25.08.2010 · Eintracht-Chef Bruchhagen hat leicht Probleme mit dem 50-Punkte-Ziel und hält manchen „Helden“ für zu gesprächig. Aber die Spieler wehren sich.
Von Josef Schmitt, FrankfurtAussagen von Spielern sind in diesen Tagen bei den Fußballprofis der Frankfurter Eintracht durchaus umstritten. So hatte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen nach der Auftaktniederlage in Hannover deutliche Kritik geübt, weil den Worten keine Taten gefolgt seien. Namentlich nannte Bruchhagen Maik Franz, Pirmin Schwegler und Ioannis Amanatidis. „Es war doch typisch, dass all diese Helden Probleme auf dem Platz hatten“, sagte Bruchhagen, der sich auch mit der von Trainer und Mannschaft gemeinsam festgelegten Zielsetzung von 50 Punkten nicht so recht anfreunden kann. Die Spieler sind sich keiner Schuld bewusst, sehen keine Zusammenhänge zwischen den Interviews im Vorfeld des Spiels und der Leistung beim Spiel in Hannover. „Den Schuh ziehe ich mir nicht an“, sagt Amanatidis, „ich sage meine Meinung und was ich sage, entspricht der Wahrheit.“ Aus seiner Sicht sei es „legitim“, wenn die Mannschaft nach 46 Punkten in der Vorsaison nun 50 Punkte anstrebe, „weil doch alle sagen, wir hätten einen besseren Kader als zuletzt.“ Auch Franz will weiter Interviews geben, „weil ich ein höflicher Mensch bin und antworte, wenn ich gefragt werde.“ Er wisse, dass die 50-Punkte-Vorgabe ein „schmaler Grat“ sei, „aber man muss sich hohe Ziele setzen, um sich weiterzuentwickeln“. Fast wortgleich hatte sich auch Trainer Skibbe zuletzt geäußert.
Es war nicht so ganz einfach für die professionellen Beobachter den Trainingsbetrieb bei der Eintracht am Dienstag zu verfolgen. Cheftrainer Michael Skibbe war aus privaten Gründen verhindert, die Trainingsgruppe war in drei Teile aufgeteilt, der eine oder andere konnte wegen Verletzungen nur im Kraftraum arbeiten oder sich von den Physiotherapeuten behandeln lassen. Alleine bei Torwarttrainer Andreas Menger war alles wie immer. Er arbeitete auf dem Platz mit den drei Torhütern Oka Nikolov, Ralf Fährmann und Andreas Rössl. Derweil rannte Reha-Trainer Michael Fabacher mit dem größten Teil der Spieler durch den nahen Wald. Rund acht Kilometer mussten in 36 Minuten absolviert werden. Ziemlich deutlich verspätet kehrten vom Lauf Theofanis Gekas und Caio zurück, sie hatten sich ganz offenbar mehr Zeit gelassen als die Kollegen. Die beiden am Knie operierten Profis Ioannis Amanatidis und Aleksandar Vasoski hatten es vorgezogen, gar nicht in den Wald zu gehen. Sie liefen lieber, beaufsichtigt von Assistenz-Trainer Eddy Boekamp, auf dem Rasen im Schatten der Arena.
„Ich bin bereit“, sagte Chris
Mit Maik Franz und Chris hatten zwei wichtige Spieler ganz aufs Training verzichten müssen. Franz plagt sich seit einiger Zeit mit muskulären Problemen im Oberschenkel, will aber am Donnerstag wieder trainieren. „Ich denke, es klappt bis Samstag“, sagt der 29 Jahre alte Abwehrspieler, der davon ausgeht, dass er beim ersten Heimspiel dabei sein kann. Das will auch Chris, zumal seine Pause nicht auf die vor sieben Wochen hinter sich gebrachte Leistenoperation zurückzuführen war, sondern auf eine Grippe. Doch der Brasilianer verpasste wegen des leichten Fiebers nicht nur das Training, sondern auch das Privatspiel am Dienstagabend in Aschaffenburg. Zuletzt hat der neue Eintracht-Kapitän in einem Wettkampf am 1.Mai gegen den Ball getreten, damals gegen 1899 Hoffenheim. Gerade für ihn sollte deshalb das Spiel als Test dienen.
Trainer Skibbe wird in den nächsten Tagen entscheiden müssen, ob Chris nach der langen Pause und trotz der fehlenden Spielpraxis in der Lage sein kann, der Mannschaft gegen den HSV zu helfen. „Ich bin bereit“, sagte Chris. Der Trainer ist eher skeptisch, will einen Einsatz „nicht ausschließen“, hält ihn aber für „nicht wahrscheinlich“.