Abstriche lassen sich bei Gekas machen, der gegen die „großen Namen“ blass blieb und nur bei den Landpartien gegen Amateure erfolgreich war. Skibbe will künftig so oft es geht im 4-4-2-System spielen – was bedeutet, dass zwei der vier Angreifer auf der Bank landen. Entlädt sich der Konkurrenzdruck in positive Energie, die den Rest der Truppe mitreißt, oder folgen Eifersüchteleien und Gezänk, die das Team lähmen? Diese Woche sind der Türke Altintop, der Grieche Gekas und der Tscheche Fenin mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Sie kommen kurz vor dem Anpfiff in Wilhelmshaven zurück – was dafür spricht, dass Amanatidis im Pokal gesetzt ist. Weitere Rückschlüsse lassen sich aber noch nicht ziehen. „Die Mannschaft, die im Pokal beginnt, ist nicht meine Elf, die ich für die Bundesliga im Kopf habe“, sagt Skibbe. Oder anders: Der Verdrängungswettbewerb ist noch lange nicht zu Ende.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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