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Eintracht Frankfurt Der Stoiker im Tor wird belohnt

 ·  „Pröll ist weiter die Nummer eins“, sagte Friedhelm Funkel noch vor Wochenfrist. Das gilt nun nicht mehr. Gegen Hoffenheim verbannt der Trainer von Eintracht Frankfurt den Torhüter auf die Bank und lässt wie gegen Bielefeld Oka Nikolov auflaufen. In der Abwehr baut Funkel auf Patrick Ochs.

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Ganz plötzlich, ohne jede Ankündigung, fällt der entscheidende Satz: „Nikolov spielt.“ Zwei Worte nur, doch von ihnen geht eine große Wirkung aus. Denn die Entscheidung von Trainer Friedhelm Funkel, dem bald 35 Jahre alten Eintracht-Routinier Oka Nikolov - und nicht seinem Mitstreiter Markus Pröll - das Vertrauen auszusprechen, ist ein Signal. Zur Begründung, dass die formal zweite Kraft der Frankfurter Bundesligaprofis zumindest an diesem Samstag gegen die TSG Hoffenheim im Tor steht, sagt Funkel: „Bei Markus Pröll waren Ruhe und Explosivität zuletzt nicht vorhanden. Er ist nicht hundertprozentig an seine Leistungsgrenze herangekommen.

Nikolov, der am Sonntag den Punktgewinn von Bielefeld im Wortsinne festhielt, erhält damit binnen weniger Tage eine weitere Chance, unter erstklassigen Bedingungen seiner Arbeit nachzugehen. Doch auch Nikolov darf sich nicht sicher sein, dass Funkels Entscheidung den kommenden Spieltag überdauert und bis zum Saisonende gilt. Immerhin: „Wenn er gut hält, wird er weiter spielen.“ Aktuell ist dies ein herber Rückschlag für den vertraglich bis zum 30. Juni 2010 gebundenen Pröll, der vom Sommer an einen weiteren Rivalen erhält: Ralf Fährmann.

„Oka hat die Ruhe weg“

Dass zuletzt einiger Wirbel um das Torwartduell bei der Eintracht aufgekommen ist, findet Funkel übertrieben. „Es ist doch ein völlig normaler Vorgang“, versucht er zu erklären, „dass einer nicht spielt.“ Dass aber gerade die Position des Torhüters sensibler als beispielsweise ein Wechsel im Mittelfeld zu handhaben ist, scheint unbestritten. Zur Erinnerung: Seitdem Funkel in Frankfurt das sportliche Sagen über die Mannschaft hat, hat er sich nach dem Ende einer jeweiligen Vorbereitungsphase stets für Pröll als Spitzenkraft entschieden.

Dass es dann im Laufe einer Saison immer wieder zu Wechselspielchen zwischen Pröll und Nikolov gekommen ist, lag an Verletzungen. Aktuell hat Nikolov seine im November erlittene Sehnenverletzung an der Fußsohle vollends überstanden, und die Art und Weise, wie er mit Ruhe, Augenmaß und Bedacht die Prüfung auf der Bielefelder Alm überstanden hat, scheint den entscheidenden Ausschlag gegenüber Pröll gegeben zu haben. „Oka kann man immer einsetzen“, so Funkel. „Er hat die Ruhe weg. Prölli hat in den letzten fünf Spielen nicht die Souveränität ausgestrahlt, und von der Körpersprache her hat ihm die Ruhe gefehlt.“

Mit Nikolov, dem Routinier, also geht es gegen Hoffenheim. Nicht ausgeschlossen, dass in seiner unmittelbaren Umgebung jemand zum Einsatz kommt, der annähernd halb so alt ist wie der Torwart aus dem Odenwald. Der 18 Jahre alte Sebastian Jung hat sich jedenfalls durch seinen couragierten Kurzeinsatz in Bielefeld viele Sympathien erworben - auch und vor allem bei dem für ihn entscheidenden Mann: Trainer Funkel. „Er ist relativ unbekümmert und hat eine gewisse Aggressivität“, sagt der Eintracht-Coach über einige der Vorzüge des gelernten Bäckergesellen. „Er kann derjenige aus dem Eintracht-Nachwuchs sein, der den nächsten Schritt in der Bundesliga schafft.“

Vorfreude bei Newcomer Jung

So wie Patrick Ochs, der Platzhirsch auf dem rechten Verteidigerposten. Ochs, der schon am Mittwoch nach fünfzig Minuten vorzeitig seine Trainingsteilnahme wegen auftretender Beschwerden an dem geprellten Becken abbrach, fehlte am Donnerstag ganz. Gut möglich, dass ihn Funkel ohne weitere Übungseinheit am Samstag einsetzt. „Anders als Nikos Liberopoulos, der auf keinen Fall von Beginn an zum Einsatz kommt, hat Ochs keinerlei Trainingsrückstände.

Newcomer Jung freut sich auf die Partie gegen den Herbstmeister vor annähernd ausverkauftem Haus. „Es wäre ein weiteres überragendes Gefühl und wieder eine Sensation für mich“, sagt er. Keine Sensation ist es, dass Funkel auf Nikolov baut. Der Stoiker hat sich den neuerlichen Vertrauensbeweis durch beständige Arbeit verdient.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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