http://www.faz.net/-gzn-6r27n

Eintracht Frankfurt : Der Mann vom Außendienst

Auch im Spiel gegen Rostock war Matmour lernfähig. Bild: dapd

Karim Matmour hatte keinen leichten Start bei der Eintracht und musste Trainer Armin Veh mühsam von sich überzeugen – aber das ist ihm jetzt gelungen.

          Ganz schön was los im Stadtwald. Auf dem Eintracht-Trainingsplatz vor der WM-Arena tummelten sich am Mittwoch fast dreißig Fußballspieler. So viele wie schon lange nicht mehr. Trainer Armin Veh zog es vor, am Rande des Feldes mit einer tief ins Gesicht gezogenen schwarzen Schirmmütze das Geschehen zu beobachten, um sich einen genauen Überblick über den Leistungsstand seiner Leute zu verschaffen, von denen viele in den vergangenen Tagen immer wieder angeschlagen gefehlt hatten oder wegen Verpflichtungen mit ihren Nationalmannschaften nicht zur Verfügung standen. Auch Karim Matmour machte alle Übungen, bei denen der Ball im Mittelpunkt stand und immer wieder der Torabschluss geübt wurde, ohne sichtbare Schwierigkeiten mit. Der Sechsundzwanzigjährige, der zuletzt wegen eines grippalen Infekts flachlag, sieht sich insgesamt selbst „noch nicht wieder bei hundert Prozent“ seiner Schaffenskraft angekommen, „doch es läuft immer besser“. Das gelte im Übrigen auch für das Team als Ganzes, denn er spüre, „wie langsam die Automatismen anfangen zu greifen“.

          Der in Straßburg geborene Franzose mit algerischen Wurzeln lebt seit acht Jahren in Deutschland. Vor seinem Wechsel nach Frankfurt, wo er mit seiner Frau, der Sängerin Manel Filali, im Westhafenviertel eine schicke Wohnung gefunden hat, stand er hierzulande beim SC Freiburg und bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Im Sommer hatte er genug vom Dasein als Wackelkandidat, der sich regelmäßig auf der Auswechselbank der Elf vom Niederrhein wiederfand, und folgte dem Lockruf von Veh und Manager Bruno Hübner. Einem achtbaren Start mit einem Tor beim siegreichen Saisondebüt in Fürth (3:2) folgte danach ein sportliches Auf und Ab, das sich erst seit kurzem abgeschwächt hat. Matmour machte bislang alle Partien mit. Was ihm noch wichtiger ist: Seine Leistung wird zusehends stabiler. Auf der Position des rechten Mittelfeldspielers ist er vorerst gesetzt, auch weil Kollege und Konkurrent Sebastian Rode als Abfangjäger vor der Abwehr benötigt wird. Dass seine Eingewöhnungsphase bei der Eintracht wechselhaft verlief, wunderte ihn nicht: „Ich wusste, dass es nicht so einfach wird.“

          Von der Kritik zum Lob

          Die Vorbereitung war durch den frühen Start der zweiten Liga kurz, wobei aus seiner Sicht erschwerend hinzukam, dass ihn die Nachwirkungen eines Nasenbeinbruchs, der operativ behandelt werden musste, in seinem Bewegungsdrang arg behinderten. „Es war kompliziert“, erzählte Matmour an diesem Vormittag, „um gut Fußball zu spielen, muss man fit sein.“ Und er war es lange nicht. Doch weil er stets ehrlich zu Veh gewesen sei und ihn über sein Handicap auf dem Laufenden gehalten habe, sei es zu keinen Missverständnissen gekommen. „Jetzt arbeite ich jeden Tag hart, und ich hoffe, dass es so weiter läuft.“ Überhaupt mache die Integration der insgesamt elf Zugängen bei dem Tabellenfünften Fortschritte, so glaubt er nach dem 4:1 über Rostock erkannt zu haben. „Es ist ein Rhythmus da“. Ein Testspiel gegen den FC Germania 09 Großkrotzenburg endete am Abend erwartungsgemäß X:X. Auch vor der kommenden Auswärtsprüfung in Dresden an diesem Montag ist Matmour nicht bange, „weil die individuelle Qualität bei uns stark ist“. Gemessen an den Voraussetzungen zuvor in Gladbach, sei kein Unterschied auszumachen, welcher Verein erst- und welcher zweitklassig sei: „In Frankfurt ist auch alles super: Infrastruktur der Eintracht, das Gelände, das Team, die Stadt und die Fans – das ist wie Bundesliga.“

          Dass er selbst einen eher europäischen Spielstil verkörpert, weniger auf Dribblings und Ballstafetten aus ist als viele seiner Landsleute in der algerischen Nationalmannschaft, begründet der 26-malige Auswahlspieler mit seiner Fußballausbildung im Internat von Racing Straßburg: „Damals habe ich immer Probleme mit den Trainern bekommen, wenn ich nicht abgespielt habe und zu eigensinnig war.“ Auch Veh, der sich vor kurzem noch kritisch über Matmour geäußert hatte („Ich weiß nicht, ob er es noch lernt“), lobte ihn zuletzt ausdrücklich für seinen Auftritt gegen Rostock, bei dem er zunächst als verkappter Außenstürmer begann, doch sein taktisches Missgeschick nach ein paar Zurufen von außen rasch erkannte und fortan seine Rolle auf der Außenbahn inklusive defensiver Pflichten achtbar erfüllte. Die Show, sagt Matmour am Mittwoch, sei nicht das Wichtigste am Fußball. Es komme vielmehr darauf an, dass man das Schwere richtig macht, um den gewünschten Erfolg zu haben: „Einfach spielen.“

          Weitere Themen

          So stimmt die Stimme Video-Seite öffnen

          Eine Sprechtrainerin erklärt : So stimmt die Stimme

          Heidi Puffer ist auf der Suche. Das, was sie zu finden erhofft, ist nicht zu sehen, wohl aber zu hören. Denn immer dann, wenn Puffer eingeschaltet wird, droht auch der hörbare Rest in monotonem Einklang zu verschwinden.

          Mit breiter Brust

          Eintracht Frankfurt : Mit breiter Brust

          Carlos Salcedo ist nach auskurierter Verletzung wieder da – und meldet sogleich Ansprüche an. Schon beim Spiel der Eintracht in Augsburg könne er verteidigen.

          Topmeldungen

          Vereinigte Staaten : Wer kann Donald Trump besiegen?

          Sollen die Demokraten nach links rücken oder doch lieber die Mitte besetzen? Die Welt verfolgt gebannt den Ausgang des Richtungskonflikts in den Vereinigten Staaten. Nicht wenige hoffen auf eine Empfehlung des ehemaligen Präsidenten Obama.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.